Ludwigshafen
Die Band Victoryaz mit ihrer stimmgewaltigen Sängerin auf der Sommerbühne in Mannheim
Victoryaz ist die Band der Sängerin Victoria Zapf, die ursprünglich aus Karlsruhe stammt, aber inzwischen in München lebt. Ihre stimmgewaltig vorgetragenen Popsongs kleidet sie gemeinsam mit ihren drei Mitmusikern in sanfte Grooves zwischen Rhythm & Blues, Soul und Funk. Auf der Sommerbühne hat sie zum ersten Mal das Mannheimer Publikum mit einer Stimme verwöhnt, die eine große Zukunft haben könnte.
Der würzige Dampf frisch frittierter Falafel mischt sich vor der Feuerwache mit der süßlichen Mannheimer Schokoluft. Schon um sieben Uhr, eine Stunde vor dem offiziellen Konzertbeginn, versammeln sich Unternehmungslustige aus nah und fern vor der Sommerbühne und gönnen sich mediterrane Snacks sowie kühle Getränke. Es ist einer dieser Sommerabende, die es hierzulande nur in Mannheim und Umgebung gibt: Aufgeheizt sind allein die Pflastersteine, spätestens mit dem einsetzenden Farbenspiel der Abendsonne macht sich eine fast südländische Gelassenheit breit und das ganze Leben scheint sich auf die Straße zu verlagern.
Da fehlt eigentlich nur noch ein bisschen Musik unter freiem Himmel, und dafür sorgt die Feuerwache im August mittlerweile fast jeden Abend. Das schafft Kontinuität, und so strömen die Musikbegeisterten schon von alleine in Richtung Bühne, vor welcher Platz für etwa 150 stehende oder auch tanzende Menschen ist. Kein Wunder, denn freie Sitzplätze gibt es nirgends, weder an den Bistrotischen noch auf der Mauer, die das Gelände zum Messplatz und der dazwischenliegenden Verkehrsader abgrenzt. Vielmehr bleiben dort ab den ersten Klängen Passanten stehen und versperren aufmerksam lauschend den Fuß- und Radweg.
Eine beeindruckende Stimme
Victoria Zapf hat es mit ihrer Band derweil gar nicht nötig, eine große Show abzuziehen. Das Quartett betritt fast unbemerkt die Bühne und fängt einfach an, besetzt mit Schlagzeug, Bass und Tasten. Beim ersten Song hat sie das Mikrofon noch fest im Griff, doch wenig später legt sie auch selbst Hand an und klammert sich beim Singen etwas an ihre E-Gitarre. Anfänglich klingt alles etwas dünn und flach, bis Steven Obu am Bass zum ersten Mal einen Gang höher schaltet und mit dem blubbernden Autowah-Effekt auch den Funk ordentlich aufdreht.
Wer lange Reden auf der Bühne nicht mag, findet hier vielleicht seine neue Lieblingsband. Denn Victoria Zapf sagt so gut wie nie etwas zwischen den Songs, es gibt einfach 20 Sekunden Stille und dann setzt die Musik wieder ein. Dafür überzeugt sie durch ihre Singstimme: Mit geschlossenen Augen summt und trällert sie, streut krächzende oder röhrende Laute ein und schwebt grundsätzlich mindestens eine Etage über dem instrumentalen Fundament. Nachdem Intonation und Timbre ganz zu Beginn noch etwas wackelig daherkommen, findet sie nach kurzer Zeit eine traumwandlerische Sicherheit, die sie für ihre bisweilen fast schwindelerregenden Kaskaden auch gut gebrauchen kann. Stimmlich ist das jetzt schon beeindruckend, potentiell könnte die Vokalistin in ein paar Jahren sogar in die allererste Gesangsliga Deutschlands aufsteigen.
Manche Melodie bleibt im Ohr
Kompositorisch hat das Ganze allerdings noch Luft nach oben, teilweise verteilen sich einfach etwas zu große Textmengen auf eher schematische Akkordfolgen. Auch die Arrangements wirken häufig ein wenig wie Standardlösungen aus dem Lehrbuch, hier würde es sich lohnen, das gesamte Material bis ins letzte Teil auszuarbeiten wie etwa die Single „One or Peace“. In den letzten Jahren gibt es in der R&B-Szene der USA den Trend, das funktionale Denken der am Computer produzierten Popmusik hinter sich zu lassen und sich handwerklich wieder an den großen Meistern der goldenen Ära von Motown und Stax Records zu orientieren. Sich dieser Bewegung anzuschließen, würde sich auch für Victoryaz lohnen, man muss deshalb ja nicht gleich in blinde Retromanie verfallen.
Das Publikum vor der Feuerwache interessieren solche Spitzfindigkeiten natürlich weniger, es ist ein rundum gelungener Sommerabend mit passender Musik. Die Stimme von Victoria Zapf ist ein Highlight, das in Erinnerung bleibt, und mit der einen oder anderen Melodie lässt sich auch leise pfeifend der Nachhauseweg versüßen. Doch selbst verwöhnte Zuhörer freuen sich auf ein Wiedersehen mit Victoryaz in ein bis zwei Jahren, wenn die Band sicher noch besser eingespielt agieren wird und die Songs durch eine hoffentlich bald stattfindende Album-Produktion noch konzentrierter auf den Punkt gebracht wurden.