Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel EC-Karte weg: Diebe plündern Konto

Die Polizei rät: Wertsachen immer nah am Körper tragen und niemals die Pin nahe der EC-Karte notieren.
Die Polizei rät: Wertsachen immer nah am Körper tragen und niemals die Pin nahe der EC-Karte notieren.

Einem Ehepaar aus Oggersheim wird die EC-Karte gestohlen. Die Täter gehen damit sofort in Geschäften einkaufen und geben rund 10.000 Euro aus.

Er war für einen Moment unachtsam – nun fehlen rund 10.000 Euro. Eckhardt Marquardt aus Oggersheim ist sich nicht sicher, ob er seine Geldbörse am Bankautomaten vergessen hat, ob sie ihm aus der Tasche gefallen ist, oder ob sie aus seiner Umhängetasche geklaut wurde. Er und seine Ehefrau Hannelore wollten Geld abheben – um am nächsten Tag den Geburtstag der 75-Jährigen mit einem Essen zu feiern. Am Abend bemerkte der Rentner den Verlust der Börse, in der sich zwei EC-Karten befanden, und ließ sie sperren. Da hatten mutmaßlich zwei junge Männer bereits einiges auf Kosten des Ehepaars Marquardt eingekauft.

In Neustadt gaben die Diebe zum Beispiel über 900 Euro in einem Modegeschäft aus, fast 600 in einem Handyladen, rund 350 in einer Parfümerie und rund 1700 für Schmuck. Außerdem hätten sie sich Bargeld auszahlen lassen, erzählt der 75-Jährige. All das und noch mehr Ausgaben stehen auf den Kontoauszügen von Eckhardt und Hannelore Marquardt. Rund 10.000 Euro fehlen nach Angaben des Paares auf Konten bei der Sparkasse und der VR-Bank.

Pin ausgespäht?

Wie die Diebe innerhalb eines Tages so viel ausgeben konnten, ist auch den Banken ein Rätsel. Bargeldlos bezahlen sei mit einem Konto der Sparkasse auf 5000 Euro am Tag beschränkt, erklärt ein Sprecher der Sparkasse Vorderpfalz. Am Geldautomaten könnten Kunden pro Tag nicht mehr als 2000 Euro abheben. Zudem sei dafür die persönliche Identifikationsnummer (Pin) notwendig. Auch für Beträge über 50 Euro und ab der fünften bargeldlosen Zahlung am Tag müsse man die Nummer eingeben. „Wir gehen davon aus, dass der Täter im Besitz der Pin war“, sagt der Sprecher. Nur Zahlungen per Unterschrift seien ohne Limit möglich. Diesen könnten Kunden aber im Nachhinein widersprechen.

In ihrem Fall könnten die Banken jedoch nichts tun, erzählt das Ehepaar. „Einfacher Diebstahl“ sei kein versicherbares Risiko, erklärt der Sparkassensprecher. Das Ehepaar kann nur darauf hoffen, dass die Polizei die Täter ermittelt. „Ich bin ein bisschen geplättet“, sagt Eckhardt Marquardt. „Aber wir werden nicht direkt verhungern“, ergänzt er. Trotzdem trifft der Verlust die gesundheitlich angeschlagenen Rentner. Für Notwendiges, wie die Gehhilfe seiner Frau, bekämen sie beispielsweise nur einen kleinen Anteil von der Krankenkasse bezahlt. Zusätzlich muss der 75-Jährige nun einen neuen Ausweis und einen neuen Führerschein beantragen – weitere Kosten.

Fallzahlen moderat

Etwas Hoffnung machen die Überwachungskameras in den Geschäften in Neustadt. Der Sohn der Marquardts habe alle Geschäfte angerufen und bei zwei verhindern können, dass die Videos gelöscht wurden. Zu sehen seien zwei junge Männer, die Englisch miteinander sprechen, berichtet Marquardt. Die Polizei habe die Sicherung der Überwachungsvideos der Banken und Geschäfte bereits in Auftrag gegeben, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Rheinpfalz. Die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich Täter zu ermitteln, hänge maßgeblich von solchen Aufnahmen ab. Allzu häufig kämen solche Diebstähle nicht vor, ergänzt er. Das Polizeipräsidium habe im vergangenen Jahr 34 Diebstähle von Zahlungskarten in Banken bearbeitet.

Um diese Diebstähle zu vermeiden, sollten Kunden grundsätzlich kein Geld abheben, wenn in der Filiale auffällige Personen seien, rät der Sprecher der Sparkasse. Auch die Polizei hat Tipps zum Schutz vor Diebstählen: Wertsachen dicht am Körper tragen, bestenfalls in verschlossenen Innentaschen. Sollten Fremde am Geldautomaten oder an Kassen zu nah kommen, solle man Abstand einfordern, so der Polizeisprecher. Zudem solle man regelmäßig prüfen, ob die Wertsachen noch sicher verstaut sind.

Pin niemals notieren

Besonders wichtig sei es, die Pin geheim zu halten. „Sie darf niemals im Geldbeutel verwahrt oder nahe der Karte schriftlich notiert sein“, erklärt der Sprecher der Sparkasse. Zudem sei darauf zu achten, dass die Tastatur bei der Eingabe durch den Körper oder die Hand abgeschirmt ist – um zu vermeiden, dass die Pin ausgespäht wird. Komme es doch zum Diebstahl: die Karte umgehend sperren und Anzeige bei der Polizei erstatten.

So haben es auch Eckhardt und Hannelore Marquardt gemacht, als sie ihren Verlust bemerkten. Die Ermittlungen laufen, Ergebnisse sind dem Paar aber noch nicht bekannt. Ungefähr zwei Wochen nach der Sperrung sei erneut mit Eckhardt Marquardts EC-Karte Geld ausgegeben worden, berichtet der ehemalige Elektrotechniker. Doch diesmal hat er Glück: Durch die Sperrung kann die VR-Bank das Geld zurückbuchen. Die Schäden übernimmt in diesem Fall die Bank.

Noch Fragen?

Bei Verlust der Debit- oder Kreditkarte kann diese telefonisch über einen zentralen Sperr-Notruf unter 116 116 gesperrt werden. Der Notruf ist 24 Stunden erreichbar und für alle Banken gültig. Aus dem Ausland ist er unter +49 116 116 erreichbar.

x