Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Eier sind knapp: Darum sind im Moment viele Regale in den Supermärkten leer

Leere Regale, eine dürre Mitteilung: Bei Aldi in Mannheim gibt es seit fast zwei Wochen wenige bis keine Eier mehr.
Leere Regale, eine dürre Mitteilung: Bei Aldi in Mannheim gibt es seit fast zwei Wochen wenige bis keine Eier mehr.

Bei Aldi und Lidl in Mannheim gibt es derzeit fast keine Eier mehr. Das Problem gibt es nicht nur in der Region – und es könnte noch eine Weile andauern.

„Es hat uns schwer getroffen“, sagt Jürgen Wessels. Er ist einer von zwei Chefs der Columbus Frischei GmbH und musste in den zurückliegenden Monaten schlechte Nachrichten verdauen. In zwei Großställen gab es Fälle der Vogelgrippe und das bedeutete, dass der Unternehmer viele Tiere töten musste. Insgesamt wurden fast 300.000 Hühner gekeult, was bedeutet, dass seither Tag für Tag weniger Eier zur Verfügung stehen. Wessels kämpft mit seiner Firma darum, den Schaden finanziell aufzufangen, während die Menschen in Mannheim die Auswirkungen gerade zu spüren bekommen. Die Columbus Frischei GmbH aus Schöppingen in der Nähe von Münster ist ein Lieferant von Aldi Süd. Die Produkte des Großbetriebs werden in den Filialen des Discounters in Mannheim verkauft – oder aktuell eben nicht.

Die Regale sind leergefegt

Seit dem Jahreswechsel gleicht es einer Lotterie, ob die Menschen in den Filialen von Aldi Eier bekommen – mit der Tendenz zur Niete. Am vergangenen Wochenende waren die Regale leergefegt. Nicht nur der Hof von Jürgen Wessels hat Lieferschwierigkeiten. In vielen Teilen Deutschlands, aber auch in Polen und den Niederlanden ist die Produktion bei Eiern zurückgegangen. „Aus Polen und den Niederlanden kommen viele Eier nach Deutschland, und beide Länder sind stark von der Vogelgrippe getroffen“, sagt Wolfgang Schleicher im RHEINPFALZ-Gespräch. Der Geschäftsführer des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) weiß, dass es gerade schwierig ist, den Hunger der Menschen auf Eier flächendeckend zu stillen.

Der Eierbedarf ist gestiegen

Aus seiner Sicht liegt das nicht nur an der grassierenden Vogelgrippe, sondern zudem am gestiegenen Verbrauch – und an der Jahreszeit. „Wir stellen seit einiger Zeit fest, dass immer mehr Eier nachgefragt werden“, sagt Schleicher. Um etwa 10 Prozent sei der Absatz innerhalb des vergangenen Jahres gestiegen und diese Tatsache setzt den Markt unter Druck. Zudem werden zu keiner Zeit mehr Eier benötigt als vor Weihnachten und rund um den Jahreswechsel. Weil in diesem Jahr die Folgen der Vogelgrippe hinzukommen, sind Lieferengpässe eine logische Konsequenz.

In vielen Lidl-Märkten sieht es derzeit so aus.
In vielen Lidl-Märkten sieht es derzeit so aus.

In Mannheim hat es gerade Aldi getroffen und bei Lidl sieht es ähnlich aus. Auch hier müssen die Mitarbeiter der verschiedenen Märkte den Kunden oft schlechte Nachrichten überbringen. Marktleiter berichten davon, dass sie seit dem 31. Dezember keine Eierlieferung mehr bekommen haben. Immerhin: Zum Start der Woche liegen hier und dort Eier aus – und finden reißenden Absatz. Bei Penny und in den Rewe-Märkten sind zwar verschiedene Regale leer, weil nicht alle Lieferanten geliefert haben, aber hier gibt es derzeit noch ein ausreichendes Angebot. An dieser Situation kann sich jederzeit etwas ändern. Aldi arbeitet mit Hochdruck an einer Lösung der aktuellen Knappheit. „Selbstverständlich beobachtet Aldi Süd die Marktentwicklungen und steht in engem Kontakt mit den Lieferantinnen und Lieferanten, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten“, heißt es auf RHEINPFALZ-Nachfrage aus der Konzernzentrale.

Eierpreise steigen, Druck für Landwirte

In jedem Fall haben viele Supermarktketten zuletzt die Preise für Eier angehoben – die Vogelgrippe war ein Grund dafür. Aber nicht der einzige, denn die Produktionskosten für die Lieferanten sind zuletzt immer weiter angestiegen. Zum Jahreswechsel liefen viele Verträge zwischen den Ketten und den Hühner-Landwirten aus und wurden neu verhandelt. In Deutschland hat die neuerliche Anhebung des Mindestlohns zusätzlich Auswirkungen auf die Preise. Das entfacht Druck für die Betriebe hierzulande, die innerhalb der EU in einem harten Wettbewerb stehen.

Jürgen Wessels von Columbus Frischei versucht, trotz schwieriger Ausgangslage seinen Verpflichtungen nachzukommen. Die Verluste sollen bald mit neuen Hühnern ausgeglichen sein, aber das dauert noch eine Weile. Bis dahin tut er alles, um einen erneuten Ausbruch der Vogelgrippe in seinen Ställen zu verhindern. Wie es zu den bisherigen Fällen kam, kann er nicht mit Gewissheit sagen. In einem Belüftungssystem eines Stalls wurde eine verendete Taube gefunden, die mit dem Erreger infiziert war. Das könnte das Unglück ausgelöst haben.

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