Ludwigshafen
Die ersten 115 Impfungen, aber auch weitere 40 Todesfälle
Im November und Dezember sind in Ludwigshafen wegen Verstößen gegen die Corona-Richtlinien bisher 2300 Bußgeldverfahren eingeleitet worden. Das sagte Martin Graf als Leiter des Ordnungsamts am Montag in einem Pressegespräch. Das höchste Bußgeld sei mit 10.000 Euro gegen ein Fitnessstudio verhängt worden, das wiederholt seine Pforten öffnete. Zudem habe es etwa 50 Verstöße gegen Quarantäne-Bestimmungen gegeben. Drei Betriebsweihnachtsfeiern seien aufgelöst, ein Dönerimbiss geschlossen und in einem wegen Bauarbeiten geöffneten Lokal nicht genehmigte Glücksspielautomaten konfisziert worden. Eine Tankstelle, die nach 21 Uhr geöffnet hatte, sowie diverse Lieferdienste, die um diese Uhrzeit noch Waren transportierten, seien darüber hinaus bestraft worden, berichtete Graf. Mit 300 bis zu 25.000 Euro kann ein Vergehen geahndet werden. Das Ordnungsamt werde die Ausgangsbeschränkungen (21 bis 5 Uhr) auch an Silvester streng überwachen, kündigte Graf an.
Alle Intensivbetten belegt
„Manchmal bin ich entsetzt darüber, wie wenig Verständnis einige Leute für die aktuelle Situation aufbringen“, meinte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD). Die Corona-Lage in der Stadt sei weiterhin sehr ernst. Die Intensivstationen der Krankenhäuser, auch jene für Nicht-Covid-Patienten, seien voll belegt. Hinzu komme: Die Auswirkungen der Lockerungen über die Weihnachtsfeiertage würden sich erst in ein paar Wochen bemerkbar machen. „Wer an Silvester mit Feuerwerk zündelt und sich verletzt, muss damit rechnen, dass er weit weg von Ludwigshafen behandelt wird“, warnte Steinruck.
21 Todesfälle in Ludwigshafen
Die dramatische Lage unterstreichen die Zahlen, die am Montag das auch für Ludwigshafen zuständige Gesundheitsamt des Rhein-Pfalz-Kreises vorlegte. Demnach wurden der Behörde neben Hunderten Neu-Infektionen für den Zeitraum zwischen 23. und 28. Dezember 40 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit Corona gemeldet: 21 in Ludwigshafen, 14 im Rhein-Pfalz-Kreis, drei in Speyer und zwei in Frankenthal. Die meisten Infektionsfälle im Landkreis gab es in Schifferstadt (41) und Mutterstadt (22).
Der Schwerpunkt bleiben Altenheime: In Ludwigshafen von Neuinfektionen betroffen seien das Domicil Seniorenpflegeheim, das Vitanas Seniorenzentrum (beide in Süd), der Paulinenhof (Oppau), das Hans-Bardens-Haus (Gartenstadt), das DRK-Seniorenheim in der Melm (Oggersheim), aber auch das St. Marienkrankenhaus in der Gartenstadt.
Jeder zweite Test positiv
Wie kritisch das Infektionsgeschehen ist, belegt für Steinruck auch eine sich zuspitzende Quote. In der Infektionsambulanz am Ludwigshafener Klinikum hätten sich zwar über die Weihnachtsfeiertage weniger Menschen als üblich testen lassen – eine Entlastung, die sie auch auf das am 19. Dezember eröffnete Schnelltest-Zentrum in der Walzmühle zurückführt. Allerdings sei jede zweite Person positiv getestet worden. Nur bei jedem Fünften sei das in der Zeit davor der Fall gewesen.
135 Impfdosen bereitgestellt
Unterdessen hat nun auch in Ludwigshafen der Impfmarathon in den Pflege- und Altenheimen begonnen, nachdem der Startschuss in der Region am Sonntag in Neuhofen gefallen war. Laut Impfkoordinatorin Ramona List hat das mobile Impfteam im Laufe des Montags 115 Personen (Bewohner und Mitarbeiter) eines Ludwigshafener Seniorenheims das Vakzin der Hersteller Biontech und Pfizer verabreicht.
Den Namen der Einrichtung will List nicht nennen, um den Ablauf durch den befürchteten Medienrummel nicht zu stören. Insgesamt 135 Impfdosen (ein Puffer miteingerechnet) sind List zufolge für den Auftakt bereitgestellt worden. Geimpft wurde von 8 bis 16 Uhr. Am 26. Dezember waren die ersten 1950 Impfdosen in 390 Fläschchen in Ludwigshafen eingetroffen. Heute sollen 40 Bewohner und zwei Mitarbeiter einer weiteren Einrichtung und dann schrittweise die nächsten Heime folgen, sofern diese „Impfbereitschaft“ signalisierten. Wann die Impfungen in den zwölf Altenheimen der Stadt abgeschlossen sein könnten, sei derzeit nicht abzusehen, zumal aktuell nur ein mobiles Impfteam unterwegs und für eine Region bis zur französischen Grenze verantwortlich sei, so Steinruck.
Impfzentrum startklar
Noch völlig unklar sei zudem, wann genau im Januar im Landesimpfzentrum in der Walzmühle die erste Impfstraße eröffnet werde, wo täglich bis zu 250 Menschen geimpft werden könnten. Der Auftakt für ein „Präsenz-System“ hänge auch davon ab, wann die Callcenter des Landes eingerichtet sind beziehungsweise eine Online-Anmeldung möglich ist. „Wir sind jedenfalls startklar“, betonte die OB.
Zu Beginn sollen im Ludwigshafener Impfzentrum werktags von 10 bis 17 Uhr Spritzen gesetzt werden. Maximal fünf Impfstraßen könnten im ehemaligen Real-Supermarkt eingerichtet werden. Zu den 2700 Quadratmetern im Erdgeschoss könnte die Stadt bei Bedarf weitere 3000 Quadratmeter im ersten Stock anmieten und die Öffnungszeiten im Notfall ausdehnen.
Zehn Mitarbeiter fürs Gesundheitsamt
Sozialdezernentin Beate Steeg (SPD) berichtete, dass neben dem Deutschen Roten Kreuz weitere Organisationen wie der Arbeiter Samariter Bund, die Johanniter Unfallhilfe und auch die DLRG zugesagt hätten, die Seniorenheime dabei zu unterstützen, die Kriterien für eine Impfung zu erfüllen. Ordnungsdezernent Andreas Schwarz (SPD) kündigte an, dass vorerst zehn Mitarbeiter der Stadtverwaltung dem Gesundheitsamt bei der Kontaktnachverfolgung helfen und als „Trainer“ für weitere Kollegen ausgebildet werden.
Die Sieben-Tage-Inzidenz in Ludwigshafen liegt aktuell bei knapp 237. Es gibt 1825 akute Fälle, 102 mehr als am Vortag. 120 Menschen sind hier im Zusammenhang mit Corona gestorben. Im Landkreis liegt der Inzidenzwert bei knapp 177. Es gibt 1288 akute Fälle (+65) und bisher 55 Todesfälle an oder mit Corona.
Kommentar: Danke den Unermüdlichen
Nein, es läuft noch nicht optimal mit dem Impfen. Dass es überhaupt läuft, liegt an vielen unermüdlichen Akteuren. Ihnen gebührt unser Respekt.
Ein einziges mobiles Impfteam für eine Region von Ludwigshafen bis zur französischen Grenze – das klingt nicht nur nach wenig, das ist viel zu wenig, wenn man die Bewohner und Mitarbeiter der Seniorenheime so schnell wie möglich durchimpfen will. Aber: Bevor man jetzt gleich wieder an der Organisation und der Logistik herumkrittelt, sollte man zunächst einmal all jenen danken, die sich in den vergangenen Wochen dafür verausgabt haben, den Impfmarathon überhaupt an den Start zu bringen. Und die dafür auch die Feiertage durchgearbeitet haben.
Vor Ort müssen Menschen das in die Tat umsetzen, was in Berlin und Mainz gerne vollmundig angekündigt wird. Ungeachtet dessen, dass Seniorenheime auch ohne den anfallenden Papierkram bereits am Limit sind. Und auch ungeachtet der Tatsache, dass überall in der Pflege Personal fehlt, genauer gesagt: qualifiziertes und angemessen bezahltes Personal.
Jetzt geht es erst einmal darum, die Heime zu unterstützen. Dass sich mehrere Organisationen dazu bereiterklärt haben, ist ein gutes Signal und unterstreicht einmal mehr: Die Krise meistern, das geht nur zusammen.