Ludwigshafen Der Starmacher
Ludwigshafen. Die Zeiten, als Hans-Jürgen Bott nachts den Wecker stellte, um Schwimmwettbewerbe im Fernsehen zu verfolgen, sind lange vorbei. Heute ist Bott Vollblutpolitiker, sitzt für die SPD im Stadtrat. Vor vielen Jahren war er auch Trainer des Olympioniken Peter Lang und des Triathlonstars Lothar Leder.
Es gibt eine Ära, in der Bott vor allem eines war: Schwimmer und erfolgreicher Trainer. Rund 400 Athleten hatte der Ludwigshafener unter seinen Fittichen, sie geformt und zu unzähligen nationalen und internationalen Titeln geführt. Sein persönliches Aushängeschild war seinerzeit Peter Lang, der zweifache Olympiateilnehmer von Montreal und Los Angeles. Unter Bott trainierte Lang von 1974 bis 1979, belegte bei Olympia 1976 Platz neun über 100 Meter Brust und Rang 14 über 200 Meter Brust. Drei Jahre später standen zusätzlich ein deutscher Rekord über 50 Meter Brust, ein Weltcup-Sieg über 100 Meter Brust und ein Titel bei den Militär-Weltmeisterschaften über die doppelt so lange Distanz zu Buche. Das Riesen-Talent Lang war seinerzeit fit, richtig fit sogar. Doch dann kam der Olympia-Boykott von Moskau. Bott ist überzeugt, Lang hätte damals etwas reißen können. „Er war top drauf, hätte vielleicht sogar Gold holen können“, meint der 64-Jährige rückblickend. Lang, der nach Ansicht von Bott „Weltrekordpotenzial“ gehabt habe, wechselte an den Leistungsstützpunkt der Max-Ritter-Schule nach Saarbrücken, später dann nach Darmstadt und qualifizierte sich 1984 nochmals für die Olympischen Spiele. Als einige gute Schwimmer aus Worms 1988 nach Ludwigshafen wechselten, war auch ein gewisser Lothar Leder darunter. Leder kam regelmäßig ins Training, fiel nie groß auf. „Ein bescheidener, ruhiger Schwimmer, der hart trainierte, aber es nie in die erste Mannschaft bei uns geschafft hat“, erzählt Bott. Wenn allerdings Trockentraining auf dem Programm stand, dann trumpfte Leder auf. Im Zehn-Kilometer-Lauf oder beim Krafttraining machte ihm so schnell niemand etwas vor. „Da hat man dann schon gesehen, wo sein Talent liegt“, sagt der Ludwigshafener mit seiner tiefen, sonoren Stimme. Einen Namen machte sich Leder aber nicht als Schwimmer, sondern als Triathlet. Er gewann zahlreiche Langdistanzen, war 1996 der erste Mensch, der beim Ironman in Roth in 7:57 Stunden die magische Acht-Stunden-Marke unterbot. Die Schwimmgemeinschaft LuFra – ein Zusammenschluss der beiden Vereine Ludwigshafener Schwimmverein 07 und Frankenthaler Schwimmverein – war seinerzeit unglaublich stark, brachte einen Top-Schwimmer nach dem anderen hervor. Vor allem im Nachwuchsbereich war die SG LuFra eine Hausnummer. Zwar löste sich die Schwimmgemeinschaft zwischenzeitlich auf, doch wurde sie 1988 wiedergegründet und knüpfte an alte Erfolge an. Namen, wie beispielsweise Ralph Sutschek oder Carmen Schemenauer sorgten auf der internationalen Bühne für positive Schlagzeilen. Auch Brigitte Prass, die aus Rumänien nach Deutschland übersiedelte, 1980 in Moskau noch im B-Finale stand, heute als Zahnärztin in Ludwigshafen arbeitet, gehörte später zur Trainingsgruppe von Hans-Jürgen Bott. Der 64-Jährige war ein „Verrückter“, ins Schwimmen vernarrt. Das Privatleben – Bott ist verheiratet und Vater eines Sohnes – blieb in seiner Zeit als Trainer häufig auf der Strecke. Kam er von der Arbeit nach Hause, saßen schon die ersten Schwimmer auf der Couch und warteten, von ihrem Trainer mit ins Schwimmbad genommen zu werden. 1988 war er allein an 38 Wochenenden unterwegs. Kein Weg war ihm zu weit, um seinen Schützlingen optimale Bedingungen zu bieten. Weil Ludwigshafen nicht über ein 50 Meter Becken in der Halle verfügt, ging es im Training auch schon mal ins Fächerbad nach Karlsruhe. „Von solchen Bedingungen, wie am Olympiastützpunkt in Heidelberg konnten wir nur träumen“, unterstreicht Bott, der sich als knallharten Trainer bezeichnet. Eine Bahn nach der anderen wurde heruntergespult. Acht Kilometer in zwei Stunden, Trainingsprogramme, wie 4x200 Meter in Kombination mit 8x800 Meter waren keine Seltenheit. Vor allem auf die Technik legte Bott Wert. „Unsere Schwimmer sind technisch immer sehr, sehr sauber geschwommen.“ Bott war als Trainer ein akribischer Arbeiter, studierte eifrig Fachliteratur. In Papierform und auf der Festplatte hat er alle Erfolge seiner Schützlinge festgehalten. Selbst sei er ein fauler Schwimmer gewesen, meint er augenzwinkernd. Bott lernte er im Alter von 13 Jahren überhaupt erst schwimmen. Nur drei Jahre später wurde er bereits südwestdeutscher Meister über 200 Meter Lagen. Mit Anfang 20 übernahm er die A-Mannschaft der Ludwigshafener, wurde später auch noch Verbandstrainer des Südwestdeutschen Schwimmverbandes und Leiter des Olympia-D-Kaders. Eine außerordentlich erfolgreiche Trainerkarriere nahm ihren Lauf. Irgendwann reifte der Wunsch, sich gesellschaftspolitisch zu engagieren. Inzwischen ist aus dem Schwimmtrainer Bott längst der Politiker Bott mit zahlreichen Funktionen geworden. Und sein Terminkalender ist ähnlich voll wie damals, als er noch Schwimmcoach war.