Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Eberthalle: Sanierung für 84 Millionen?

„Das Herz der Stadt“, so die OB zur Eberthalle, brauche eine Zukunft. 1965 wurde sie eröffnet.
»Das Herz der Stadt«, so die OB zur Eberthalle, brauche eine Zukunft. 1965 wurde sie eröffnet.

Eine neue Multifunktionshalle für Sport- und Kulturveranstaltungen ist vom Tisch. Das Projekt ist am Montag von der Verwaltung und der Politik beerdigt worden. Damit stellt sich die Frage, was aus der Eberthalle werden soll?

Die Eberthalle ist fast sechs Jahrzehnte nach ihrem Bau ein Sanierungsfall. Eine Modernisierung ist schwierig und sehr teuer, damit die Halle als Sport- und Veranstaltungsstätte nutzbar bleibt. Deshalb gab es Überlegungen, eine neue Mehrzweckhalle zu bauen. Die Stadt hat dazu einige Standorte geprüft. Der wichtigste Mieter für eine neue Halle wären die Zweitliga-Handballer Eulen Ludwigshafen gewesen. Doch auch für Messen, Konzerte und andere Kulturveranstaltungen wäre Bedarf vorhanden gewesen.

Noch im Oktober hat Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) eine Fläche zwischen dem Stadtteil West und Oggersheim ins Spiel gebracht. Die OB wollte prüfen lassen, ob dort noch eine Realschule plus mit einer kombinierten Schulsport- Mehrzweckhalle gebaut werden könnte. Die Mehrheit der neun Stadtratsfraktionen hatte sich in einer RHEINPFALZ-Umfrage für den Bau einer neuen Halle und gegen den Abriss der Eberthalle ausgesprochen.

Drei Szenarien

Doch am Montag hat die Stadtverwaltung dem Bauausschuss nahegelegt, die Eberthalle zu sanieren und den Bau einer neuen Mehrzweckhalle nicht mehr weiter zu verfolgen – weil das Geld dafür fehlt. „Auch die Hoffnung auf einen Investor, der eine neue Halle baut und finanziert, hat sich nicht erfüllt“, sagte die OB. Zudem sei es sehr schwierig, dafür einen Standort im Stadtgebiet zu finden. Daher stehe jetzt die Sanierung der Eberthalle an, die endlich angegangen werden müsse. Die Stadtratsfraktionen haben dafür grundsätzlich Zustimmung signalisiert. Drei Szenarien für eine Sanierung der Eberthalle wurden vorgestellt:

1. Die kleine Lösung – Mängelbeseitigung und Schönheitsreparaturen: Vor allem der Publikumsbereich soll dabei aufgewertet werden, etwas durch Malerarbeiten an Wänden, Türen, Fenstern und Decken oder neue Bodenbeläge. Auch der Eingangsbereich soll aufgewertet, die sanitären Anlagen sollen erneuert werden. An der Bausubstanz und Technik soll nur das Allernötigste saniert werden. Unter Strich schätzt die Verwaltung die Kosten für diese Lösung auf eine Summe zwischen 6,6 und 15,2 Millionen Euro. Vorteil: Es ist die „günstigste“ Variante. Nachteil: Der Betrieb der Halle ist auf lange Sicht gefährdet. Die Verwaltung rechnet damit, dass sich die veraltete Halle irgendwann nicht mehr vermieten lässt. „Es wäre ein Pinselstrichsanierung, die eine Entscheidung über die Halle aufschiebt“, so die OB.

  • 2. Die mittlere Lösung – Grundsanierung: Zusätzlich zur Mängelbeseitigung und den Schönheitsreparaturen erfolgt eine Grundsanierung der Halle. Die Gebäudetechnik wird modernisiert. Die Kostenschätzung pendelt zwischen 25 und 60 Millionen Euro. Vorteil: Die Eberthalle kann nach der Sanierung bis zu 30 Jahre weiter betrieben werden. Nachteil: Aufgrund der baulichen Gegebenheiten (zum Beispiel niedrige Decken) ist die Halle im Vergleich zu modernen Veranstaltungsstätten in der Region nur eingeschränkt vermarktbar.

3. Die große Lösung: Diese Variante sieht eine Komplettsanierung und einen Umbau vor. Ein Teilabriss und neue Anbauten sind dabei vorgesehen sowie eine Verbesserung der Deckentraglast in der Veranstaltungshalle. Die Eberthalle würde zu einer Arena umgebaut. Die Foyers würden komplett neugestaltet, für die Handball-Bundesliga würden ein eigenes Pressezentrum sowie ein VIP-Bereich für Geschäftspartner der „Eulen“ geschaffen. Vorteil: Die Eberthalle würde gerade im Sportbereich den modernen Anforderungen gerecht und könnte auch für Konzerte sowie andere Kulturveranstaltungen besser vermarktet werden. Die Stadtmarketinggesellschaft Lukom würde daher diese Lösung favorisieren. Der Betrieb der Halle wäre langfristig gesichert. Nachteil: Der Aufwand für den Umbau ist enorm und muss mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden. Die Kostenschätzungen belaufen sich auf eine Summe zwischen 35,4 und 84 Millionen Euro.

Stadt für dritte Variante

Die Stadtspitze favorisiert die große Lösung. „Wir wollen die Eberthalle in den bestmöglichen Zustand versetzen“, sagte Baudezernent Alexander Thewalt (parteilos). Die Halle sei ein Baudenkmal, das erhalten werden sollte. Die OB bekräftigte, dass die Halle als „Herz der Stadt“ eine neue Zukunft brauche. Nicht nur wegen der „Eulen“. Um Fördermittel für den Umbau der Halle zu bekommen, soll sie auch für Schulsport vorgesehen werden. Nach dem Umbau hätte die Stadt eine echte Mehrzweckhalle.

Die Zuschauerkapazität ist ein wichtiges Thema.
Die Zuschauerkapazität ist ein wichtiges Thema.
Heimspiel: Die »Eulen« spielen in der Eberthalle.
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Katastrophenschutz: Bei Evakuierungen spielt die Halle eine zentrale Rolle.
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Fußballarena: die Hallen-Stadtmeisterschaften finden in der Halle statt.
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Messestandort: die Azubimesse »Sprungbrett« fand lange in der Halle statt.
Messestandort: die Azubimesse „Sprungbrett“ fand lange in der Halle statt.
Kultur in der Coronazeit: Zum Auftritt von Comedian Torsten Sträter war die Halle voll.
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2020 zu Gast in der Eberthalle: Eckart von Hirschhausen.
2020 zu Gast in der Eberthalle: Eckart von Hirschhausen.
Aus und vorbei: Show-Legende Dieter Thomas Heck zeichnete die »Goldene Stimmgabel« in der Halle auf.
Aus und vorbei: Show-Legende Dieter Thomas Heck zeichnete die „Goldene Stimmgabel“ in der Halle auf.
Auch Schlagerstars wie Andy Borg gastierten in der Halle.
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War ein Zuschauermagnet, bevor sie nach Mannheim umzog: die Eis-Revue Holiday on Ice.
War ein Zuschauermagnet, bevor sie nach Mannheim umzog: die Eis-Revue Holiday on Ice.

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Bedenken wegen der Kosten

Die Fraktionen im Bauausschuss sprachen sich für den Erhalt und eine Modernisierung aus. Doch es gab auch Bedenken wegen der Kosten. „Das geht nur mit Fördermitteln, sonst bleibt das ein Traum“, meinte Thomas Schell (FDP). Helge Moritz (FWG) gab zu bedenken, dass man mit 84 Millionen Euro auch eine neue Halle bauen könnte. „Es wäre ein Zeichen des Optimismus, in Ludwigshafen auch etwas zu erhalten und nicht nur abzureißen“, sagte Hans-Uwe Daumann (Grüne). David Guthier (SPD), betonte, dass es richtig gewesen sei, auch Alternativen zu prüfen. Peter Uebel (CDU) meinte, dass nur die große Lösung Möglichkeiten für die Zukunft böte. Letztlich legte sich der Ausschuss auf keine Variante fest. Der Stadtrat soll nun am Montag entscheiden, wie weitergeplant wird.

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