Ludwigshafen „Diese Musik ist heute noch das Größte für mich“

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Frau Nerke, Sie waren die Moderatorin des „Beat Club“ und kommen mit den Flower Power Men. Wird das ein „Best of Beat Club“?

So würde ich das nicht nennen. Ich führe die Leute erst mal zurück in die 60er-Jahre. Da frage ich, ob sie noch wissen, wie das war, ohne Handy. Und wie das mit dem Fernsehen war. Schwarz-Weiß! Und um Mitternacht kam die Nationalhymne zum Sendeschluss! Da sind ja meist ältere Leute im Publikum, und die freuen sich und sagen: „Genau! So war das!“ Und dann geht`s in den „Beat Club“. Ich erzähle von den Musikern, die ich kennengelernt habe und mit denen ich teilweise noch immer in Verbindung stehe. Also Geschichten aus dem Nähkästchen und hinter den Kulissen des Beat Clubs? So in der Art. Und die beiden Jungs spielen dann die entsprechenden Songs dazu. Mit wem haben Sie noch Kontakt? Albert Hammond zum Beispiel. Der hat mich und meinen Mann grad vor Kurzem zu seinem Konzert in Wuppertal eingeladen. Wenn er Geburtstag hat, klingel ich bei ihm durch, egal wo er ist. Und mit Dave Dee – von Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich – war ich gut befreundet. Auch als er krank wurde, waren wir immer in Kontakt. Pete York, der Drummer der Spencer Davis Group, durfte ich vor kurzem einen Preis überreichen und eine Laudatio halten. Vor kurzem war ich zu einer Show über 1968 eingeladen. Und als ich Backstage wartete, wen traf ich da? Donovan! Mit weißen langen Locken! Nun haben ja Rockmusiker oft eine wilde extrovertierte Bühnenpersönlichkeit und sind privat eher ruhig. Haben Sie sowas auch erlebt? Wir haben Jimi Hendrix in London besucht. Wenn er Gitarre gespielt hat, war das unglaublich. Er hat auch die Gitarre überall mitgenommen. Selbst wenn er aufs Klo ging. Aber er war auch der sanfteste, besterzogene Mensch den ich je kennenlernen durfte. Unglaublich lieb und sympathisch. Vor ein paar Jahren habe ich im Fernsehen ein Interview mit seinem Vater gesehen. Der war in seiner Art genau so. Der Jimi war ein ganz toller Typ – nun ist er im Club 27, leider-leider … Wie wird denn der Abend musikalisch werden? Zwei Stimmen, zwei Gitarren und zusammen die beste Band der Welt. Der Rainer Schindler und der Adax Dörsam sind zusammen so fantastisch, so gut auf einander eingestellt. Wir sind auch befreundet und mit ihren Frauen auch. Wenn das nicht wäre, würde ich das nicht machen. Aber es ist irgendwie Familie geworden. Es ist einfach nur schön. Wir ergänzen uns gut und es macht sehr, sehr viel Spaß! Kommen da vorwiegend Leute, die noch den „Beat Club“ aus den Sechzigern kennen? Ja, das sind meistens Leute, die die Zeit nachgenießen wollen. Aber die bringen auch ihre Kinder mit. Da ist auch für jeden was dabei. Ich gehe durch die sieben Jahre der Sendung durch, mit Musik und Geschichten. Sie haben die Entwicklung der Popmusik aus erster Hand miterlebt. Wie schätzen Sie die heutige Musik ein? Dazu kann ich wenig sagen. Die Musik, die mir damals gefallen hat, ist auch heute noch das Größte für mich. Diese Musik altert auch nicht. Ich selber mag Techno und Rap nicht, aber wenn das anderen gefällt, ist das doch okay. Es heißt, Sie haben ihre legendären Mini-Kleider selber geschneidert? Nach ein paar Sendungen kam Mike Leckebusch (damals Redakteur bei Radio Bremen, Anmerkung der Redaktion) und hat gesagt: „Jetzt musst du aber auch zeigen, was in London modemäßig abgeht.“ Und ich fragte, wie das denn gehen solle. Denn hier gab es keine Informationen. Zum Glück lernte ich eine Frau kennen, die ein Modegeschäft hatte und länger in London war. Die hat mir gesagt, auf was es ankommt. Und weil meine Mutter mir Nähen beigebracht hatte, konnte ich mir dann meine Kleider nähen. Das waren erst „Sitzkleider“, dann aber waren sie so kurz, dass ich damit nur noch stehen konnte. Und gab es Reaktionen? Nur positive. Ich kriege heute noch Zuschriften von Frauen, denen ein bestimmtes Kleid so gefallen hat, dass sie es nachgeschneidert haben. Sie waren für ihre Generation Mode- und Musik-Botschafterin. Ja, aber das war mir nicht bewusst. Ich habe studiert und bin Diplom-Ingenieurin geworden und hatte dann mein eigenes Architektur-Büro. Da hatte ich genug zu tun. Und ich hatte ja kein Geld. Ich habe studiert, erst an der Kunsthochschule, dann an der Technischen Hochschule, und mein Diplom gemacht. 300 Mark im Monat vom WDR haben nicht gereicht. Also habe ich abends bei einer Baufirma Pläne gezeichnet. Sie wollten doch auch mal selber singen, oder? Ja, das habe ich. In Bremen gab es nicht weit weg einen Jugendclub. Da war ein Junge mit einer Gitarre, und da habe ich mitgesungen. Das klappte auch sehr gut. Dann kam Hans Hee herein. Der war tagsüber Polizist und nach Feierabend hat er Lieder geschrieben – mit Erfolg. Er hat zum Beispiel alle Hits für Heintje geschrieben. Ich war auch im Fernsehen und machte erste Erfahrungen mit Kameras: Wenn das Licht angeht, lächeln und nett sein. Dann kam Rudi Carell. Dem hat aber nicht so gefallen, was ich singe. Aber er kannte Mike Leckebusch und wusste, dass der den „Beat Club“ vorbereitet. Und er sagte zu ihm: Bei mir kann sie nicht singen – aber bei dir kann sie reden. Und so kam ich zum „Beat Club“. Termin Uschi Nerke & The Flower Power Men am Samstag, 27. Oktober, um 20 Uhr im Bürgerhaus Oppau, Rosenthalstraße, in Ludwigshafen.

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