Mannheim
Echte Lichtblicke: Faszinierende Experimente der Fotokunst im Port 25
Das Licht als Ursprung jedes fotografischen Bildes kommt bei beiden Künstlern unmittelbar zum Tragen. „Es geht um das Machen und Entstehen von Bildern mit Hilfe des Lichts“, erklärt die Direktorin des „Raums für Gegenwartskunst“ im Mannheimer Jungbusch, Yvonne Vogel, bei der Einführung. Während die Galerie coronabedingt geschlossen ist, kann die neue Ausstellung in einem 360°-Rundgang besichtigt werden. Bei der Vernissage nimmt Kuratorin Kim Behm die Gäste virtuell mit nach oben zur Kunst. Der 56-jährige Wiener Edgar Lissel befolgt dabei einen deutlich konzeptionellen, der 58-jährige Mannheimer Claus Stolz einen eher experimentellen Ansatz.
Die dunkle Kammer
Für eine Reihe großer fotografischer Dekonstruktionen baut Edgar Lissel ganze Räume zu einer Lochkamera um. Dafür hat er den Raum komplett abgedunkelt und nur durch ein kleines Loch Licht in das Innere dieser dunklen Kammer – oder Camera obscura – einfallen lassen. An der gegenüberliegenden Wand hat er das Fotopapier angebracht, auf dem dann die Außenwelt kopfstehend abgebildet wurde. Die Möbel und Dinge im Raum selbst zeichnen sich als weiße Aussparungen, als Fotogramme, ab. Es überlagern sich also zwei fotografische Techniken, die beide ohne Kamera funktionieren.
Beim Mannheimer Claus Stolz dagegen steht außer einer großen Linse nichts zwischen der Sonne und dem Fotopapier. Seine „Sunburns – Sonnenbrände“ zeigen beeindruckend, was gebündelte Sonnenstrahlung auf dem lichtempfindlichen Material bewirkt. Ein Vorgang, den der 58-jährige Mannheimer Künstler nur bedingt steuern kann. Die Ergebnisse muten an wie bunte Fensterrosen gotischer Kathedralen oder eigentümliche Oberflächenlandschaften ferner Planeten. Dabei sehen wir nur das Fotopapier, das die hohen Temperaturen sozusagen zum Schwitzen und zum Aufwerfen kleiner Bläschen gebracht haben.
Fischgräten aus Licht
Nicht physikalischer oder chemischer, gleichwohl biologischer Prozesse bedient sich wiederum Edgar Lissel, wenn er gezielt lichtsensible Bakterien im Entstehungsprozess seiner Bilder einsetzt. Die runde Form der Petrischalen, in denen er die Cyanobakterien gezüchtet hat, finden sich im vollendeten Werk wieder, das einen halben Apfel, Fliegen oder, als Triptychon aus Kopf, Gräten und Schwanz, einen Fisch zeigt. Während die Bakterien ans Licht gewandert sind, blieben die genannten Formen als helle Abbilder stehen.
Online freilich, das lässt sich vermuten, machen die Arbeiten nicht den Eindruck, den sie vor Ort machen. Man klickt sich durch den Rundgang, der seinerseits nur das unbefriedigende Abbild der echten Ausstellung sein kann. Bleibt zu hoffen, dass die Türen des Port 25 sich bald ganz real wieder öffnen und auch das Rahmenprogramm stattfinden kann. Für den April und Mai sind Kunstprojekte für Kinder und Jugendliche vorgesehen, Vorträge, Künstlergespräche und Workshops sowohl mit Edgar Lissel als auch Claus Stolz sowie weitere Veranstaltungen mit dem österreichischen Fotokünstler und Archivar Lukas Birk oder vom Heidelberger Kalamari Klub, der sich als „Freiraum für analoge Fotografie“ versteht.