Ludwigshafen Der zerbrechliche Körper

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Schifferstadt. „Fragile art“ ist die Ausstellung von Hiltrud Martha Kissel im Alten Rathaus in Schifferstadt betitelt. Fragil wirken die Körper auf den Öl-, Acryl- und Kreidebildern, die Kissel zeigt. Sie strahlen dabei aber auch Stärke aus. Auch in ihren Skulpturen findet sich manchmal dieser Kontrast zwischen Zerbrechlichkeit und Stärke.

Generell besteht eine Verbindung zwischen Bildern und Skulpturen und Hiltrud Martha Kissel hat versucht, dies auch in der Gestaltung der Ausstellung zum Ausdruck zu bringen, auch wenn es vielleicht nicht jedem gleich auffällt. Kissel, die in Köln als Theaterregisseurin lebt und arbeitet, hat erst vor einigen Jahren angefangen zu malen und Skulpturen zu gestalten, dies überwiegend in Haßloch, ein Ort, zu dem sie familiäre Verbindungen hat. Von Beginn an war der menschliche Körper ein wesentliches Thema ihrer Arbeiten. Vor allem auf den älteren Bildern sind Silhouetten von Körpern zu sehen, man ahnt, dass es Frauenkörper sind, aber es wird nicht unbedingt deutlich. Auf den neueren Bildern bleiben die Körper Silhouetten, doch es sind weitaus deutlicher weibliche Formen zu erkennen. Zerbrechlichkeit geht von diesen Körpern aus, manchmal hat man den Eindruck von Leid, von inneren Kämpfen, aber immer ist auch ein Ausdruck von Stärke und Kraft dabei. Körper und Silhouetten zeigen auch Kissels Skulpturen. Allerdings meist nicht so deutlich und gegenständlich wie bei den Bildern, sondern häufig eher in abstrakter Form. Viele der Skulpturen sind aus Altmaterialien wie Edelstahl, Stahl oder Holz entstanden, das von alten Häusern oder Schrottplätzen stammt. Erst bei ihren neueren Arbeiten verwendet Kissel auch andere Materialien wie Gips. Stark abstrahiert ist die menschliche Figur in einigen dieser Skulpturen, etwa bei einer „Madonna“ aus Edelstahl, bei der die gebogenen Formen die Umrisse eines menschlichen Körpers nur erahnen lassen. Auch die Skulpturen erscheinen oft schmal und zerbrechlich, etwa ein „Engel“ aus Edelstahl. Doch gibt es auch andere Beispiele. So wirken die Figuren in neueren Arbeiten, etwa eine „Madame“ aus Gips, sehr kräftig, fast schon plump, und man hat den Eindruck, dass Kissel dieser Madame nicht allzu wohl gesonnen ist. Auch die Skulpturen geben häufig Empfindungen wieder, drücken Befindlichkeiten aus, stellen manchmal Fragen. Letzteres gilt besonders für eine eher ungewöhnliche Arbeit. Es ist eine kleine Gipsfigur, die auf einem wüst wirkenden Untergrund aus Gips steht und mit einer Gipsbinde komplett verhüllt ist. Nur der Bereich, wo normalerweise die Augen sind, ist ausgespart. Befestigt ist die Gipsbinde mit sogenannten Schwiegermüttern, Klammern zum Befestigen von Verbänden. Die Skulptur mit dem Titel „und jetzt?“ soll zum Nachdenken anregen, stellt Fragen, gibt aber keine Antworten. Eine gelungene, sehr aussagekräftig wirkende Verbindung von Malerei und Skulptur ist die Arbeit „Mutter und Kind“. Auf einem Holzbrett hat Kissel mit Öl und Kreide die Silhouette eines Frauenkörpers gestaltet. An eine Art Setzkasten erinnern zwei neuere Bilder von Hiltrud Martha Kissel, die sich deutlich von den anderen unterscheiden. „Oh happy day“ ist der Titel einer dieser Arbeiten, bei der Kissel in einem Styroporkasten allerlei Plastikmaterialen arrangiert hat und auch hier findet sich wieder die menschliche Silhouette. Noch Fragen? Die Ausstellung im Alten Rathaus in Schifferstadt ist bis 9. Oktober, samstags von 16 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 12 Uhr sowie von 15 bis 18 Uhr geöffnet. |ann

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