Laufen RHEINPFALZ Plus Artikel Der zweifache Berglauf-Europameister Lennart Nies über die Erfolge

Lennart Nies liebt Bergläufe, kommt aber aus Mutterstadt und Ludwigshafen, einer doch eher flachen Region.
Lennart Nies liebt Bergläufe, kommt aber aus Mutterstadt und Ludwigshafen, einer doch eher flachen Region.

Lennart Nies gewinnt bei der Berglauf-EM in Frankreich zweimal die Silbermedaille. Der gebürtige Mutterstadter und nun in Ludwigshafen lebende Unternehmer erzählt Jochen Willner, warum er Berge hochsprintet und welche Rolle Kuchen dabei spielen.

Herr Nies, herzlichen Glückwunsch. Mit dem Gewinn von zwei Silbermedaillen bei den Senioren-Berglauf-Europameisterschaften in Chamonix La Feclaz ist Ihnen am Freitag der bisher größte sportliche Erfolg gelungen?
Ich kann es eigentlich noch nicht fassen. Ich kam am Freitag als Vierter in 50:14 Minuten im Gesamteinlauf ins Ziel. Als ich dann erfuhr, dass ich hinter zwei Franzosen und einem Schweizer noch bester Deutscher und auch Silber bei den M35 hatte, war ich absolut happy. So etwas macht man nicht jeden Tag. Es war sehr hart, aber eine sehr schöne Strecke hoch. Und dann noch Silber mit der Mannschaft.

Das macht Lust auf mehr…
Na klar. Die Berglauf-EM war für mich ein Traum in diesem Jahr. Dass es dann so erfolgreich lief, damit konnte ich nicht rechnen. Im nächsten Jahr ist die EM in der Schweiz. Da kann ich mir vorstellen, wieder dabei zu sein.

Wollen Sie weiter mit dem Adler auf der Brust starten?
Ich hätte nichts dagegen, aber ich werde mich deshalb nicht auf den Berglauf spezialisieren, sondern den gesunden Mix wahren. Damit bin ich bisher sehr gut vorangekommen.

Aber die EM-Silbermedaille bekommt einen Ehrenplatz?
Definitiv. Das ist neben DM-Silber im Marathon schon etwas Besonderes.

Wie kam es zur Nominierung?
Eine offizielle Nominierung gab es nicht, da es, anders als bei den Berglaufkadern des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), im Masters-Bereich (ab 35 Jahren) keine Nationalmannschaft gibt. Man benötigt einen Startpass, nimmt bei Interesse mit dem DLV Kontakt auf und erhält dort ein Trikot. So war es auch bei mir.

Gab es eine spezielle Vorbereitung?
Ganz speziell eigentlich nicht. Ich habe lediglich versucht, fleißig Höhenmeter zu sammeln und einige Intervalle am Berg zu machen.

Mit welchen Erwartungen sind Sie nach Frankreich gefahren?
Ich hatte keine Erwartungen. Ich wollte einfach die Atmosphäre bei dieser besonderen Veranstaltung genießen und habe mich gefreut, dass mein Traum, im Nationaltrikot an den Start gehen zu dürfen, sich endlich erfüllt. Ich konnte die internationale Konkurrenz zuvor nicht einschätzen, trotzdem hatte ich mir vorgenommen, unter den deutschen Startern eine der schnellsten Zeiten zu laufen. Das ist mir auch gelungen.

Sie wohnen in Ludwigshafen, stammen aus Mutterstadt. Wie fanden Sie ihre Liebe zum Berglaufen?
Es hat mich schon immer in meiner Freizeit in die Berge gezogen. Bergläufe bieten die Möglichkeit, das Laufen mit der besonderen Kulisse von Mittel- und Hochgebirgen zu verbinden. Vor einigen Jahren bin ich auf die Läufe in Bad Dürkheim und an der Kalmit aufmerksam geworden. Seitdem bin ich Wiederholungstäter.

Worin liegt der besondere Reiz?
Ich mag es ganz allgemein am Laufsport, dass alle unabhängig von Alter und Tempo in einem Lauf starten. Beim Berglauf teilt man nicht nur das Ziel, zu finishen, sondern auch, gemeinsam den Berg zu bezwingen. Nach meiner Erfahrung ist die Atmosphäre bei Bergläufen freundschaftlich. Wenn wir beim Donnersberglauf im Februar durch den Schnee oder in Bad Dürkheim und an der Kalmit durch den schönen Pfälzer Herbstwald laufen, zehre ich noch wochenlang von den Eindrücken. Das war auch bei meinen Starts 2019 im Schwarzwald so. Nicht zu vergessen sind die sensationellen Kuchenbuffets, die nach erfolgreichem Gipfelsturm in den Turnhallen und Gemeindehäusern auf uns Läufer warten.

Ist es nicht aufwendig, in bergige Regionen zum Training zu fahren?
Ich komme nur selten dazu, spezifisch im bergigen Gelände zu trainieren. Wenn, dann an der Haardt mit Laufkollegen vom TV Maikammer oder wenn es sich auf einer meiner beruflichen Reisen verbinden lässt.

Sie sind bei den Läufen in der Region vorne dabei. Wie geht es nun weiter?
Nach dem Frühjahr, in dem ich mir mit meinem ersten Marathonsieg in Kandel, den guten Ergebnissen an der Weinstraße und in Heidelberg sowie dem Start in Boston Träume erfüllte, würde ich gerne im Herbst dort anknüpfen. Ich möchte bei den Marathons in Berlin und New York starten und dazwischen am Pfälzer Berglaufpokal auch im Team teilnehmen.

Zur Person

Lennart Nies

Lennart Nies ist 35 Jahre alt und ledig. Er stammt aus Mutterstadt und lebt inzwischen in Ludwigshafen. Der Diplom-Betriebswirt, der an der Universität Mannheim, Wirtschaftswissenschaften studierte, ist Mitbegründer und Geschäftsführer des Unternehmens Patient1st Consult, das seinen Schwerpunkt auf medizinischen Innovationen, unter anderem mit Fokus auf künstliche Intelligenz hat. Nies’ Schwerpunkt ist die IT der Herz- und Gefäßmedizin. Derzeit spielt Nies noch aktiv Tennis bei seinem Heimatverein, dem TC Mutterstadt, wo er auch dritter Vorsitzender ist. Er war zudem politisch als Fraktionssprecher der SPD im Gemeinderat Mutterstadt tätig. Nies ist deutscher Vize-Meister 2021 über die Marathon-Distanz der AK 35. Seine Bestzeiten: 10 km (32:57), Halbmarathon (1:10:14 Stunden) und Marathon (2:28:30 Stunden).

Zweiter hinter Frankreich wurde das deutsche Team mit Marcel Job, Florian Schlindwein und Lennart Nies (von links).
Zweiter hinter Frankreich wurde das deutsche Team mit Marcel Job, Florian Schlindwein und Lennart Nies (von links).
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