Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Keine Mehrheit für Abriss der Eberthalle

Die Eberthalle ist mittlerweile 56 Jahre alt. Die Dachkonstruktion steht unter Denkmalschutz.
Die Eberthalle ist mittlerweile 56 Jahre alt. Die Dachkonstruktion steht unter Denkmalschutz.

Die Eberthalle ist in die Jahre gekommen. Soll sie saniert oder abgerissen werden? Oder braucht die Stadt eine neue Veranstaltungshalle, wie Handball-Zweitligist Eulen Ludwigshafen vorschlägt? Eine Entscheidung muss der Stadtrat treffen. Wir haben ein Stimmungsbild bei den neun Fraktionen eingefangen.

SPD: Keine Schnellschüsse

„Wir wollen die Eberthalle als Wahrzeichen der Stadt erhalten. Ein Abriss steht für uns nicht zur Diskussion“, sagt SPD-Fraktions- und Parteichef David Guthier. Gleichwohl stelle sich die Frage, in welcher Form die Halle künftig genutzt werden sollte. Erst wenn dies feststehe, sei es möglich, eine Entscheidung über das Ausmaß der Sanierung zu treffen. Selbst bei einer Top-Renovierung des Gebäudekomplexes werde die Halle aufgrund der baulichen Gegebenheiten nur bedingt für Veranstaltungen zu vermarkten sein, gibt Guthier zu bedenken. Deswegen sei es sinnvoll, sich gemeinsam mit den Bürgern Gedanken über eine andere Nutzung zu machen. Er persönlich könne sich beispielsweise vorstellen, die Räume als Hörsäle für die Hochschule zu nutzen. „Das muss man abklopfen“, sagt Guthier. Für Veranstaltungen aus den Bereichen Sport, Konzerte und Unterhaltung müsse man über den Bau einer neuen Multifunktionshalle nachdenken. Die Frage dabei sei, welche Standorte kämen infrage und wie groß müsste ein Neubau sein. Es sei gut, dass Handball-Zweitligist Eulen den Neubau einer Halle in die Diskussion mit eingebracht habe. Doch die Gesamtdebatte stehe noch ganz am Anfang, und man müsse dabei die finanziellen Zwänge der Stadt berücksichtigen. Für eine neue Halle sei auch der Einstieg eines potenten Investors vorstellbar, so Guthier.

CDU: Neue Halle nötig

„Für uns gilt zum jetzigen Zeitpunkt, an der Eberthalle und ihrer besonderen Architektur festzuhalten“, sagt CDU-Fraktionschef Peter Uebel. Ebenso notwendig sei für eine Großstadt aber auch eine zeitgemäße Multifunktionshalle für den Sport – inklusive Schulsport und Handball-Bundesliga – oder kulturelle Veranstaltungen. Da könne die Eberthalle nicht mehr mithalten. „Wenn wir also die Eberthalle erhalten wollen, müssen wir gleichzeitig eine funktionierende, den heutigen Anforderungen entsprechende Veranstaltungsarena im Blick haben“, sagt Uebel. Er zeigt sich skeptisch, ob die jüngst in einer Studie vorgelegten Sanierungsvarianten für die Eberthalle 1:1 umsetzbar seien. Je nach Umfang der Arbeiten liegen die Kosten zwischen fünf und 60 Millionen Euro. „Mein persönliches Wunschziel wäre eine neue Halle und grundlegende Sanierung der Eberthalle. Dazu noch einen Goldesel, der das finanzieren kann“, sagt Uebel.

FDP: Neubau bei Pesch-Siedlung

Auch die FDP-Fraktion sieht Bedarf für eine neue Multifunktionshalle, die für den Bundesliga-Handball genutzt werden kann. Auch kulturelle und sonstige Events könnten dort stattfinden. Als Standort könne sich die FDP eine Fläche in der Nähe der neu entstehenden Pesch-Siedlung zwischen West und Oggersheim vorstellen. Der Bau müsse über ein Investorenmodell finanziert werden, nicht über den städtischen Haushalt, betont Fraktionschef Thomas Schell. Die Frage nach dem Grad der Renovierung der Eberthalle sowie die Idee einer Multifunktionshalle sei an die finanziellen Möglichkeiten der Stadt geknüpft. „Die desolate Finanzsituation stellt uns bereits jetzt vor fast unlösbare Herausforderungen“, meint Schell mit Blick auf die Hochstraßenprojekte. Eine große Renovierung der Eberthalle würde die Anforderungen von Veranstaltern an Zuschauerzahlen nicht erfüllen können. „Einen Abriss der Eberthalle befürworten wir nicht, da nicht noch ein weiteres Wahrzeichen verschwinden soll. Wir regen einen Ideenwettbewerb für eine andere Nutzung der Eberthalle nach einer moderaten Renovierung an“, so Schell.

FWG: Museum in Eberthalle

„Ein Abriss der Eberthalle ist für uns nicht vorstellbar. Hinzu kommt, dass die Eberthalle unter Denkmalschutz steht“, sagt FWG-Fraktionschef Rainer Metz. Ein Konzept zur zukünftigen Nutzung der Halle müsse erstellt werden. Danach sollte eine Sanierung erfolgen. Ein großer Pluspunkt der Halle sei die Barrierefreiheit. Die FWG schlägt vor, im Gebäudekomplex der Eberthalle das Stadtmuseum und Stadtarchiv unterzubringen. Für die beiden städtischen Einrichtung ist der Umzug in die sogenannte Rhenus-Lagerhalle am Luitpoldhafen geplant. Doch die FWG fordert, die Millionenkosten für einen Umbau der Lagerhalle mit einer Sanierung der Eberthalle gegenzurechnen. Die Eberthalle selbst könne künftig als Multihalle für Vereins-/Schulsport, als Indoor-Spielplatz sowie für kleinere Veranstaltungen genutzt werden. Selbst bei einer Komplettsanierung wäre die Eberthalle keine richtige Handball-Arena. Auch Veranstaltungen mit großen Bühnenaufbauten würden an der zu geringen Deckenhöhe scheitern. Eine neue Multifunktionshalle sei daher unabhängig von den Planungen zur Eberthalle zu betrachten. Voraussetzung dafür sei ein Finanz- und Betriebskonzept.

Linke: Eberthalle abreißen

Die Linksfraktion ist gegen eine Sanierung der Eberthalle, sagt Fraktionschef Liborio Ciccarello. „Soll unser Handballverein überleben, muss eine Multifunktionshalle her, weil nur so die von der Handballbundesliga geforderte Mindestzuschauerkapazität gewährleistet werden kann, nicht indes mit einer Sanierung“, sagt er. Ciccarello schlägt vor, „ausnahmsweise über den Denkmalschutz hinwegzusehen“ und die Eberthalle abzureißen. Dort wäre dann auch Platz für eine neue Halle.

Grüne im Rat: Hohe Kosten

„Wir sind am Anfang einer schwierigen Diskussion. Wir haben ein Baudenkmal namens Friedrich-Ebert-Halle, und wir haben Bedarf für eine Multi-Funktionshalle mit Schwerpunkt Sport. Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir Grünen eher Zweifel, dass beides zusammenpasst“, sagt Fraktionschef Hans-Uwe Daumann. Die Studie zur Sanierung habe viele Fragen aufgeworfen. Hohe Sanierungskosten seien für Ludwigshafen eigentlich nicht zu stemmen. „Andererseits kennen wir bisher keinen Standort für einen Neubau, der uns zufriedenstellt“, wirft Daumann ein. Die „Hallenfrage“ sei sehr komplex und nur mit einem Gutachten und einer Ausschusssitzung nicht lösbar.

Grünes Forum: Halle mit Zukunft

„Wir haben ein großes Interesse daran, dass die Eulen auch weiterhin in Ludwigshafen ihre sportliche Heimat haben. Entscheidend ist für uns aber, dass Ludwigshafen eine zukunftsfähige Halle braucht, die dauerhaft den verschiedensten Bedürfnissen gerecht wird“, sagt Fraktionschef Raik Dreher. Es gebe die Notwendigkeit für eine neue Multifunktionshalle, da die Eberthalle aufgrund ihrer baulichen Gegebenheiten für Veranstaltungen nach heutigem Maßstab nicht mehr wettbewerbsfähig sei. Dies betreffe nicht nur den Sport, sondern auch Veranstaltungen wie Konzerte oder Messen. Für einen Neubau sei neben der Standortfrage auch die Finanzierung offen, fügt Fraktionsvize Jens Brückner an.

Fraktion „Bürger für Ludwigshafen“: Investor suchen

„Die Eberthalle ist ein Wahrzeichen und hätte sicherlich auch eine vernünftige Sanierung verdient“, sagt Fraktionsgeschäftsführer Timo Weber. Da die Eulen ein Aushängeschild seien, unterstütze die Fraktion den Plan des Handballvereins für den Neubau einer Halle. Einen geeigneten Standort müsse die Stadt noch finden. „Finanziert werden könnte die neue Arena neben einem Eigenanteil der Eulen auch mit Investoren aus der Wirtschaft“, so die Fraktion. Eine neue Arena böte Marketing-Möglichkeiten für einen Investor. Hier könne die städtische Marketinggesellschaft Lukom mit größeren Firmen eine finanzielle Beteiligung ausloten. „Sollte ein Neubau nicht möglich sein, wäre unser Notfallplan die Sanierung der Eberthalle für 60 Millionen Euro mit Unterstützung des Landes.“

AfD: Neubau am Südweststadion

Die Fraktion hatte sich bei der Vorstellung der Sanierungsvarianten für eine Pinselsanierung (günstigste Möglichkeit) ausgesprochen. „Das war nur ein vorläufiges Meinungsbild“, sagt Fraktionschef Johannes Thiedig. Er erinnert daran, dass die Eulen in der zweiten Liga auf den unteren Rängen rangieren und somit nicht ausgeschlossen werden könne, dass der Verein als Ankermieter wegbrechen könnte. Eine Sanierung oder einen Neubau dürfe es angesichts der Finanzlage der Stadt nicht um jeden Preis geben. Der Neubau einer Multifunktionshalle sei wünschenswert, aber dafür müsse ein Sponsor gefunden werden. Als Standort schlägt die AfD das Gelände gegenüber vom Südweststadion vor.

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