Ludwigshafen
Digitaler Unterricht in Ludwigshafen mit Ministerin und BASF-Manager
Tablets im Unterricht und virtuelle Lernplattformen: Die „Digitalisierung der dualen Ausbildung“ – kurz: „DidA“ – hält seit einem Jahr Einzug an derzeit vier Ludwigshafener Berufsbildenden Schulen. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) und BASF-Vorstand Michael Heinz machten sich am Donnerstag im Georg-Kerschensteiner-Berufsbildungszentrum ein Bild vom „neuen Unterricht“.
Auffällig still schauen die Schüler der 18-köpfigen Chemikantenklasse im zweiten Lehrjahr an der Berufsbildenden Schule Naturwissenschaft (BBSN) auf ihre Tablets. Vielleicht sind die Jungs und Mädchen auch etwas nervös, weil gleich vier Schulleiter, eine Bildungsministerin sowie ein BASF-Vorstand in der letzten Reihe sitzen, während Fachlehrerin Eftichia Hansch-Alexopoulus (40) eine Stunde zum Thema „Destillation“ gibt.
Einloggen in die Lernplattform
Gerade bespricht sie mit den Schülern ein „Arbeitsblatt“, das diese Bezeichnung jedoch nur noch im metaphorischen Sinne verdient: Nicht auf Papier gedruckt, sondern auf dem Tablet-Bildschirm verfolgen die Schüler die Aufgabenstellungen. „OpenOLAT“ heißt die Lernplattform, in die sich jetzt auch Schülerin Anna einloggt, um den Gästen das Menü zu zeigen, über das es zu den Arbeitsblättern und anderen Unterrichtsmaterialien wie etwa Lehrfilmen geht.
Auch das „Kursnotizbuch“ befindet sich auf „OpenOLAT“ und hat keine Seiten mehr: „Jeder Schüler hat hier seinen eigenen Bereich“, erklärt Azubi Jan Gradwohl (29), woher er sein Kurvendiagramm zu den Partialdrücken von Benzol und Toluol in verschiedenen Mischverhältnissen auf die Beamer-Leinwand zaubert.
„Benutzen Sie noch die Tafel?“
„Bildet ihr auch virtuelle Lerngruppen?“, bekommt Michael Heinz seine Frage von der Klasse bejaht. „Benutzen Sie noch die Tafel?“, will der BASF-Manager von Lehrerin Hansch-Alexopoulus wissen. „Ab und zu“, sagt diese. „Es ist ja auch ganz gut, dass beides da ist“, räumt Hubig alten wie neuen Medien ihre Existenzberechtigung im Klassenzimmer ein.
„In der dualen Ausbildung nimmt das Thema Digitalisierung eine Schlüsselrolle ein“, betonte Heinz, „denn die Berufswelt von morgen wird digitaler sein“. So sind außer der BASF weitere 22 Unternehmen der Region am „DidA“-Projekt beteiligt. Hervor ging „DidA“ aus einer Kooperationsvereinbarung, die Hubig und Heinz im August 2018 zur Stärkung der sogenannten MINT-Bildung (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) unterzeichnet haben.
In der Probierphase
„Was können wir didaktisch begründbar mit den Tablets machen?“, betont BBSN-Lehrer Oliver Karst (40), dass nicht nur die Schüler in der „Probierphase“ sind: „Mir geht es darum, die Vorteile zu ergründen“, erinnert der Pädagoge daran, dass sich „vom Overhead-Projektor über die Dokumentenkamera bis hin zum Tablet“ Quantensprünge der Unterrichtsmedien vollzogen haben. Bei allen offenen Möglichkeiten, die der schillernde Digitalisierungs-Begriff auch für neue Lehrmethoden und Unterrichtsformen verheißen mag, bleibt Karst klar in seinem Anspruch: „Ich will unnötige Aufgaben reduzieren.“
Leuchtturmfunktion fürs Ministerium
„DidA hat eine Leuchtturmfunktion für das Bildungsministerium“, sagte Hubig zu dem Projekt, an dem außer der BBSN noch die Berufsbildenden Schulen Technik 1, Technik 2 und Wirtschaft 1 teilnehmen. 508 Auszubildende und 240 Lehrkräfte sind derzeit in das Projekt eingebunden.
„Besonders wichtig ist im dualen System doch die Verzahnung“, betont Heinz, dass sich Schulen durch die Vernetzung mit den ausbildenden den Betrieben nun besser abstimmen können: „Jetzt weiß die linke Hand immer genau, was die rechte tut“.
Pilotprojekt läuft noch ein Jahr
„Die enge Kooperation der Lernorte“ Schule und Betrieb steht bei „DidA“ auch für das Bildungsministerium „absolut im Vordergrund“, so die Pressestelle. Noch ein Jahr laufe das Ludwigshafener „Pilotprojekt“. Nach einer anschließenden Evaluation wolle man sehen, „inwieweit die Projektergebnisse auf andere Schulen übertragbar sind“, heißt es aus dem Bildungsministerium.