Ludwigshafen Drei Frauen, drei Karrieren
Zwei Frauen aus Afrika und eine aus Russland haben am Donnerstagabend im Ludwigshafener Stadtmuseum ihre Integrationsgeschichten erzählt. „Vielfalt macht Erfolg“ hieß die Auftaktveranstaltung zu einer neuen Reihe, die das Stadtmuseum, die städtische Abteilung Integration und Migration und der Internationale Frauentreff veranstalten.
„Vielfalt macht stark!“ Diesen Satz sollen diese und drei weitere Veranstaltungen im Verlauf des Jahres beweisen. Bei der ersten erzählten Edwige Marthe Diatta (43) aus dem Senegal, Larissa Fritsch (47) aus Russland und Ferewoini Hoffmann aus Eritrea (47) unter der Moderation von Museumsleiterin Regina Heilmann und Hannele Jalonen, der Integrationsbeauftragten der Stadt, einem nicht sehr zahlreichen Publikum ihre Lebensgeschichten. Die drei starken Frauen haben es in Deutschland zu etwas gebracht, auch wenn es zunächst nicht so aussah. Ferewoini Hoffmann ist 1984 aus Eritrea geflohen, das sich damals in einem Krieg von Äthiopien löste. „Kein Mensch hat sich um uns gekümmert“, berichtete sie von ihrer Ankunft in Deutschland. Die Notwendigkeit von Sprach- und Integrationskursen hätten die staatlichen Stellen damals noch nicht erkannt. Doch mit Hilfe von Nachbarn und Ehrenamtlichen gelang es Ferewoini Hoffmann, die deutsche Sprache zu lernen, eine Ausbildungsstelle als Medizinisch-Technische Assistentin zu finden und Karriere zu machen. „Als erstes die deutsche Sprache lernen, das ist wichtig“, empfiehlt sie den Zuwanderern von heute. Diesen Rat unterstützen alle drei, berichten aber auch von Hindernissen. „Mein Stolperstein war die pfälzische Sprache“, sagte Larissa Fritsch unter dem Gelächter des Publikums. Sie kam 1993 als ausgebildete Krankenschwester aus Russland und arbeitete lange am Ludwigshafener Klinikum. Im Pflegealltag hätten ältere Menschen Ausdrücke gebraucht, die sie vorher noch nie gehört habe. Doch sie lernte schnell. „Wenn Menschen krank sind, brauchen sie Zuwendung in ihrer Muttersprache“, weiß die erfahrene Pflegeleiterin, die mittlerweile am Kreiskrankenhaus in Grünstadt arbeitet. Das gilt für Pfälzer ebenso wie für Russen. „Auch wenn nach sieben Stunden Schicht jemand angerufen hat, mit der Bitte zu übersetzen, habe ich geholfen“, berichtete Larissa Fritsch. Helfen will nicht nur sie. Nach einem Studium der Fächer Deutsch als Fremdsprache und Romanistik gibt Edwige Marthe Diatta an der Volkshochschule Sprach- und Integrationskurse für Migranten. „Ich kann mich in sie hineinversetzen“, meint sie und will ihren Schülern das Gefühl geben: „Wenn ich es hier geschafft habe, könnt ihr es auch schaffen.“ Wie Larissa Fritsch hat sie Abenteuerlust nach Deutschland geführt. Ferewoini Hoffmann dagegen teilt die Erfahrung von Flucht und Vertreibung mit den Migranten der jüngsten Flüchtlingsbewegung. „Als Kind wollte ich Ärztin werden, weil es in Eritrea so wenige gab. Und viele Menschen waren sehr krank“, berichtete sie. Nun hilft sie neben ihrem Beruf ehrenamtlich Frauen und Mädchen, weil sie oft noch mehr Hürden bei der Integration zu überwinden haben als Männer. „Sie trauen sich nicht, ihren Träumen Ausdruck zu geben. Vielleicht, weil sie es in ihren Herkunftsländern nicht durften“, vermutete Edwige Diatta. Vieles, was es Frauen im Senegal leichter macht, vermisste sie andererseits hier in Deutschland. „Kinder sind im Senegal kein Problem. Beide Eltern gehen arbeiten“, berichtete sie. Die Betreuung ist in den Großfamilien gesichert. Vorurteile, unter denen vor allem die beiden dunkelhäutigen Frauen früher gelitten haben, haben beide widerlegt. „Afrikaner können nichts“, hat Hoffmann oft zu hören bekommen. Solche Sprüche sind seltener geworden, sagt sie.