Regelkunde
Die Tücken eines Elfmeters
Die Ausführung eines Elfmeters ist vom Regelwerk her gar nicht so einfach, wie das mancher denkt. Und oft sorgt dann die Entscheidung eines Schiedsrichters bei den Teams für Unverständnis, wenn es darum geht, ob ein Elfmeter wiederholt wird oder ob der Treffer daraus zählt. Das zeigt auch unser Beispiel aus der Westpfalz, das so auch auf jedem anderen Fußballplatz im Land hätte passieren können.
Videoaufnahmen des Kellerduells vom Sonntag vor einer Woche zeigen, dass die beiden durch den Schopper Keeper Andre Lomba gehaltenen Elfmeter vom Schiedsrichter-Assistenten, der in der Verlängerung der Grundlinie stand, moniert wurden. Sein Fahnenzeichen animierte den Schiedsrichter dazu, den Strafstoß zweimal wiederholen zu lassen. War das korrekt?
Assistent eigentlich nicht verantwortlich
In Regel 14 heißt es: „Bei der Ausführung des Strafstoßes muss sich der Torhüter mindestens mit einem Teil eines Fußes auf, über oder hinter der Torlinie befinden.“ Dass dies in realer Geschwindigkeit oft schwer zu sehen ist, sollte man dem Schiedsrichterteam zugutehalten. Aber: Für die korrekte Ausführung des Strafstoßes ist eigentlich der Schiedsrichter verantwortlich und nicht sein Assistent, auch wenn es in den Teams oft unterschiedliche Absprachen gibt. Im besagten Fall mag da Übereifer im Spiel gewesen sein. Dafür spricht auch der eher zögerliche Pfiff des Schiedsrichters nach dem Fahnenzeichen.
Ebenfalls versäumt hat das Schiedsrichterteam die „Bestrafung“ des Torhüters. Die Regel sagt eindeutig: „Führt das Vergehen des Torhüters zu einer Wiederholung des Strafstoßes, wird der Torhüter für das erste Vergehen während des Spiels ermahnt und für jedes weitere Vergehen während des Spiels verwarnt.“ Die Gelbe Karte wäre hier also zwingend gewesen. Dass dies unterblieb, mag ein weiteres Indiz dafür sein, dass sich der Schiedsrichter bei der Aktion nicht ganz wohlgefühlt hat.
Aber kann bei einem Elfmeter nur der Torwart etwas falsch machen? Mitnichten. Auch für den Schützen gelten klare Regeln. So muss vor der Ausführung deutlich erkennbar sein, wer den Strafstoß ausführt. Der Ball muss vom Schützen nach vorne gespielt werden. Mit einem indirekten Freistoß für den Gegner geahndet wird dagegen die Finte des Schützen, wenn dieser nach dem Anlaufen einen Schuss antäuscht. Eine Finte während des Anlaufs ist dagegen erlaubt – und wird fleißig praktiziert.
Knifflige Aufgabe für den Schiedsrichter
Für den Schiedsrichter ist die Ausführung eines Strafstoßes ein komplexer Vorgang, muss er doch nicht nur Torwart und Schütze im Auge behalten, sondern auch alle anderen Spieler, die sich in der Regel am Strafraumrand positionieren und auf einen Abpraller spekulieren. Der Schiedsrichter hat darauf zu achten, dass bis zur Ausführung des Elfmeters kein anderer Spieler in den Strafraum läuft.
Bewegt sich ein Mitspieler des Torwarts zu früh in den Strafraum und der Ball landet im Tor, zählt der Treffer. Geht der Ball nicht ins Tor, wird der Strafstoß wiederholt. Bei einem Mitspieler des Schützen verhält es sich umgekehrt: Geht der Ball ins Tor, muss der Strafstoß wiederholt werden. Geht der Ball dagegen nicht ins Tor, unterbricht der Schiedsrichter das Spiel und setzt es mit einem indirekten Freistoß für die Mannschaft des Torwarts fort.