Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Die Frau mit dem hammerharten Punch

Zu Hause in ihrem Ring in Mutterstadt: Samantha Borutta dreht, Zopf und Hammer fliegen.
Zu Hause in ihrem Ring in Mutterstadt: Samantha Borutta dreht, Zopf und Hammer fliegen.

Leichtathletik: Samantha Borutta erfüllt es mit Stolz, für Deutschland starten zu dürfen. Beim Werfer-Europacup in Split überzeugte die Hammerwerferin aus Mutterstadt mit der Bestleistung von 69,03 Metern. Wenn sie von Olympia träumt, dann denkt sie an Paris 2024. In diesem Jahr aber hat sie noch ein ganz anderes Ziel.

„Ich freue mich schon darauf, Zuhause weiterzumachen“ lautete einer der Kernsätze in der WhatsApp, die Samantha Borutta am Sonntagmittag in die RHEINPFALZ-Redaktion schickte. Am Montagabend in Frankfurt gelandet, stand sie gestern schon wieder auf dem Werferplatz in Mutterstadt. Der Ring im Drahtkäfig – das ist für sie wie eine Tanzfläche in ihrem Wohnzimmer. Dort dreht sie auf ihren beiden Füßen blitzschnell ihren Körper in Schwung, vier Mal, bis sie die 4-kg-Kugel am langen Draht im richtigen Flugwinkel mit Karacho in den Himmel davonfliegen lässt. Tausende Male hat sie das schon geübt, denn Samantha Borutta ist eine Vielwerferin. Und genau deshalb hat sie den Vorstoß in die Weltspitze so schnell geschafft.

Im B-Finale des Hammerwurfs beim Werfer-Europacup in Split feierte das DLV-Team am vergangenen Sonntag einen Doppelsieg der beiden Leverkusener Athletinnen. Samantha Borutta steigerte ihre Bestleistung um drei Zentimeter auf 69,03 Meter und siegte vor ihrer Vereinskollegin Carolin Paesler, der deutschen Meisterin, die mit 66,92 Metern eine neue Saisonbestleistung aufstellte. Samantha Borutta begann mit 67,03 Metern, warf zudem 65,16 und 62,46 Meter. Die Siegerweite gelang ihr im fünften Versuch.

„Beim Einwerfen kam schon der erste Schock, ich merkte, der Ring ist glatt, sehr glatt. Was für mich hieß, technisch einiges umändern zu müssen. Mit den Versuchen habe ich mehr und mehr Selbstvertrauen bekommen. Auch bei der Steigerung auf 69,03 Meter habe ich gemerkt, dass ich technisch noch viel mehr arbeiten kann“, berichtete sie.

Sie hatte keine Erwartungen an sich gestellt: „Im Training habe ich schon gemerkt, dass die Würfe gut sind und ich Bestleistung werfen kann, wenn alles so weiter läuft“, wusste sie, wie gut sie drauf war.

Das Wetter war optimal, alles in Split top organisiert, die Hygienevorschriften wurden ziemlich gut umgesetzt. „Ich habe im Vorfeld gar nicht nachgeschaut, an welcher Stelle in der Eingangsliste ich stehe, weil mich das, um ehrlich zu sein, auch nicht interessiert. Ich kann immer nur meine Leistung beeinflussen und nicht die der anderen, deshalb will ich mich mit dem Blick in Listen überhaupt nicht verrückt machen. Ich war gut vorbereitet und voller Vorfreude“, erzählte sie von ihrem internationalen Debüt bei den Erwachsenen.

Der Teamchef der deutschen Werferinnen, Sven Lang, der bereits die Kugelstoßerin Christina Schwanitz und Kugelstoßer David Storl in die Weltspitze führte, war mächtig angetan vom Auftreten der Pfälzerin: „Sie war hier unsere jüngste Athletin und hat gezeigt, wozu sie fähig ist und auch in Zukunft fähig sein wird.“

Gecoacht wurde die Mutterstadterin vom ehemaligen Weltklasse-Kugelstoßer René Sack, dem Diskus-Bundestrainer, der sich von ihren beiden Heimtrainern, Annette und Peter Borutta, Samanthas Eltern, genaustens instruieren ließ, worauf es ihr denn beim Coachen ankommt. Denn: Erstmals konnten die Eltern nicht mit zu einem Wettkampf fliegen – coronabedingt. Sie fieberten am Livestream mit, eingreifen im Sinne von Tipps geben konnten sie nicht. „Sie hat das wirklich routiniert gemacht“, sagte Vater Peter Borutta, der erzählte, dass Samy ursprünglich für die U23-Mannschaft des DLV vorgesehen war, der DLV aber dann gar keine U23 schickte. Also musste seine 20 Jahre alte Tochter bei den Erwachsenen Farbe bekennen. „Ich bin superzufrieden“, sagte die Psychologiestudentin, die im Winter von der TSG Mutterstadt zu Bayer 04 Leverkusen gewechselt war und der Bundeswehr-Sportfördergruppe in Köln angehört.

Ihr Saisonziel bleiben die U23-Europameisterschaften im Sommer in Bergen/Norwegen. Schon 2019 hatte sie von der U20-EM die Silbermedaille mit nach Hause gebracht. Ob es dann 2021 noch einen weiteren großen internationalen Auftritt geben wird, damit beschäftigt sie sich momentan nicht wirklich. Denkt sie an Olympia, dann spricht sie von Paris 2024. Ob es für Tokio schon reichen könnte, wer weiß? Sie müsste in der Weltrangliste unter den besten 32 stehen. Aber wo rangiert sie nun nach ihrem Auftritt in Split ? „Das weiß ich nicht, ich schaue da nicht nach“, sagt sie und bleibt sich da treu. Am Samstag gibt’s den nächsten Wettkampf in Halle an der Saale, danach wird sie am Pfingstsonntag in Haßloch starten. Und vielleicht immer weiter nach vorne rücken in der Hammerwurf-Welt.

Borutta
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