Zehn Jahre Rhein-Galerie (2) RHEINPFALZ Plus Artikel Die Stadt an den Fluss gebracht

Beliebter Ruheplatz: die Treppen zum Rhein.
Beliebter Ruheplatz: die Treppen zum Rhein.

Das Projekt Rhein-Galerie ist mehr als der Bau eines Einkaufszentrums gewesen. Mit einem Stadtplatz, Gastronomie, einem Hotel, einer Promenade, einem Schiffsanleger und Büros in einer Werfthalle ist die Innenstadt näher an den Fluss gerückt. Auch Altkanzler Helmut Kohl hat dabei eine Rolle gespielt.

Auf der weitläufigen Treppenanlage zum Rhein verbringen Menschen gerne ihre Mittagspause, lassen den Blick über den Fluss schweifen, auf dem Schiffe vorbeiziehen. Der Platz dahinter hat seit der Eröffnung der Rhein-Galerie eine zunehmende Bedeutung bekommen: Beim Stadtfest steht dort eine Bühne, die mit Konzerten Tausende Besucher anzieht. Beim Straßentheaterfestival gastieren dort internationale Akrobaten. Im Sommer stand hier einige Jahre eine Lounge mit einer mediterranen Atmosphäre. Jetzt verbreitet das „Pier One“ Nordsee-Flair. Im Herbst wird das „Winterdorf“ aufgebaut, das mit Glühwein und Bratwürsten ebenfalls sein Publikum gefunden hat.

Der Platz der Deutschen Einheit hat einen prominenten Namenspaten: Altkanzler Helmut Kohl. Etwa 1000 Menschen verfolgten am 18. März 2011 den Festakt, bei dem das 2000 Quadratmeter große Areal vor der Rhein-Galerie benannt wurde. Der Name soll nicht nur an das historische Ereignis erinnern, sondern auch den Kanzler der Deutschen Einheit ehren. Der wegen eines bei einem Sturz erlittenen Schädel-Hirn-Traumas körperlich eingeschränkte Kohl hatte es sich daher nicht nehmen lassen, persönlich bei der Taufe dabei zu sein. „Das ist ganz fantastisch hier“, sagte damals der gerührte Altkanzler.

Platz ist in Privathand

Der Platz liegt direkt am Rhein und ist in Privatbesitz. Eigentümer ist der Immobilienfonds Union Investment, dem auch die Rhein-Galerie gehört. Das zunächst nur „Stadtplatz“ benannte Areal entstand zusammen mit dem Einkaufszentrum, das im September 2010 eröffnet wurde. Die Stadtspitze hatte den Investor ECE über einen städtebaulichen Vertrag dazu verpflichtet, den Platz für die Öffentlichkeit mitzubauen.

Für das Programm im und vor dem Einkaufszentrum ist das Centermanagement verantwortlich. Das Einkaufszentrum, das nach eigenen Angaben im Durchschnitt täglich 15.000 Menschen besuchen, will damit natürlich auch Kunden anziehen. Der Ort ist eine Visitenkarte für die Galerie. ECE lässt den Platz täglich reinigen, mehrmals pro Woche fährt eine Kehrmaschine darüber, nach Bedarf werden Kaugummireste entfernt. Dadurch wirkt der Platz sauberer als etwa der Berliner Platz, der in städtischer Hand ist.

Hotel kam sieben Jahre später

ECE erwarb mit dem Baugrundstück für die Rhein-Galerie das ganze Zollhofhafen-Areal. Der Konzern hatte sich gegenüber der Stadt verpflichtet, neben dem Einkaufscenter und dem Platz auf dem Areal auch ein Hotel als Randbebauung bauen zu lassen. Doch es dauerte sieben Jahre bis aus dem Plan Realität wurde und die Moxy-Gruppe ein Hotel errichtete. Das 186-Zimmer-Haus wurde im September 2017 eröffnet.

Schneller gelang es, eine neue Zukunft für eine alte Werfthalle an der ebenfalls von ECE gebauten Rheinpromenade zu finden. Eine weitere Auflage der Stadt an den Konzern war, die Werfthalle zu entwickeln und den historischen Ladekran davor zu renovieren. Anfangs war vor einem Veranstaltungsort die Rede. Doch daraus wurde nichts. Die Halle wurde schließlich 2013 an die Werbeagentur Cyperfection verkauft, die zuvor im alten Straßenbahndepot in Süd ihren Sitz hatte. Die alte Werfthalle wurde aufwendig für 3,5 Millionen Euro restauriert und beherbergt nun schicke Büros mit einem sensationellen Ausblick auf den Rhein, die teils auch vermietet sind. „Hier ist ein Kraft- und Denkort“, sagte Agenturchef Sven Korhummel nach dem Einzug.

Schiffsanleger gebaut

Nicht im städtebaulichen Vertrag stand der Bau eines Anlegers für Flusskreuzfahrtschiffe an der Rhein-Galerie. Vor Corona boomte diese Branche. Anlegeplätze für die bis 135 Meter langen Schiffe waren stark nachgefragt. Deshalb nahm das Schweizer Unternehmen River Dock Kontakt mit ECE auf, um direkt an der Galerie einen Steiger zu bauen. Center-Betreiber ECE rechnete mit bis zu 40.000 Passagieren, die hier an Land gehen und hoffte auf neue Kunden. 2018 wurde der erste Anleger direkt an einem Einkaufszentrum in Betrieb genommen. „Das war super und hat alle unsere Erwartungen erfüllt“, sagte der frühere Rhein-Galerie-Manager Christoph Keimes nach der Einweihung. Passagiere als auch Crew-Mitglieder würden im Center einkaufen. Aufgrund des Erfolgs wurde deshalb auch ein zweiter Schiffsanleger in Höhe des Lokals „Tialini“ geplant. Doch die Planung dafür wurde mittlerweile zurückgestellt.

Nicht alles, was anfangs für das Zollhof-Areal im Gespräch war, ist Realität geworden. Wasserspiele, eine feste 23 Meter breite Veranstaltungsbühne am Wasser und ein Spielplatz kamen nicht über das Planungsstadium hinaus. Auch aus einem Wellnesskomplex und einem „Gastro-Turm“, in dem Restaurants oder Bistros mit Rheinblick einziehen sollten, wurde nichts. Dennoch hat sich eine große Hoffnung der damaligen Stadtspitze unter Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) weitgehend erfüllt: Die Innenstadt ist tatsächlich an den Fluss gerückt. Eine durchgängige Rheinpromenade führt nun bis zur Parkinsel. Heute scheint es auf dem Platz der Deutschen Einheit kaum vorstellbar, dass an dieser Stelle einmal Container gestapelt und auf Schiffe verladen wurden.

Die Serie

Seit zehn Jahren gibt es die Rhein-Galerie. Wir beleuchten in dieser Serie die Folgen für die Stadtentwicklung. Teil 1: Der Bau.

Die Gastro-Angebote am Fluss sind gut angekommen.
Die Gastro-Angebote am Fluss sind gut angekommen.
Helmut Kohl und OB Eva Lohse weihten den Platz der Deutschen Einheit ein.
Helmut Kohl und OB Eva Lohse weihten den Platz der Deutschen Einheit ein.
Veranstaltungsort: WM-Übertragung in der Lounge.
Veranstaltungsort: WM-Übertragung in der Lounge.
Ein Riesenrad gab’s auch mal im Winterdorf.
Ein Riesenrad gab’s auch mal im Winterdorf.
Entspannung in der Lounge am Rhein.
Entspannung in der Lounge am Rhein.
Baustelle am Platzrand: Hier wurde ein Hotel gebaut.
Baustelle am Platzrand: Hier wurde ein Hotel gebaut.
Das Moxy-Hotel hat 186 Zimmer.
Das Moxy-Hotel hat 186 Zimmer.
Die Werfthalle wurde verkauft, umgebaut und für Büros genutzt.
Die Werfthalle wurde verkauft, umgebaut und für Büros genutzt.
Auch ein Schiffsanleger gehört mittlerweile zur Galerie.
Auch ein Schiffsanleger gehört mittlerweile zur Galerie.
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