Ludwigshafen Der schwäbische Helge Schneider

Schon komische Situation: Teddy Teclebrhan in Mannheim.
Schon komische Situation: Teddy Teclebrhan in Mannheim.

Er ist ein Schwabe aus Eritrea, eine ungewöhnliche Kombination. Tedros „Teddy“ Teclebrhan, geboren in der eritreischen Hauptstadt Asmara und aufgewachsen in Tübingen, ist Comedian, Schauspieler, Musiker und aktiver YouTuber. Mit seiner „Teddy Show: Ds passiert alles in dein Birne!“ gastierte er nun in der Mannheimer SAP-Arena.

Die Karriere des heute 34-Jährigen startete 2009, als er im Kölner Musical Dome in „Hairspray“ sang und in der SWR-Vorabendserie „Laible und Frisch“ einen schwäbelnden Tankwart gab. Besondere Popularität gewann der ausgebildete Schauspieler zwei Jahre später mit seinem vielgeklickten YouTube-Video „Umfrage zum Integrationstest (was nicht gesendet wurde)“. Der satirische Clip, in dem Teddy mit Glatze und auffällig blondiertem Schnauzbart als unbedarfter afrikanischer Immigrant auftrat, begründete seinen Erfolg als Comedian. Im Jahr darauf folgte sein erstes Bühnenprogramm „Was labersch du ...?!“ Mit „Ds passiert alles in dein Birne!“ ist Teddy seit 2017 auf Tour. Die Show beginnt mit einem kurzen Einspielfilm, in dem Teddy seinem Psychiater erklärt, er höre Stimmen und sehe Menschen. Was er so wahrnimmt „in sein’ Birne“, sind die verschiedenen Persönlichkeiten, die in ihm stecken, die Rollen, die er spielt. Solche kurzen Filmsequenzen strukturieren das Programm und bringen immer wieder neue Figuren ins Spiel, die anschließend leibhaftig auf der Bühne erscheinen: der glatzköpfige Antoine Burtz, der tanzende Percy, Sänger Lohan Cohan, Ausländerfeind Ernst Riedler und der rastagelockte Caterer Guido. Bei aller Verschiedenheit sind es samt und sonders selbstbezogene, eitle und irgendwie ziellos hyperaktive Charaktere, die auf unterschiedliche Weise nuscheln, lispeln, die Sprache bis zur Unverständlichkeit verkürzend und grammatikalisch sonderbar in einer letztlich unvergleichlichen Mischung aus Ghettoslang und Schwäbisch daherreden. Besonders darüber, was sie alles draufhaben und was sie täten, wenn man sie doch nur ließe. Freilich viel besser noch als in seinem YouTube-Kanal „Teddy Show“ kommen live Teclebrhans mitreißende Musikalität in Gesang und Tanz, seine Spontaneität und sein bewundernswertes Improvisations-Talent zur Geltung. Immer wieder interagiert er mit den Zuschauern und dem Hallenpersonal. Eine fünfköpfige Live-Band begleitet Teddy, wenn er soulig Lionel Richies „All night long“ intoniert, den Schmachtfetzen dabei immer wieder gekonnt dekonstruiert und neu aufbaut, wie es sonst nur Helge Schneider versteht. Schließlich gipfelt die Musik in dem veritablen Anti-Hit „Flieg, klein Wellensittich“, der in der SAP-Arena geradezu zelebriert wird, und mit einem Nonsens-Text wieder à la Schneider und theatralischer Intonation das Pathos zahlloser deutscher Pop-Songs ironisiert und am Ende schlüssig in eine große Herbert-Grönemeyer-Parodie mündet. An einer Stelle im Laufe des Abends, in seiner Rolle als spießbürgerlicher, fremdenfeindlicher Schwabe Ernst Riedler, formuliert Teddy Teclebrhan, was man als Zuschauer während der gesamten bestens unterhaltenden Show beständig zu sich selbst sagt: „Schon komische Situation. Weiß man nicht, ob man lachen, weinen oder die Polizei rufen soll.“

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