Handball
Die Summe der Kleinigkeiten kostet Eulen-Niederlage
Um 2.30 Uhr lag Marc-Robin Eisel am Donnerstagmorgen endlich zu Hause in Mundenheim im Bett. Der Spielmacher von Zweitligist Eulen Ludwigshafen hatte mit seinen Teamkollegen auf der langen Busfahrt viel Zeit, die knappe 31:32 (15:13)-Niederlage beim HSC 2000 Coburg am Abend zuvor zu verdauen. Deutlich mehr Stunden als sein Trainer Ceven Klatt, der von Oberfranken aus nur etwa anderthalb Stunden in seinen Wohnort Kitzingen etwas südöstlich von Würzburg fuhr. Auch wenn die Konkurrenz auf den zweiten Aufstiegsplatz, Nordhorn-Lingen und Hamm, ebenfalls patzte: Mit nun schon 19 Minuspunkten könnte das Rennen jetzt bereits zuungunsten der Eulen Ludwigshafen entschieden sein.
Bis zum Umfallen geackert
„Die Stimmung im Bus war gar nicht so schlecht wie vielleicht sonst nach einer knappen Niederlage“, erzählt Eisel. Es habe sich auch deshalb nicht ganz so demütigend angefühlt, weil „wir das Beste gespielt haben, was wir können in der jetzigen Lage, nach den katastrophalen letzten zwei Wochen“. In der Tat: Die Eulen hatten beim Mitabsteiger aus der Bundesliga in Notbesetzung nach der letzten coronabedingten Spielabsage gegen Nordhorn-Lingen – diesmal fehlten sechs Spieler – eine tolle Moral bewiesen und quasi bis zum Umfallen geackert. „Man muss das gesund reflektieren. Ich finde zum Beispiel, dass wir in der zweiten Halbzeit mit das beste Spiel der Saison gemacht haben“, verdeutlicht Eisel, „wir haben fast in jedem Angriff einen Treffer erzielt.“ Letztlich habe man aber doch mit leeren Händen dagestanden.
Obwohl die Chance auf mindestens einen Punkt da war. Karl Toom hatte die Gastgeber in der Schlussminute in Führung gebracht, Trainer Ceven Klatt nahm seine letzte Auszeit. 19 Sekunden blieben den Eulen, noch das Remis zu retten. „Wir haben in der Auszeit kurz überlegt, den siebten Feldspieler zu bringen. Letztlich haben wir zu sechst einen Spielzug angesagt, den wir schon die ganze Halbzeit über gespielt haben und der gut geklappt hat“, erzählt Eisel von der Absprache. Irgendwie seien dann aber alle Rückraumspieler zur Mitte gezogen, und da sei es dann zu eng gewesen, so der neunfache Torschütze.
Es war eine Summe von Kleinigkeiten, die die Eulen in Coburg die Punkte kosteten. Das sah auch Eulen-Trainer Klatt so, der seine Mannschaft für ihren aufopferungsvollen Kampf ausdrücklich lobt: „Jeder in der Halle hat gesehen, was wir mit der Aufstellung gezeigt haben. Kompliment an mein Team.“ Aber vor der Pause habe die Wurfauswahl nicht immer gepasst (Klatt: „Wir wollten gegen Torwart Jan Kulhanek tief werfen“), dazu kamen ein paar technische Fehler. Nach dem Wiederanpfiff war die Hypothek mit dem knappen Personal dann groß. „Ich glaube, einer für die Abwehr hätte heute schon gereicht, um einem anderen die nötige Luft zu verschaffen. Hinten hat manchmal ein Schritt gefehlt, weil uns am Ende die Kräfte verlassen haben“, meint Klatt.
Eisel: Rimpar ist unangenehm
„Wir können uns mit der Niederlage gegen Coburg jetzt gar nicht lang beschäftigen, am Samstag kommt ja schon Rimpar, dann müssen wir am Dienstag nach Bietigheim“, sagt Marc-Robin Eisel. Am Donnerstagmorgen stand Physiotherapie für die Eulen an, nachmittags dann Training mit Regeneration und Videostudium des Gegners. Im Hinspiel bei der DJK Rimpar Wölfe, dem Ex-Klub von Eulen-Trainer Klatt, waren im vergangenen Oktober auswärts erstmals seit langem wieder Eulen-Fans dabei – und die Klatt-Truppe landete in Würzburg ihren ersten Auswärtssieg. „Das war das einzige Spiel, wo ich bisher nicht dabei war“, sagt Eisel lachend.
„Rimpar hat zuletzt eine gute Tendenz“, schätzt Eisel den Gegner auf Tabellenplatz 13, der am Mittwoch gegen Aue siegte, davor nur knapp Essen unterlag und den TV Hüttenberg zu Hause schlug, als unangenehmen Gegner ein. Wie Trainer Klatt hofft Eisel, dass sich für Samstag, 19 Uhr, Eberthalle, wieder weitere Spieler gesund melden, ist aber skeptisch. „Es wird wohl wieder ein ganz enges Spiel werden.“