Ludwigshafen Dicke Überraschung zum Auftakt

Der WSV Ludwigshafen, im Bild mit den blauen Kappen, überzeugte am Samstag gegen München. Es war Werbung in eigener Sache.
Der WSV Ludwigshafen, im Bild mit den blauen Kappen, überzeugte am Samstag gegen München. Es war Werbung in eigener Sache.

«Ludwigshafen.» Es spricht für das neue Ludwigshafener Selbstvertrauen: „Ich weiß nicht, ob ich mich über das Unentschieden freuen, oder mich ärgern soll, weil wir das Spiel nicht gewonnen haben“, sagte WSV-Trainer Pierre Hilbich. Er war nach der Schlusssirene im Zwiespalt. Martin Görge hatte darauf eine klare Antwort: „Ich wollte das Spiel gewinnen.“ Mit fünf Toren hatte der Rückkehrer von Bundesligist SC Neustadt großen Anteil an der Punkteteilung gegen die abgezockten Münchner, die den Aufstieg als Saisonziel definiert haben. Tatsächlich hätte es zu mehr für Ludwigshafen reichen können. Zu Beginn hatte der WSV ein spielerisches Übergewicht. In Toren drückte sich das aber nicht aus. Im Gegenteil. Eine Unachtsamkeit und eine Unterzahl – München führte nach drei Minuten mit 2:0. „Wir haben generell zu viele unnötige Tore gefangen“, haderte Mit-Trainer Maurice Schäfer und nannte als Beispiel den 4:4-Ausgleich zum Abschluss des ersten Viertels. Münchens Torhüter Viktor Sipos hatte abgezogen und sein Gegenüber Tom Sieger überrascht. Aber die Einstellung stimmte beim WSV. „Unser Konzept hat in weiten Teilen gegriffen“, sagte Hilbich. Das war zunächst einmal defensiv orientiert und im Angriff auf konsequente Ausnutzung der Überzahlspiele ausgelegt. Mit einer Quote von drei Toren aus vier Gelegenheiten drehten die Gastgeber das Spiel. Martin (2) und Oliver Görge (1) trafen zum 3:3. Florian Löw brachte bei einem der seltenen Tore, bei dem beide Mannschaften vollzählig im Wasser waren, den WSV 35 Sekunden vor der ersten Pause mit 4:3 erstmals in Führung. Insgesamt traf Ludwigshafen achtmal in Überzahl, verwertete außerdem durch Martin Görge einen Strafwurf zum 11:12-Anschlusstreffer (29.). Bei 13 Chancen in Überzahl ist das eine durchaus beachtliche Quote. Die Zahlen der Münchner lagen mit fünf von neun ebenfalls über dem „Wunschwert“ von 50 Prozent. Damit und mit der Ausnutzung der kleinsten Fehler legten über weite Teile des Spiels die Gäste um bis zu zwei Tore vor. Es spricht jedoch für Ludwigshafener Kampfkraft und auch Stärke, dass sich die Mannschaft davon zu keinem Zeitpunkt beeindrucken ließ. „Das war durch die Bank eine starke Leistung von uns“, lobte Hilbich und meinte dies durchaus wörtlich: „Wir hatten auf der Bank echte Optionen und konnten so durchwechseln.“ Es spricht außerdem für die neue Ludwigshafener Stärke, dass Torgaranten aus der vorigen Saison, wie Laszlo Toth, Ahmed Mohamed. Johannes Schmitz oder auch Benjamin Hettich, zum Saisonauftakt in der Torschützenstatistik nur eine untergeordnete Rolle spielen, aber da sind, wenn die Mannschaft sie braucht. Die Torgaranten trafen nicht nur, sie ackerten auch mit aufopferungsvoller Arbeit in der Abwehr. Toth verkürzte auf 6:7 und Schmitz traf zum 7:7 (beides 16.). Hettich besorgte den 13:13-Endstand (31.). Im letzten Ballbesitz 30 Sekunden vor dem Ende gelang der Siegtreffer nicht mehr. Grund genug, dem vergebenen Favoritensturz nachzutrauern.

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