Ludwigshafen Deutlich mehr Ladendiebstähle
Peter Traub, Leiter der Polizeidirektion, sagt mit Blick auf die Stadt: „Es gibt keinen örtlichen Schwerpunkt bei der Kriminalität.“ Und dennoch spielt der Berliner Platz mit seiner Umgebung eine besondere Rolle. Die Zahlen zeigen laut Traub, dass die starke Präsenz im Vorjahr die gewünschte Wirkung hatte: Die Anzahl der Delikte ist von 466 im Jahr 2017 auf 353 (2018) zurückgegangen. Er verstehe die Sorgen der Bevölkerung, sagt Traub. Klar sei aber auch: „Nur gut zwei Prozent der Kriminalität in Ludwigshafen findet am Berliner Platz statt.“ Trotz der Zahlen halte er es für richtig, dass die Polizei einen Schwerpunkt auf den zentralen Platz mit über 40.000 Passanten täglich lege: „Die Präsenz halten wir hoch. Es geht um das Sicherheitsbedürfnis der Bürger.“ Generell gelte jedoch: „Der Berliner Platz ist kein besonderer Kriminalitätsschwerpunkt.“ Sind Polizisten auch Opfer? In 116 Fällen sind insgesamt 325 Polizisten im Vorjahr bei der Arbeit selbst das Opfer von Straftaten geworden (2017: 114 Fälle). Traub findet die Zahlen traurig. Positiv sei aber, dass es keinen größeren Anstieg mehr gebe und im Vergleich zu 2017 nicht mehr so viele Kollegen schwer verletzt worden seien. Im Vorjahr hat es nur einen Polizisten heftiger erwischt, sodass er wochenlang nicht arbeiten konnte. Der Mann sollte bei einem Einsatz im Hemshof helfen. Doch die dortige Befragung, wer eine Sachbeschädigung zu verantworten hat, eskalierte: Zwei der drei Befragten mussten gefesselt werden. Einer wehrte sich so heftig, dass gleich fünf Polizisten anpackten – und einer erlitt dabei einen Mittelhandbruch, erläutert Seyda Togan von der Führungsgruppe. „Es sind meist Routinesachen, die eskalieren“, sagt Traub. Daher sei die Ausstattung mit Bodycams und Tasern wichtig: „Sie wirken sich positiv aus und helfen, zumindest die schweren Folgen für die Kollegen zu reduzieren.“ Welche Rolle spielen Flüchtlinge? Von den insgesamt 16.528 Straftaten in Ludwigshafen gingen 1002 auf das Konto von Zuwanderern (6,09 Prozent). Peter Traub weist den Vorwurf, die Polizei beschönige hier die Zahlen, entschieden zurück. In Ludwigshafen habe es einen Anstieg gegeben, denn 2017 wurden 855 Straftaten gezählt. Allerdings lenkt der Polizist den Blick gleich auf die Art der Delikte. Der Anstieg der Fälle gehe zum einen auf eine deutliches Plus beim Diebstahl (etwa Ladendiebstahl) zurück: 2018 gab es 204 Fälle, 39 mehr als im Vorjahr. Zum anderen gibt es einen Anstieg bei den Rauschgiftdelikten. Hier gab es im Vorjahr 101 Fälle, 2017 waren es 53. Auch hier präzisiert Traub: „Es primär um den Besitz von kleineren Mengen Cannabis und nicht um größere Rauschgiftgeschäfte.“ Ein Plus von 71 Fällen auf jetzt 270 gab es zudem bei Körperverletzungen. Die meisten dieser Fälle habe es jedoch unter Flüchtlingen gegeben. Traub sieht keinen Grund, alarmiert zu sein, bilanziert die Zahlen so: „Die Kriminalitätsbelastung ist bei Zuwanderern ein Stückchen höher.“ Gab es Tötungsdelikte? Laut Katrin Luckenbach, Leiterin der Kriminalinspektion, gab es vier Fälle im vergangenen Jahr – zwei weniger als 2017. Es sei bei allen aber bei Versuchen geblieben, kein Opfer sei gestorben. In drei der vier Fälle seien Zuwanderer Täter gewesen. Bei zwei Fällen habe es sich um Beziehungstaten gehandelt. Bei einem weiteren Fall seien Zuwanderer untereinander in Streit geraten. Wichtig für die Ermittler: Alle Taten wurden aufgeklärt. Was fällt besonders auf? Jörg Haßler, Leiter des Gemeinsamen Sachgebiets Jugend, hält einen Blick auf die Rohheitsdelikte (etwa Körperverletzung) für wichtig. Hier gab es einen Rückgang von 3283 (2017) auf 3242 (2018) Fälle. „Man kann also nicht sagen, dass in Ludwigshafen alles schlimmer wird“, so Haßler. Traub sagt zu den Gesamtzahlen: „Es hat sich wenig geändert.“ Die Anzahl der Straftaten (16.528) sei zwar um 2,55 Prozent gestiegen, allerdings sei auch die Bevölkerungszahl um 1,1 Prozent gewachsen. Wichtig sei: Die Aufklärungsquote liegt weiterhin über 60 Prozent. Die Gruppe „Einfache Diebstähle“, also Ladendiebstähle, bilde mit über 20 Prozent den größten Anteil an der Kriminalität, und der Anstieg hier (plus 284 auf 1203) erkläre die Gesamtsteigerung. Die aktuellen Fallzahlen liegen weit unter denen des Zeitraums 2011 bis 2015. „Ludwigshafen ist nach Mainz das zweitsicherste Oberzentrum in Rheinland-Pfalz“, unterstreicht Traub. Wo gab es Erfolge? Laut Jörg Haßler konnte eine Ermittlergruppe am Danziger Platz/Messplatz eine Gruppe stellen, die dort mit Drogen gehandelt hat. Zur Gruppe gehörten acht 17- bis 24-Jährige. Die zwei Haupttäter (17 und 18 Jahre) seien aus dem Stadtteil Nord und befänden sich in Haft. Hier habe sich das Haus des Jugendrechts und dessen Ermittlungsansätze ausgezahlt. „Wir kannten die Jugendlichen schon gut“, sagt Haßler. Dass beim Thema Rauschgift nun 972 Fälle und damit 149 mehr als in 2017 gezählt wurden, liege auch an verstärkten Kontrollen der Polizei. Überwiegend gehe es dabei um den Besitz kleinerer Mengen.