Ludwigshafen "Deutsch-Türkische Festtage" locken 19 000 Besucher an
Vielfalt, Toleranz und Respekt vorleben: Das ist das Ziel der „Deutsch-Türkischen Festtage“, die seit 2007 von der Türkischen Gemeinde in Rheinland-Pfalz veranstaltet werden. Am Wochenende besuchten das zweitägige Kulturfest auf dem Messplatz rund 19 000 Gäste. Wir haben Eindrücke vor Ort gesammelt.
„Hier mein Herr, probieren Sie unsere Çiğköfte“, fordert der junge türkische Verkäufer einen älteren Deutschen in kurzen Hosen auf. Der zögert noch. „Wenn Sie möchten, wir haben hier auch vegane“, zeigt der Junge auf die braunen, gebackenen Lammfleischbällchen, die in diesem Fall nach seinen Worten ausschließlich aus Weizen zubereitet sind. Die Çiğköfte schmecken wirklich lecker. Dazu wird vom Nachbarstand gleich noch ein Probiergläschen frisch gepresster Karottensaft gereicht. „Ich bin zufällig hier, ich finde es aber ganz toll“, sagt der ältere Ludwigshafener. Wenn es um den Genuss kulinarischer Köstlichkeiten geht, ist Völkerverständigung offenbar doch nicht schwer. So widmen sich nicht wenige der zahlreichen auf dem Messplatz aufgebauten Stände den leiblichen Genüssen. Die übrigen bieten einen bunten Querschnitt von Waren an – vom Basar für Kunsthandwerk und Schmuck über Fenster und Türen bis zur Bausparkasse. Die meisten Angebote richten sich an ein türkisches Publikum. Wie auch der Stand der Polizei Rheinland-Pfalz, die hier um Nachwuchs wirbt. Dass auch Migranten gerne aufgenommen werden, dafür steht quasi als lebendes Beispiel Polizeikommissar Ömer Boyraz von der Inspektion Ludwigshafen vor Ort. Auch ein plötzlicher Schauer kann der guten Stimmung nichts anhaben. Als die Sonne wieder hervorkommt, beginnt sich auch der Platz wieder zu füllen. Anziehungspunkt ist nicht zuletzt das umfangreiche Bühnenprogramm an beiden Tagen. Geboten wird sehr viel Musik, von traditioneller türkischer Folklore bis Hip-Hop, dazu Tanzshows und Comedyeinlagen. Um gleichermaßen auf Deutsch wie Türkisch durch das Programm zu führen, wurde eigens die Berliner Radiomoderatorin Ebru Okatan engagiert. Organisiert werden die seit 2007 alljährlich stattfindenden „Deutsch- Türkischen Festtage“ durch den Verein „Türkische Gemeinde Rheinland-Pfalz“. „Wir haben uns als Ziel gesetzt, das Zusammenleben und Miteinander in unserem Land besser zu gestalten, zu fördern und durch verschiedene Aktivitäten einen Beitrag für das gemeinsame Wohl zu leisten“, sagt Vorsitzender Ihsan Altindasoglu. Der Hochdorf-Assenheimer führt den Verein, hinter dem 30 Organisationen und etwa 10.000 Menschen stehen, seit Oktober. Nicht nur zwischen Türken und Deutschen, auch unter den Türken selbst kommt dem Verein offenbar eine wichtige Vermittlerrolle zu. „Unser Verein und die Deutsch-Türkischen Festtage sind überparteilich. Türkische Innenpolitik hat hier nichts zu suchen, wir wollen hier nicht den Streit, den es in der Türkei gibt“, machte Altindasoglu mit Nachdruck deutlich. Entsprechend gab es bei den Festtagen keine politischen Stände oder Plakate von Politikern. Im Organisationskomitee seien alle politischen, religiösen und ethnischen Gruppen vertreten, betonte der 34-Jährige die funktionierende Zusammenarbeit. Schirmherrin war Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Die Landesregierung repräsentierte am Samstag Integrationsministerin Irene Alt (Grüne) in Ludwigshafen. Mit Blick auf die geschätzten 19.000 Besucher zieht Altindasoglu ein positives Fazit für die Festtage. „Alles lief reibungslos, trotz des Wahltags in der Türkei gab es keine Vorkommnisse“, sagte er gestern im RHEINPFALZ-Gespräch.