Ludwigshafen Die Frau im Hintergrund

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Wenn sich das Publikum Jahr für Jahr am Straßentheaterfestival erfreute, wenn es seinen Spaß am Kindertheater oder an der Schultheaterwoche hatte, dann stand die Organisatorin bescheiden und unbemerkt im Hintergrund. Jetzt geht Sabine Sahling, die für diese und andere Veranstaltungen elf Jahre lang bei der Stadtverwaltung verantwortlich war, in den Ruhestand.

„In Zukunft kann ich Kulturveranstaltungen genießen, ohne Verantwortung zu tragen“, freut sich die 63-Jährige auf das Rentnerdasein. Als Organisatorin blieb sie zwar immer im Hintergrund. Aber wer in irgendeiner Weise mit dem Ludwigshafener Kulturleben in Berührung kam, der lernte auch Sabine Sahling kennen. Im Kulturbüro war sie für die Kulturförderung zuständig, von den Karnevals- bis zu den Gesangsvereinen. Außerdem organisierte sie den Kultursommer mit dem Straßentheaterfestival, Kindertheater International, Schultheaterwoche und weitere Festivals und Reihen, an denen die Stadt beteiligt ist. Dazu zählen etwa die Lesereihe „Europa_Morgen_Land“ oder das dreitägige „Jazz am Rhein“. Ihr Nachfolger Fabian Burstein wird am 1. Mai nicht nur diese Aufgaben, sondern zusätzlich noch die Leitung des Kulturzentrums Das Haus übernehmen. „Das ist eine tolle Chance für beide Einrichtungen“, meint Sabine Sahling über die Zusammenführung. „Ich als Einzelkämpferin hatte ja nie eine Vertretung.“ 17 Jahre war sie bei der Ludwigshafener Stadtverwaltung tätig, davon elf Jahre im Kulturbüro. Zunächst arbeitete sie in der Kinder- und Jugendabteilung der Stadtbibliothek und organisierte die Veranstaltungen der Bücherei. Für diese Aufgabe brachte sie schon Erfahrungen mit. Denn bevor sie 1999 nach Ludwigshafen kam, weil ihr Mann, ein Leipziger, in Mannheim eine Beschäftigung als Mathematiker gefunden hatte, war sie nach einer Phase der Arbeitslosigkeit für die Programmgestaltung der Leipziger Lachmesse, eines europäischen Humor- und Satirefestivals, verantwortlich. Vor der Wende leitete die gebürtige Naumburgerin in der DDR die Aus- und Weiterbildung für Kabarettisten und Schriftsteller am soziokulturellen Bildungszentrum in Leipzig. Schon während ihrer Schulzeit in dem angesehenen Internat von Schulpforta, wo ihre Mutter Lehrerin war, hatte sie ein Schülerkabarett geleitet. „Man musste aufpassen, wie man etwas sagte“, beschreibt sie das Kabarett in dem totalitären Staat. Aber Kabarettisten hätten auch in der DDR die Aufgabe gehabt, den Finger in Wunden zu legen. Vielleicht sei Satire sogar spannender gewesen, findet Sahling, weil die Kabarettisten gezwungen gewesen seien, vieles durch die Blume zu sagen, und das Publikum so gehalten gewesen sei, auf Zwischentöne zu achten. „Jetzt darf man alles sagen, aber keiner hört mehr zu“, habe ihr einmal ein ehemaliger Schüler nach der Wende seinen Eindruck anvertraut. Von einer Überwachung durch die Stasi habe sie seinerzeit nie etwas bemerkt, aber hinterher habe sie erfahren, dass wohl alle Telefonate an dem zentralen DDR-Bildungszentrum abgehört worden waren. Bis heute gehört Sabine Sahlings Liebe dem Kabarett. Im Kulturzentrum Das Haus hat sie einmal eine kleine Kabarettreihe initiiert, das Duo Schwarze Grütze aus Potsdam in die Stadtbibliothek geholt und später auch mehrmals im Kultursommer auftreten lassen. Sie gehörte vor 26 Jahren zu den Gründungsmitgliedern des Kabarettvereins in Leipzig, der sich zur Bundesvereinigung Kabarett mit mehreren hundert Mitgliedern in ganz Deutschland entwickelte. 23 Jahre gehörte sie dem Vorstand an und ist immer noch Mitglied. Im vergangenen Jahr wurde sie für ihre Verdienste um das Kabarett mit dem Kleinkunstpreis der Stadt Aschersleben ausgezeichnet, eine Ehrung, die vorher unter anderen auch schon Dieter Hildebrandt, Georg Schramm oder Dieter Hallervorden zuteil geworden ist und auf die sie sehr stolz ist. „Ich war sehr gerne und mit Leidenschaft Veranstalter“, sagt Sabine Sahling. „Und ich habe meine Tätigkeit nie als reine Verwaltungsaufgabe begriffen.“ Besonders gern hatte sie das Kindertheaterfestival und den Kultursommer, und hier selbstverständlich das Straßentheaterfestival. Die zweitägige Veranstaltung unter freiem Himmel, bei der Theatergruppen, Clowns, Akrobaten und Musiker aus der ganzen Welt auftreten, ist die erfolgreichste Kulturveranstaltung der Stadt, die alljährlich im Hochsommer Zuschauer auch aus der weiteren Umgebung anzieht. Schon bald nach Ende eines Straßentheaterfestivals begannen auch schon die Vorbereitungen für das nächste. Die Zusammenarbeit bei der Auswahl der Künstler mit zwei Agenturen bei Frankfurt und in Saarbrücken hat Sabine Sahling noch von ihrer Vorgängerin Erika Flatter übernommen. Darüber hinaus aber schaute sie sich auf einer Kleinkunstbörse für Open-Air- und Puppentheater in Paderborn und auf der Kulturbörse in Freiburg um. Enge Kontakte zu anderen Städten wie Mosbach oder Görlitz erleichterte die Vorbereitung. „Endlich werde ich jetzt einmal dazu kommen, mir das Straßentheaterfestival in Görlitz anzusehen“, sagt die frischgebackene Rentnerin. „Bisher war ich nämlich immer verhindert.“

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