Ludwigshafen „Die Vorbehalte laufen ins Leere“

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Herr Knöppel, wie viel Zeit bleibt Ihnen als frisch gewählter Beigeordneter in Frankenthal überhaupt noch für das Schachspiel?

Leider sehr wenig. Nur zwei bis drei Mannschaftskämpfe pro Saison sind noch zeitlich möglich, aber wenn ich schon spiele, möchte ich mich auch ganz darauf konzentrieren können. Die Arbeit für das Ehrenamt im Pfälzischen Schachbund erledige ich entweder abends oder am Wochenende. Wie stark ist der Denksport Schach in der Pfalz verankert? Wo sehen Sie als Verbandspräsident Nachholbedarf? Wir haben in der Pfalz ungefähr 2000 aktive Spieler in den Vereinen – Tendenz gleichbleibend. Gerade in der Vorderpfalz gibt es ein dichtes Netz von gut organisierten Vereinen, die teilweise hervorragende Jugendarbeit leisten. Wichtig sind vor allem die Schach-AGs in den Schulen, wo die Grundlagen für die Nachwuchsarbeit gelegt werden. Die Schulen wollen wir deshalb noch mehr unterstützen, indem wir ihnen Schachmaterial zur Verfügung stellen oder ausgebildete Trainer entsenden, wenn wir von Schulen angesprochen werden und Trainer ihnen anbieten können. Oft wird die Sportart Schach noch belächelt, Franz Beckenbauer sprach einst verächtlich von den „Klötzchenschiebern“… Die Vorbehalte sind uns wohlbekannt, aber sie laufen ins Leere. Wenn ich mir nur die Mitglieder der ersten Mannschaft des Schachklubs Frankenthal anschaue und sehe, wie sportlich durchtrainiert viele der Spieler sind, kann ich am Sportcharakter nicht zweifeln. Im Spitzenbereich braucht man eben auch die Fitness, um über die fünf oder sechs Stunden, die eine Schachpartie dauern kann, konzentriert zu sein, ganz zu schweigen von mehrtägigen Turnieren. Im Sportbund Pfalz jedenfalls fühlen wir uns sehr gut aufgehoben, unsere Anliegen werden dort sehr wohl berücksichtigt und wir haben in ihm einen für uns wichtigen Ansprechpartner. Ein anderes, gerne gepflegtes Stereotyp ist das Image von Schach als einem intellektuellen und elitären Zeitvertreib für Akademiker… Schach ist ein außerordentlich verbindendes Spiel. In unseren Vereinen haben wir alle Bevölkerungsgruppen vertreten. Nicht zu vergessen die vielen Spielerinnen und Spieler mit Migrationshintergrund. Schach ist eben ein international weit verbreiteter Sport, der viel zur Verständigung beitragen kann. In dieser Hinsicht war für mich die Schacholympiade 2008 in Dresden ein Schlüsselerlebnis, als ich vor Ort sah, wie selbst Sportler aus verfeindeten Ländern friedlich gegeneinander spielten. Ein Rätsel für viele ist die ausgesprochen große Zurückhaltung von Frauen in Sachen Schach – kaum fünf Prozent der Vereinsmitglieder sind weiblich. Wieso ist Schach beinahe immer noch reine Männersache? Auch ich habe dafür keine abschließende Erklärung, aber es ist in der Tat so, dass Frauen für Schach auf Dauer wesentlich schwerer zu begeistern sind als Männer. Ein Grund könnte sein, dass in der Sportart Schach Mädchen oder junge Frauen zur Zeit nur wenige Bezugspersonen wie zum Beispiel Trainerinnen vorfinden. Wie steht es um die Vereine in Ludwigshafen und dem Rhein-Pfalz-Kreis? Schachspielern hierzulande stehen ja eine Menge zur Auswahl… Aushängeschild in Ludwigshafen ist der Schachklub 1912. Ihm ist es gelungen, fortwährend Erfolge zu erzielen und den Schachsport in der Stadt damit positiv darzustellen. Die Vereine ESV und Schachhaus Ludwigshafen sind rührige Vereine, die für die Vielfalt im Schach stehen. Die Vereine in Limburgerhof und Mutterstadt waren und sind sehr engagiert in der Jugendarbeit. Sie haben einige Talente hervorgebracht. Die Vereine Altrip und Schifferstadt spielen in ihren Ligen erfahrungsgemäß eine gute Rolle. Ist es schwieriger geworden, Ehrenamtliche zu rekrutieren in Zeiten, in denen mehr Flexibilität und Mobilität vom Einzelnen verlangt wird? Ja, das spüren wir auch. Dennoch gelang es uns zumindest im PSB bis heute immer, Ämter zu besetzen. Viele der Funktionäre sind dann über viele Jahre mit dabei, sodass sich mit der Zeit ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt. Außerdem sind alle Gremienmitglieder stets selber auch aktive Schachspieler und damit Fachleute – das ist nicht bei jeder Sportart selbstverständlich.

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