Ludwigshafen
Die Komödie „Der Enkeltrick“ im Prinzregententheater
„Etwas Finanzielles“ will Oma Veronika (Ute Leonhardt) mit ihrem Lieblingsenkel Manfred (Paul Meidl) besprechen. Da fackelt „Manni the Man“ nicht lange, obwohl er die Oma seit zehn Jahren nicht gesehen hat. Nach einem etwas steifen ersten Beschnuppern der beiden kommt richtig Schwung in die Sache, denn die Oma ist immer noch sauer auf ihre Schwiegertochter, die einfach abgehauen ist, und verachtet ihren Sohn: „Meine Gene konnten sich nicht durchsetzen“, bedauert Veronica und sieht ihren Enkel vielsagend an. Manfred findet das gar nicht lustig, schließlich geht es um seine Eltern. Aber der gerade aufkommende Ärger über die unverschämte Oma verfliegt schnell, als diese ihm erklärt, dass der Lieblingsenkel der alleinige Erbe ihres nicht unbedeutenden Vermögens werden soll. Um das zu begießen, soll Manfred aus dem Keller eine Flasche Schampus holen.
Ein Unterfangen mit Hindernissen: Nicht nur, dass das Kellerlicht erst am Ende der Treppe installiert ist, nein, Manfred macht auch noch eine schauderhafte Entdeckung: Die Oma hat eine Leiche im Keller! Und die sieht auch noch aus wie Mannis Freund Arne! „Arne Banane“, wie er als Junge genannt wurde, ist jetzt laut Oma genauso matschig. Kein Wunder bei der „Mondlandschaft“ eines Gesichts, auf das siebenmal „aus Versehen“ ein Stein gefallen ist. Aber das interessiert die Oma nicht, sondern nur, dass keine Flecken auf ihre teure Einrichtung kommen. Und natürlich, dass die Leiche irgendwie weggeschafft wird. Das soll Enkel Manfred machen, schließlich muss er etwas tun für sein Erbe.
Derb und direkt
Von da an wird es immer absurder: Der Enkel versteht die Welt nicht mehr, als seine Oma ihn mit einer Pistole bedroht, er auf einer Plane ausrutscht und Arne auf ihn drauffliegt, er die Leiche auch noch in der Wohnung zersägen soll – ohne Flecken – und die Oma für die Polizei ein wahrhaft schauerliches Lügenmärchen spinnt, um den Enkel bei der Stange zu halten. Und trotzdem gibt es mittendrin viel Menschliches: weil die Oma Gründe hat, zu sein, wie sie ist. Sogar eine Versöhnungsszene gibt es – die aber abrupt mit dem Tod eines Familienmitglieds endet.
Der Abend ist pfälzisch direkt, sarkastisch, fäkalsprachig, spielt mit dem Ekel vor der Leiche und offenbart sexuelle Wahrheiten, die Enkel eher nicht hören wollen. Gags werden wirklich bis zum Allerletzten ausgereizt und auf die Spitze getrieben, inklusive dramatischer Lautstärke bei Schreien und Schüssen – den Zuschauern wird viel abverlangt, und manch einer zuckt sichtlich zusammen bei unverhofften Schüssen und Schreien. Aber der sehr derbe Humor verfängt, das Stück erntet lautstarke Lacher.
Ein bisschen Gesellschaftskritik
Und es gibt sogar ein bisschen Tiefgang. Als Oma Veronika dem Enkel ihr Herz ausschüttet über den Zustand der Gesellschaft, ihre Wut darüber, als alte Frau unsichtbar zu sein und als leichtes Opfer für Betrügereien zu gelten, wird auf Strukturen aufmerksam gemacht, die insbesondere ältere Frauen immer noch benachteiligen. Sie dreht den Spieß um, begehrt gegen diese Ungerechtigkeit auf und zeigt, dass Frauen eben nicht so wehrlos sind, wie man(n) sie gerne sieht.
Regisseur Bernhard Dropmann hat das Stück ausgewählt, weil es „zeitgemäß“ ist und er gerade zur Halloween-Zeit gern Krimis aufführt.
Termine
Das Stück steht vorerst bis Sonntag, 10. November, auf dem Spielplan. Alle Termine findet man unter www.prinzregenten-theater.de.