Ludwigshafen
Die bewegte Stadt
Staatssekretär Randolf Stich (SPD) war am Samstag eigens aus Mainz nach Ludwigshafen gekommen, machte beim Bogenschießen eine überaus gute Figur, und auch Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) versuchte sich am fast schon meditativen Umgang mit Pfeil und Bogen. „Ludwigshafen hat landesweit das größte Angebot“, begründete Stich seinen Besuch. Auch das hörte Saskia Helfenfinger-Jeck gerne, die nach der coronageplagten Premiere im Vorjahr mit der zweiten Auflage ein wahres Feuerwerk an Spiel, Sport und jeder Menge Spaß gezündet hatte.
Vor allem Kinder hatten ihren Spaß an dem kunterbunten Bewegungsangebot. Das musste noch nicht einmal sonderlich ausgefeilt sein, sondern konnte auch problemlos zu Hause nachgebaut werden. „Wir haben einen kleinen Zettel für Spiele mit Karton zusammengestellt“, berichtete Dorothea Bartel von der Initiative „Familie in Bewegung“. Kartons abwerfen oder auch Zielwerfen in Kartons – es braucht nicht viel für jede Menge abwechslungsreiche Unterhaltung.
Alle Altersklassen in Schwung
Ein paar Schritte weiter kümmerten sich Brigitta Scheib und Mitglieder des Seniorenrats um „angehende Senioren“: Was für Senioren gut ist, das hilft auch Kindern“, beschrieb sie die aufgebauten Übungen, die Balance und Gangsicherheit in allen Altersklassen schulen. Wiederum nur wenig entfernt trieben dann tatsächlich die Senioren Sport. Die Qi- Gong-Übungen des Kneipp-Vereins sprechen Kinder und Jugendliche noch selten an. Dafür war auf der anderen Seite der Wiese deutlich mehr Action und Bewegung, brachte Eva Weile mit ihrem Team von der Tanzschule alle Altersklassen gehörig in Schwung.
„Es ist gut, dass es so ein Bewegungsangebot gibt. Man kann hier so viele unterschiedliche Sportarten ausprobieren“, freute sich Angelika Knudsen, die mit ihrem fünfjährigen Sohn Lars auf Entdeckungsreise war. „Den Papa haben wir zu Hause gelassen“, sagte die Ludwigshafenerin lachend. Schade eigentlich, denn das Bewegungsangebot war tatsächlich für die ganze Familie.
Zum Beispiel bei den „Big-Family-Games“ des Lauf-Clubs. Die Ergebnisse aller Familienmitglieder von Ballbalancieren, „Känguru-Hüpf“ und dem Turnschuh-Weitwurf-Wettbewerb wurden zusammenaddiert. Frotzeleien inklusive. „Ich bin froh, dass ich den Schuh weiter geworfen habe als meine Frau, sonst hätte ich mir das den ganzen Rest des Tages anhören müssen“, atmete ein Vater tief durch.
Cricket als Schnupperkurs
Der Kamerunische Sportverein Ludwigshafen bot sein interkulturelles Integrationsfußballturnier auf den umliegenden Fußballplätzen an. Nicht ganz so ernst ging es beim Bubble-Soccer, dem Fußball in einer schützenden Luftblase zu, und ein paar Schritte weiter wurde es noch exotischer, denn Cricket, wie von der Flüchtlingsinitiative „Start with a Friend“ als Schnupperkurs angeboten, ist für den Kontinentaleuropäer nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln.
Genau gegenüber bot die Selbsthilfegruppe Analphabeten Ludwigshafen-Mannheim viel mehr als nur Beratung. Kursleiterin Elfriede Haller erklärte, warum ein Bewegungsangebot für Analphabeten so wichtig ist: „Viele dieser Menschen sind vereinsamt und oft chronisch krank, weil sie sich nicht aus dem Haus trauen und weil sie sich zu wenig bewegen. Dabei könnten auch einfachste Übungen helfen. Übungen, wie sie Siegfried Kistner demonstrierte. „Wir machen jeden Montag ab 11 Uhr ein Bewegungsangebot im Ebertpark“, warb er.
Vereine kommen in Kontakt
Denn dies war ein weiterer Grund für den landesweiten Aktionstag. „Vereine kommen dadurch in Kontakt. Es entsteht Kommunikation und im besten Fall entstehen neue Kooperationen“, sagte Helfenfinger-Jeck. Beispielsweise zwischen den beiden Bogenschützenvereinen vom BSV Ludwigshafen und den Kollegen vom RSC Friesenheim. Ins Gehege komme man sich dabei nicht, bestätigten die Verantwortlichen – im Gegenteil. So zielen die Schützen des BSV ganz klassisch auf die Scheibe. Beim RSC betreibt man hingegen Jagdschießen, legt auf (selbstverständlich künstliche) Tiere an. So könne man für Übungszwecke zusammenkommen. „Wir haben nur ein Freigelände in Altrip. Was uns fehlt, wäre eine Halle für den Winter“, sagte der BSV-Vorsitzende Peter Stahl. Eine Halle, wie die RSC-Schützen sie in den Räumen der Radrennbahn bereits nutzen.
Bei so einem breiten Angebot fiel kaum auf, dass es im Südwest-Stadion selbst eine kleine Besonderheit zu bestaunen gab. Nicht allein, weil der ESV Ludwigshafen einen Sportabzeichen-Treff aufgebaut hatte, hier die Prüfungen für die Medaille des Breitensports abnahm, sondern weil das alles ohne Ludwigshafens Sportabzeichenbeauftragte Ulla Walther-Thiedig stattfand. Eigentlich undenkbar. „Ulla ist in Urlaub“, verriet Helfenfinger-Jeck lachend. Nur eine kleine Randnotiz an einem kunterbunten Bewegungstag in Ludwigshafen.