Ludwigshafen
Die Reportage aus Ludwigshafen: Ein Abend im Felix Bowling Center
Das dumpfe Aufsetzen der Kugeln ist schon auf dem Treppenweg in das 3000 Quadratmeter weite Obergeschoss des Felix Bowling Centers zu hören. Fast alle der 36 Bahnen sind an diesem Dienstagabend besetzt. Etwa die Hälfte davon wird von Abteilungsmannschaften der BASF bespielt. Andere Bahnen sind von Familien oder Jugendgruppen gemietet. Ein Mädchen mit Burka setzt seine Kugel aus leichtem Anlauf heraus perfekt auf die Bahn, weder zu wuchtig noch zu zart, schön mittig erreicht der mindestens zweieinhalb Kilo schwere Globus die zehn Pins und haut sie alle auf einmal weg.
Geburtstag auf der Bowlingbahn
Auf der Bahn daneben feiert Hoang seinen zehnten Geburtstag – aber nicht allein. „Ich bin jetzt zum zweiten Mal hier“, sagt Hoang und berichtet, dass ihn der letzte Bowling-Geburtstag seines neunjährigen Freundes Lukas inspiriert habe. Lukas führt im Moment mit 33 Punkten, wie auf dem Bildschirm vor der Sitzgruppe zu sehen ist. Aber der elfjährige Pianh holt beim nächsten Wurf auf. Aus Oggersheim kommt er mit seinem Bruder Kevin. Seine 35-jährige Cousine Thuy und ihr gleichaltriger Freund Le sehen, wie Kevins Kugel in die Kegel kracht. Der Junge freut sich über jeden Einschlag.
Doch weiß Kevin, was mit dem getroffenen Kegelhaufen passiert, bevor wie von Geisterhand in perfekter Symmetrie gesetzt die neue Pin-Formation am Bahnende erscheint? Geschäftsführer Markus Felix (44) öffnet eine Stahltür, die in die Welt hinter die Bahnen führt.
Anlage war schon in Japan
Ein magischer Ort, der dem Ahnungslosen Raum für wildeste Fantasien lässt: Steht hinter jeder Bahn ein hilfreicher Kobold, der die Pins fluchs wieder aufstellt? Nicht ganz. Und trotzdem ist die gigantische laute Maschinerie auf ihren 65 Metern Länge beeindruckend. „Die Anlage ist hier schon seit 1979 installiert“, erklärt Felix die klappernden und tösenden Automateneinheiten. Die gefallenen Pins werden samt Kugel mittels ehernen Klauen und Schiebern dem „Pinrad“ und dem „Ballrad“ zugeführt – das Ballrad lässt die Kugel wieder zurückrollen. Vom Pinrad aus gelangen die Kegel über ein Förderband in eine zehnlöchrige Trichterform und werden von dieser wieder exakt platziert.
„Das ist reine Mechanik“, schwärmt Felix ob der rohen und plastikfreien Getriebetechnik. Wie alt die Anlage tatsächlich ist, weiß auch er nicht ganz genau. „Bevor sie zu uns kam, war sie schon in Japan in Gebrauch“, sagt er. Weniger Nostalgie als die pure Pragmatik spricht in seinen Augen gegen einen Anlagentausch: „Es bricht zwar ab und zu was ab, aber man kann es noch selbst reparieren“, sagt er.
Auch Trainingsbetrieb
Das ebenfalls 3000 Quadratmeter weite Untergeschoss des Centers öffnet nur an Wochenenden seine Türen zu den zehn von einst 28 verbliebenen Kegelbahnen. „Gut ausgelastet“ seien diese laut Felix vor allem durch Kindergeburtstage. Die zwölf Billardtische und das Snooker-Grün würden auch von einem Billard-Verein „mit Trainings- und Ligabetrieb“ genutzt.
„Das Felix Bowling Center ist eine Institution, seit es hier ist“, erzählt Felix von den Anfängen: So waren es Markus Felix’ Vater Eugen und seine drei Brüder Hans, Helmut und Siegfried, die 1979 „einen großen Sprung“ gewagt hätten, um ihren Standort an der Pasadenaallee zu verwirklichen.
Seitdem folgten im Wortsinn wechselhafte Dekaden. Zehn Jahre betrieb die Familie das Bowling Center selbst, um es 1989 an eine „irische Freizeitgesellschaft“ zu verpachten, sagt Felix. 1999 habe ein weiterer Pächter das Center übernommen, aber zehn Jahre später aufgegeben.
„Wir kämpfen uns durch“
„Findet man einen Pächter, der das stemmen kann?“, gab sich die Familie Felix 2009 laut Markus keinen Illusionen hin. „Es ist immer schwierig, wenn etwas am Boden liegt.“ Der verheiratete Vater zweier Söhne nahm völlig erfahrungsfrei mit seinem Schwager Andreas Hahn (46) die Zügel in die Hand. „Seitdem kämpfen wir uns durch“, sagt Felix und beschreibt, dass seit 2009 rund eine Million Euro in „Umbauten und Modernisierung durch Computer-Scoring-Systeme“ oder den Ausbau des Gastrobereichs mit seinen 220 Sitzplätzen geflossen seien.
„Ich hatte mit Bowlen und Gastro eigentlich nichts am Hut“, erzählt der Friesenheimer. Bis dahin habe er als Bauingenieur bei der damaligen BASF-Wohnungsbaugesellschaft Luwoge (heute Bauen und Wohnen) gearbeitet. Trotzdem sei da „der Reiz gewesen, sein eigener Chef zu sein“. Schwager Andreas Hahn hat Betriebswirtschaftslehre studiert.
Bislang läuft’s mit der Doppelspitze: „Wir ergänzen uns ganz gut“ spricht Felix die Aufgabenteilung der beiden Geschäftsführer an. Er selbst sei eher „für das Technische“ zuständig, derweil Hahn „den wirtschaftlichen Teil und das Marketing“ übernehme.
Center hat 70 Mitarbeiter
70 Mitarbeiter hat das Center derzeit laut Felix, „die eine Hälfte sind Festangestellte, die anderen Mini-Jobber“. Zudem gebe es vier Azubis, die Koch beziehungsweise Restaurantfachkraft werden wollen. Wie ein Pessimist wirkt Markus Felix definitiv nicht – aber macht ihm der geplante Abriss der Hochstraße Nord im Rücken des Centers und der Umbau der Pasadenaallee zur „Stadtstraße“ keine Sorgen? „Der Baustart ist jetzt wohl zehn Jahre nach hinten gerückt.“ Er und Hahn befänden sich diesbezüglich kontinuierlich in „Gesprächen mit der Stadt“. Andererseits gesteht Felix: „Mit einem Zeithorizont von zehn Jahren vor unserer Nase – klar, dass wir angespannt sind“.