Ludwigshafen
Die Geheimnisse der Pfalz
Bevor die vergnügliche Lesestunde mit indischem Assam-Tee und Kuchen losging, wanderte erst einmal eine Unterschriftenliste durch das für die Nachmittagsstunde außerordentlich große Publikum im Dachgeschoss des Paul-Münch-Hauses. Es wurde zahlreich dafür unterschrieben, dass die Ludwigshafener Stadtteilbibliotheken erhalten bleiben sollen – über ihre Zukunft wird gerade genauso diskutiert wie über die vieler anderer Projekte im hoch verschuldeten Ludwigshafen. Sollten sie wirklich geschlossen werden, würde nicht nur eine wichtige Anlaufstelle für Schulen, Kindertagesstätten und Familien im Stadtteil fehlen. Auch wenn solche Veranstaltungen nicht mehr stattfinden könnten, wäre das höchst bedauerlich. Da waren sich die Gäste einig.
Denn ein Buch wie „Potzblitz – Die Pfalz!“ kann man sich zwar kaufen oder eben in der Bibliothek ausleihen. Aber Rolf Schlicher zu erleben, wie er Texte aus dem Buch vortrug, wie er von dessen Entstehung erzählte und von seiner Arbeit daran – das war noch einmal ein ganz besonderes Vergnügen. Ende 2020 ist Schlicher in Ruhestand gegangen. Als RHEINPFALZ-Redakteur hatte er zuletzt 20 Jahre lang das Südwest-Ressort geleitet und zuvor acht Jahr lang die Lokalredaktion Ludwigshafen. Nun hatte er Zeit, sich all den Geschichten zu widmen, die er jahrelang stichwortartig auf Schmierzetteln gesammelt hatte. In seinem gemeinsam mit der Fotografin Gabi Himmer entstandenen Buch „Potzblitz – Die Pfalz!“ erzählt er sie. Das 208 Seiten starke, beim Pilger Verlag erschienene Werk ist kein Reiseführer, das die Höhepunkte der Region vom Speyerer Dom bis zum Betzenberg und vom Hambacher Schloss bis zum Trifels aufzählt. Es ist ein Geschichtenbuch. Die zweite Auflage ist in Arbeit.
„Abstecher ins All“
Einige dieser Geschichten erzählte Schlicher in Ruchheim. Zum Beispiel die im Buch mit „Abstecher ins All“ überschriebene, die davon handelt, dass es einst ein im Werk Frankeneck (Kreis Bad Dürkheim) einer Papierfabrik entwickeltes Stück Papier bis auf den Mond geschafft haben soll. Eine andere („Marilyn und der Menhir“) widmet sich den Hinkelsteinen, monumentalen Zeugnissen der Steinzeit, die überall in der Pfalz zu finden sind. Man bekam Lust, aufzubrechen und die Orte selbst zu besuchen, die er so anschaulich, in lebendigen Worten und mit großer Sach- und Ortskenntnis beschrieben hat.
Rolf Schlicher ist Pfälzer durch und durch. Geboren in Kaiserslautern – wo das großelterliche Haus stand, befindet sich heute das Parkhaus des riesigen Einkaufszentrums in der Innenstadt –, zog er als Achtjähriger nach Edenkoben um. Heute lebt er mit seiner Familie in Neustadt. Zu Hause aber ist er in der ganzen Pfalz, am Rhein und am Donnersberg, in der Westpfalz und an der französischen Grenze. Bis zu 400 Kilometer sei er für das Buch an einem Tag durch die Pfalz gefahren, erzählte er in Ruchheim, und habe festgestellt, wie „groß und reich an Geheimnissen“ sie sei. Ein paar davon hat Rolf Schlicher gelüftet.