Ludwigshafen „Effektiv und trotzdem sanft“
Mutterstadt. Im Januar starten bei der TSG Mutterstadt Pilateskurse. Trainerin Sabine Haas bietet am 8. und 22. November Infoabende zum „Trainieren nach der Pilates-Methode“ an. Im Interview spricht die Pilatestrainerin über Atmung, Rückenprobleme und wie man zurück in eine neutrale Beckenposition findet.
Ja, das kann es. Pilates-Übungen stärken die Muskulatur und verbessern dadurch auch die Haltung. Im Sitzen, zum Beispiel am Schreibtisch, werden die Schulterblätter oft hochgezogen, der Kopf nach vorne geschoben und der Oberkörper gebeugt. Durch Absenken der Schulterblätter, die Schulterblattspitzen „fließen“ dabei gedacht am Rücken entlang in die Gesäßtaschen, weiten sich die Schlüsselbeine und der Oberkörper richtet sich auf. Diese Ausrichtung bildet zusammen mit einem neutralen Becken, der neutralen Wirbelsäule und dem „Powerhouse“, das ist die feste Körpermitte, die Ausgangsposition, um eine Pilates-Übung auszuführen. Was kann ich mir denn unter einer neutralen Becken- und Wirbelsäulenposition vorstellen? Neutrale Beckenposition bedeutet, dass die Beckenkämme und das Schambein auf einer gedachten Ebene sind. Die Wirbelsäule hat von Natur aus eine doppelte S-Kurve. Ist sie so ausgerichtet, ist auch das Becken in neutraler Position. Neutral dürfte das aber doch bei den wenigsten Menschen sein, oder? Ja. Eben weil wir viel sitzen und das in gekrümmter Haltung. Die neutrale Position ist daher aufgelöst, man kann sie aber wiederfinden. Durch das Pilates-Training wird geübt, die neutrale Position wieder einzunehmen. Ein gesunder Mensch kann ja sein Becken bewegen, zum Beispiel kippen und aufrichten. Die feste Körpermitte hilft zusätzlich dabei. Das „Powerhouse“ haben Sie anfangs schon erwähnt. Was ist das? Zum „Powerhouse“ gehören verschiedene Muskelgruppen: der tiefe querverlaufende Bauchmuskel, die unteren und oberen schräg verlaufenden Bauchmuskeln, die Beckenbodenmuskulatur und das Zwerchfell. Das System liegt in der Körpermitte und ist nach allen Seiten geschlossen. Zusammen bilden diese Muskeln einen „Kraft-Gürtel“, der die Taille schmal macht. Und wenn ich den Bereich anspanne, hilft mir das bei den Übungen? Wir sagen aktivieren, nicht anspannen. Im Pilates sind die Begriffe wichtig. Aktivieren klingt weniger nach Spannung und gibt ein besseres Gefühl. Das „Powerhouse“ wird bei der Ausatmung aktiviert. Alle Bewegungen gehen dann von der starken Körpermitte aus. Das Einatmen dient immer als Vorbereitung auf die Übung. Atmung. Gutes Stichwort. Gibt es da Besonderheiten? Beim Yoga zum Beispiel wird ja auch besonders auf die Atmung geachtet. Yoga setzt komplett auf Bauchatmung. Im Pilates wird durch die Nase ein- und durch den Mund ausgeatmet. Ein zentraler Punkt ist die seitliche Brustkorbatmung. Die hängt mit der Anspannung in der Körpermitte zusammen. Da das „Powerhouse“ aktiviert ist, kann man nicht in den Bauch atmen. Die Luft breitet sich in allen Dimensionen im Brustkorb aus. Die Atmung begleitet jede Bewegung und unterstützt den Bewegungsfluss. Wie unterscheidet sich Pilates denn noch von Yoga? Joseph H. Pilates, Begründer der Pilates-Methode, hat ein Trainingssystem entwickelt mit dem Ziel, Körper und Geist in Einklang zu bringen. Yoga ist mehr noch eine Lebensphilosophie, die auch auf spiritueller Ebene arbeitet. Pilates hat keine spirituelle Prägung. Im Yoga geht es bei den Übungen oft um Körperbeherrschung und Kontrolle. Wie ist das beim Pilates? Die Übungen werden aufmerksam, kontrolliert und präzise ausgeführt. Es ist ein effektives und trotzdem sanftes Training, eine Kombination aus Kräftigung und Dehnung. Das Training verbessert zudem die Körperwahrnehmung. Es gilt der Grundsatz: Die Qualität des Bewegungsablaufs steht vor der Quantität. Durch die harmonische Abfolge und den Bewegungsfluss stellt sich Wohlbefinden ein. Kann denn jeder Pilates machen? Ja. Einschränkung sollte man allerdings bei Schwangeren im letzten Drittel machen und bei Menschen mit akuten Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule. Es gibt zwar Pilates als Reha-Maßnahme, aber das decke ich im Kurs nicht ab. Das Gute am Pilates ist, dass alle Übungen an den Stand der Teilnehmer angepasst werden können. Sie sind nicht per se schwer, sondern es gibt Variationen. Wir gehen im Kurs Schritt für Schritt vor. Am Anfang wird Basistraining gemacht, dass sie Teilnehmer die Technik lernen und dann kommen die einzelnen Übungen. Muss, wer in Mutterstadt mitmachen will, schon Vorkenntnisse haben? Nein. Die Stunden eignen sich auch für Einsteiger und Wiedereinsteiger. Ich fange mit den Grundlagen an. An den Infoabenden vermittle ich Theorie und Praxis, damit die Teilnehmer schon wissen, worum es geht. Es funktioniert einfach besser, wenn man sich vorstellen kann, mit was man es zu tun hat. Ist Pilates ein klassisches Nach-der-Arbeit-Training? Ich bin nach dem Sport meist eher hibbelig als ruhig? Ja. Die Stunde ist so gestaltet, dass die Teilnehmer Zeit zum Ankommen haben. Sie sollen sich bewusstmachen, dass sie jetzt Zeit für sich haben. Dann kommen Mobilisationsübungen für die Gelenke und Stabilisierungsübungen, bevor es Schritt für Schritt zu den eigentlichen Übungen geht. Joseph H. Pilates wird folgendes Zitat zugeschrieben: „Nach zehn Stunden fühlen Sie den Unterschied, nach 20 Stunden sehen Sie den Unterschied, nach 30 Stunden haben Sie einen neuen Körper.“ Können Sie das unterschreiben? Ja. Ich habe die Entwicklung an mir selbst gesehen. Termin Kostenlose Infoabende „Trainieren nach der Pilates-Methode“ bei der TSG 1886 Mutterstadt an den Dienstagen, 8. und 22. November, jeweils von 18.30 bis 20 Uhr in der TSG-Halle, Bohligstraße 1, Mutterstadt. Die Kursleiterin stellt die Trainingsmethode in Theorie und Praxis vor. Bitte Sportkleidung und Gymnastikmatte mitbringen. Die Pilateskurse unter der Leitung von Sabine Haas starten am Dienstag, 17. Januar. Sie finden an zehn Abenden statt und dauern jeweils 60 Minuten. Die Kurse sind für Neu- und Wieder-Einsteiger geeignet. Anmeldung zu den Infoabenden und weitere Informationen bei Lore Brose, Abteilungsleiterin Turnen, unter Telefon 06234 4675 oder im Netz unter www.tsg-mutterstadt.de. |cju