Sommertour RHEINPFALZ Plus Artikel Die OB und die Probleme der Stadt: Joggingrunde als Plauderstunde

Los geht’s: die kleine Laufgruppe beim Start.
Los geht’s: die kleine Laufgruppe beim Start.

Bei traumhaften Bedingungen hat sich am Samstagmorgen ein kleiner, aber feiner sportlicher Kreis zur zweiten RHEINPFALZ-Sommertour getroffen – eine Joggingrunde durchs Maudacher Bruch. Mit Redaktionsmitgliedern absolvierten die Teilnehmer die rund 9,5 Kilometer in gut 60 Minuten. Gesprächsthema war natürlich auch OB Steinruck.

Fanden sich vor der coronabedingten Pause regelmäßig rund 20 Läufer am Bruch-Parkplatz Maudacher-/Meckenheimer Straße ein, so war die Resonanz dieses Mal etwas geringer. Kurz vor dem Start um 10 Uhr trudelten noch einige unerwartete Absagen ein, manche aus der Stammformation hatten sich schon vorab wegen des geplanten Urlaubs entschuldigt, andere trauten wohl dem Wetter nicht. Sei’s drum: Die, die da waren, freuten sich umso mehr und legten nach der Begrüßung von Redaktionsleiter Steffen Gierescher hochmotiviert los. Belohnt wurden sie am Ende mit einem kleinen Präsent: ein „Uffbasse!“-Handtuch für schweißtreibende Tage.

Verständnis für die OB

Die Lust, nach der regnerischen Woche die grüne Lunge Ludwigshafens in gemütlichem Tempo zu durchstreifen, war allen anzumerken. Und die Lust, dabei mit kundigen Journalisten über das aktuelle Geschehen in Ludwigshafen zu plaudern, war nicht minder groß. Neben Steffen Gierescher hatte auch Peter Müller, Redakteur aus dem Ressort Politik/Wirtschaft/Zeitgeschehen, zuvor lange Jahre Teil der Lokalredaktion, die Laufschuhe geschnürt.

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Selfie nach absolvierter Joggingrunde.
Selfie nach absolvierter Joggingrunde.

Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck erntete bei den Teilnehmern durchaus Verständnis für ihren SPD-Austritt Mitte Juli, den sie vergangenen Dienstag auf RHEINPFALZ-Anfrage erstmals bestätigt hatte. „Ich hätte es an ihrer Stelle nicht gemacht. Wenn man allerdings permanent gegen Mühlen kämpft und keine Unterstützung erhält, kann man die Reaktion irgendwie auch verstehen. Mein Eindruck ist, dass die OB ein Zeichen setzen wollte“, sagte Gerd Hammel.

Den Enkel im Schlepptau

Der 73-Jährige, einst erfolgreicher Mittelstreckenläufer beim ABC Ludwigshafen, ist schon zum x-ten Mal bei der Joggingtour dabei. Dieses Mal hatte er Verstärkung mitgebracht: Enkelsohn Paul. Der Jungspund bewältigte die ersten Meter zu Fuß, die letzten – begleitet vom Opa – auf dem Fahrrad. Der Vierjährige verbrachte das Wochenende bei seinen Großeltern in Dannstadt-Schauernheim, weil Mama und Papa beim legendären Heavy-Metall-Festival in Wacken weilten.

Gruppenbild mit Paul.
Gruppenbild mit Paul.

Als Sportabzeichen-Prüfer bei der TG Oggersheim und beim ABC ist Hammel weiter ehrenamtlich engagiert. Seiner Auffassung nach hat es für den Breitensport in Ludwigshafen schon bessere Zeiten gegeben. Dass einige Aktivposten nicht mehr in Amt und Würden sind, sei spürbar. Das tue der Szene nicht gut.

Zu OB Steinruck ergänzte er: „Es geht nicht, dass das Land den Kommunen immer mehr Aufgaben überträgt und sie dann finanziell im Regen stehen lässt.“

Vorfreude aufs Filmfestival

Willibrord Zunker, der zum dritten Mal bei der Tour dabei war, sieht es ähnlich. Der 69 Jahre alte Fachanwalt für Wohnungs- und Mietrecht hat allerdings seine Zweifel, ob die Stadt durch den OB-Entschluss schneller „aus dem Loch herauskommt“. Denn die Lage sei an allen Ecken und Enden angespannt. Zunker läuft zweimal wöchentlich seine Runde im Bruch. Dem 19. Filmfestival auf der Parkinsel fiebert er bereits entgegen. „Das ist für mich das Highlight im Kulturkalender der Stadt. Es lohnt sich schon wegen der Idylle am Rhein, dorthin zu gehen“, sagte Zunker.

Gerd Hammel mit Enkelkind Paul.
Gerd Hammel mit Enkelkind Paul.

„Undankbarer Job“

Stammgast bei der RHEINPFALZ-Joggingtour und aufmerksamer Leser der Lokalausgabe ist auch Peter Bellmann. Der Wirbel um den SPD-Austritt der OB hat auch ihn beschäftigt. „Mir tut Frau Steinruck ein bisschen leid. Sie hat die Schulden geerbt, die maroden Hochstraßen und musste als Verwaltungschefin zudem die schwierige Zeit der Pandemie bewältigen. Das ist ein undankbarer Job. Für viele Dinge kann sie nichts“, bilanzierte der 68-Jährige, der fast durchweg an der Spitze des Feldes lief.

Uffbasse!-Handtuch. Redaktionsleiter Steffen Gierescher präsentiert das Geschenk für die Teilnehmer.
Uffbasse!-Handtuch. Redaktionsleiter Steffen Gierescher präsentiert das Geschenk für die Teilnehmer.

„Hat Spaß gemacht“

Rüdiger Hick regte sich unter anderen über die immer wiederkehrende Diskussion in den Medien auf, seine Heimatstadt sei angeblich die hässlichste bundesweit. „Das ist absolut dummes Zeug. Ludwigshafen hat sehr schöne Ecken und Plätze. Ich habe schon viele andere Städte gesehen, zu denen das eher passt“, meinte der 57-Jährige. Einer seiner Lieblingsorte ist das Maudacher Bruch. Dreimal in der Woche läuft er hier seine Runde und hält sich fit. Und wie die anderen Läufer hat er am Samstag schon mal angekündigt: „Nächstes Jahr bin wieder dabei. Hat Spaß gemacht.“

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