Ludwigshafen Die Welt ist voll von SUV-Fahrern

Ausrufezeichen sind die „Kalaschnikows des kleinen Mannes“, weiß Erwin Pelzig. Empörte Zuschauer haben ihn damit schon beschosse
Ausrufezeichen sind die »Kalaschnikows des kleinen Mannes«, weiß Erwin Pelzig. Empörte Zuschauer haben ihn damit schon beschossen.

Wer mit dem Fränkischen etwas Gelassen-Gemütliches verbindet – der kennt Frank-Markus Barwasser schlecht. Denn „fulminant“ wäre untertrieben für das, was der Komödiant mit seinem Alter Ego Erwin Pelzig aktuell veranstaltet. Sein Programm „Weg von hier“ ist ein rhetorischer Hochgeschwindigkeitskurs durchs „bostfakdische Zeitalter“, in dem viele Blasen der Flucht ins tatsachenbefreite Leben dienen. Pelzig sticht sie an – und regt zum Nachdenken über Politiker ohne Ideale und paarungswillige Grüne an.

Sollten sich in diesem Text etwa Ausrufezeichen häufen – schlecht. Denn wir wollen ja pazifistisch publizieren. Und Ausrufezeichen, vor allem wenn sie im Rudel auftreten, identifiziert nicht nur Pelzig als die „Kalaschnikows des kleinen Mannes“ – gerne auftretend unter den Umständen „Denkfaulheit, Rechtschreibschwäche und Internetanschluss“. Und das nicht nur beim „kleinen Mann“: Da beschimpft ihn ein Zahnarzt schon mal per Mail am Morgen nach der Show mithilfe von gleich 15 dieser aggressiven Satzzeichen – nur weil Pelzig über SUV-Fahrer gelästert hat. Und Pelzig wütet oft und heftig über SUV-Fahrer – tatsächliche und geistige, vor allem über politische. Die Welt ist ja gerade voll davon. Mit einem will er sich nur kurz abgeben: „Trump? Ich mag es nicht, wenn’s mir der Gegner zu einfach macht“, meint Pelzig. Nur so viel: „Wenn er mal wieder eines seiner Dekrete signiert hat – den Gesichtsausdruck kennt man aus Tierversuchen.“ Noch schlimmer: „Retschipp Tatschipp“ Erdogan. Pelzig geißelt einerseits messerscharf, dass deutsche Rheinmetall-Panzer beim Krieg gegen die Kurden rollen sollen. Das „Tschoint Ventscha“ der Deutschen Bahn beim Aufbau des Bahnnetzes am Bosporus hält der Franke dagegen für „clevere Sabodasche“. Da sei man doch „fast dankbar“ fürs „eigene Personal“, sinniert Pelzig – selbst wenn Peter Altmaier bei Anne Will „sowohl Verstand als auch Studiostuhl mal wieder an die Belastungsgrenze“ führe. Trotzdem: Die deutschen Parteien kriegen ihr Fett weg. Über die SPD, von Ex-Heilsbringer „Martin Luther“ Schulz verlassen, wollte Pelzig angesichts der drohenden und dann doch schon bekannten „Störung der Totenruhe eigentlich gar nichts sagen“. Tat es aber natürlich doch: Irgendwie sei es jedenfalls unfair, dass die Sozis ständig an ihren Idealen gemessen würden – „die CDU hat ja gar keine“. Und die ebenfalls sehr flexibel gewordenen Grünen missfallen Pelzig wegen allseitiger „Paarungswilligkeit à la Harvey Weinstein“. Zwei andere stellt sich Pelzig derweil an einem zickenden Drucker vor: Während die Linke „gleich das ganze Betriebssystem wechseln“ wolle, verkünde die FDP ungerührt „besser nicht drucken als schlecht drucken“. Auch Barwasser redet lieber, und zwar weiter im Stakkato, gerne mit rotem fränkischen Faden (von der „Steuer-Lüche“ über „Dodenhöfer“ bis hin zu den „Sex doys“ der „ditschidell Nädivs“), empfiehlt möglichst viele Perspektivwechsel, gibt dazu neben Pelzig noch den Pseudo-Intellektuellen Dr. Göbel und den derben Hartmut. Und hat doch letztlich nur ein ernstes Leitmotiv: „Wir müssen die Ängste lächerlich machen – aber niemals die Leute, die Angst haben.“

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