Ludwigshafen Dringende Suche

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Ob es vor Ort eine Behindertentoilette gibt, bestimmt, ob Rollstuhlfahrer das Haus verlassen oder nicht. Die App Wheelmap soll bei der Suche nach Behinderten-WCs helfen. Richard Wagner hat sie gemeinsam mit unserem Redaktionsmitglied Martina Johann getestet und dabei einige neue Behinderten-WCs entdeckt.

Richard Wagner

steckt fest. So etwas passiert oft, wenn er in eine normale Toilette hineinfährt. Mit Mühe bugsiert er sich aus dem Kunden-WC des Schuhgeschäfts Bö Schuhe in Mutterstadt hinaus. Mit zwei gelähmten Beinen und einem gelähmten Arm ist das eine große Herausforderung. Ein alltägliches Problem für viele Rollstuhlfahrer. Deshalb plant Wagner, bevor er aus dem Haus geht, wo er zur Toilette gehen kann. Spontane Fahrten, etwa in einen unbekannten Stadtteil, sind für den 51-Jährigen schwierig. „Wenn ich zu einem Kunden gehe, frage ich vorher nach einer Behindertentoilette“, erzählt der selbstständige Unternehmensberater. Die App Wheelmap soll Rollstuhlfahrern bei diesem Problem helfen. Auf einer digitalen Karte sind Behinderten-Toiletten verzeichnet, die man sich unterwegs auf dem Smartphone anzeigen lassen kann. Ob sich mit Wheelmap wirklich spontan Behinderten-WCs finden lassen, möchte Richard Wagner testen. Für das Schuhgeschäft hat die App angezeigt, es sei barrierefrei und habe eine Behinderten-Toilette. Barrierefrei ist Bö Schuhe in der Tat – aber es gibt nur eine normale Kundentoilette. Die stellvertretende Marktleiterin Gabriele Kreß gibt Wagner eine Karte, auf der Kundenwünsche eingetragen werden können. „Für unsere Filiale ist ein Umbau geplant. Da werde ich mal anregen, dass wir eine Behinderten-Toilette bekommen“, sagt sie. Von der Angabe zum Behinderten-WC in der App weiß sie nichts. Sie möchte sie sich anschauen und aktualisieren. Wagner füllt die Karte aus und zückt sein Smartphone. Die Suche nach einem Behinderten-WC mit Wheelmap geht weiter. „Real soll eine Behinderten-Toilette haben“, sagt er und steuert mit seinem Rollstuhl auf den Supermarkt zu. Seit sieben Jahren sitzt der 51-Jährige im Rollstuhl. Als er 28 Jahre alt war, hat er erfahren, dass er an Multipler Sklerose leidet. 2008 hatte er Bandscheiben-Operationen. Seitdem kann er sich nur noch im Rollstuhl fortbewegen. „Sich mit der Situation zu arrangieren ist das Beste, was man machen kann. Für mich ist das Glas immer halb voll.“ Wagner hält im Eingangsbereich der Real-Filiale Ausschau nach einer Behinderten-Toilette. Schilder dazu gibt es im Gegensatz zu den normalen WCs keine, trotzdem findet er die Behinderten-Toilette irgendwann. Dieses Mal stimmt die Angabe der App. Neben dem WC ist eine Unterarmhalterung angebracht. „Die ist wichtig, damit man sich vom Rollstuhl auf die Toilette umsetzen kann“, sagt Wagner. Auf dem Boden der Toilette liegt ein Seifenspender. Er klemmt unter einem Schrank fest, in dem Handtücher lagern. Der Handtuchhalter ist hinter dem Waschbecken angebracht, sodass der Rollstuhlfahrer wenden muss, um ihn nach dem Händewaschen zu erreichen. Oliver Ottenritter, Geschäftsführer des Mutterstadter Real, sagt dazu: „Uns ist bisher nicht aufgefallen, dass die Behinderten-Toilette nicht ausgeschildert ist. Wir werden noch heute ein neues Schild anbringen lassen.“ Auch den Handtuchhalter möchte er noch am selben Tag neben dem Waschbecken anbringen lassen. Den kaputten Seifenspender, der auf dem Boden liegt, werde die Reinigungskraft entfernen. Zurück in der Ortsmitte findet Wagner die Behinderten-Toilette der Gemeindeverwaltung sofort. Schilder und der Aufzug führen ihn in den ersten Stock. Auf dem Weg fährt Wagner an einem Wickeltisch vorbei. „Das ist schonmal gut, dass der Wickeltisch draußen steht. Oft steht der nämlich in der Behinderten-Toilette und dann ist zu wenig Platz.“ Die Toilette ist sauber und mit etwa 2 Meter mal 2,5 Meter geräumig genug, dass Wagner sich gut darin drehen kann. In zwei von drei Fällen war die Angabe von Wheelmap richtig. Mal schauen, ob auch das Palatinum, wie in der App angegeben, eine Behinderten-Toilette hat. Dort werden die Treppe und die Rampe umgebaut. Für Rollstuhlfahrer hat das Veranstaltungshaus eine Ersatz-Rampe aufgestellt. „Das ist super, an so etwas wird bei Bauarbeiten selten gedacht“, sagt Wagner. Und auch die Behinderten-Toilette ist leicht zugänglich. „Diese Toilette ist ziemlich gut.“ Etwa ist der vorgeschriebene Notfallknopf in erreichbarer Nähe direkt neben dem WC. Eine Unterarmstütze gibt es auch. „Es ist noch besser, wenn es rechts und links von der Toilette eine Stütze gibt“, sagt er. Wagner plant, zum Steuerberater nach Schifferstadt zu fahren. Wenn wie in diesem Fall über längere Zeit nicht klar ist, ob ein Behinderten-WC zur Verfügung steht, verwenden männliche Rollstuhlfahrer Urinalkondome und weibliche Katheter, sagt Wagner. Der Urin wird in beiden Fällen über einen Schlauch in einem Behälter aufgefangen. Ein aufwendiges Unterfangen, nur um einige Stunden unbeschwert unterwegs sein zu können. Dann doch lieber eine Toilette vor Ort suchen. Also ruft Wagner Wheelmap auf und gibt die Adresse seines Steuerberaters ein. Die Karte lädt sehr langsam. Einige grüne Rautensymbole werden angezeigt. Also müsste es in der Nähe Behinderten-Toiletten geben. Allerdings lassen sich die Symbole nicht öffnen, das Laden dauert zu lange. Die App ist also hilfreich, wenn man sich Behinderten-Toiletten in der Nähe anzeigen lassen möchte, aber um vom Handy aus einen Ausflug in einen anderen Ort zu planen, ist sie weniger gut geeignet. „Ich werde weiter zu Hause am Computer planen, wenn ich an einen neuen Ort fahre“, sagt Wagner. Die App sei aber ein gutes Zusatzinstrument, wenn man unterwegs sei.

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