Interview
Der neue Eulen-Geschäftsführer über einen Hallen-Neubau und einen Schlüsselspieler
Herr Marinese, sind Sie gut gelandet im Eulen-Nest? Wie war der Start?
Sehr intensiv. Ich habe viele Gespräche mit meinem Team geführt, um auszuloten, wer welche Ziele hat und wo die Arbeitsschwerpunkte liegen.
Ihr erster Eindruck?
Ich habe ein sehr motiviertes Team erlebt, darunter zahlreiche junge Leute, die richtig Bock haben, die Eulen voranzubringen. Alle sind mit ganzem Herzen dabei. Es gab auch einen ersten Austausch mit Trainer Johannes Wohlrab, seinem Stab sowie der Mannschaft. Es war mir wichtig, mich den Jungs zu zeigen. Das war locker und zugewandt. Die Chemie stimmt.
Platz 13, nur zwei Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz: Sportlich ist die Ausgangslage schwierig.
Absolut. Die Mannschaft hat nach richtig starken Phasen im Laufe vieler Spiele oft den Faden verloren. In zahlreichen Partien lief es bis zur 40. Minute gut bis sehr gut. Daran müssen wir anknüpfen. Hinzu kam das Verletzungspech, der Ausfall von Schlüsselspielern. Gerade ein Mex Raguse, unser bester Torschütze und unser bester Torvorbereiter, war im Rückraum kaum zu ersetzen.
Sein Vertrag läuft aus. Wird der 25-Jährige zu halten sein?
Keine Frage: Es wird schwer werden, Mex zu halten. Das hängt vermutlich auch davon ab, wann er nach seiner Innenbandverletzung wieder auf der Platte stehen kann und wie er das wegsteckt. Danach muss man offen und ehrlich miteinander kommunizieren, wie es weitergeht. Unser Wunsch ist natürlich, ihn langfristig zu binden. Er bringt eine unglaubliche Wucht mit. Mit ihm ist die Mannschaft viel schwerer auszurechnen. Er ist ein Top-Mann mit Erstliga-Format und auch charakterlich ein super Typ.
Nicht so super sind die Bedingungen in der 60 Jahre alten Eberthalle. Es gibt zwar ein Bekenntnis der Stadt zu dem Sanierungsfall, aber für Profi-Handball taugt die Halle eigentlich nicht. Wie sehen Sie die Zukunft der Halle?
Da hängt extrem viel von der Oberbürgermeisterwahl im September ab.
Inwiefern?
Danach wird sich zeigen, wohin die Reise politisch geht und welche Chancen sich auftun. Mit dem neuen Stadtoberhaupt will ich schnell ins Gespräch kommen. Die Stimmung in der Halle ist fast immer fantastisch, aber die Zuschauerkapazität ist begrenzt, die Infrastruktur schwierig, die Anforderungen an Profi-Handball steigen. Die scheidende Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck hat mir aber versichert, dass die Eulen weiter eine wichtige Rolle für die Stadt Ludwigshafen spielen werden.
Was schwebt Ihnen vor: ein Neubau oder eine umfassende Sanierung?
Grundsätzlich spricht alles für einen Neubau. Das Beispiel des Heidelberger Basketball-Bundesligisten MLP Academics zeigt, welche Wucht und Euphorie eine neue Halle wie der SNP Dome entfalten kann. Prinzipiell sollte man das auch hier anstreben.
Sie kennen die finanzielle Lage der Stadt. Ohne Großsponsor läuft nichts.
Das ist richtig. In den ersten Gesprächen habe ich aber schon herausgehört, dass sich in diese Richtung etwas entwickeln könnte.
Sie machen mich neugierig. Was konkret meinen Sie?
Dazu kann ich aktuell nichts sagen.
Schade. Dann verraten Sie mir, wie Sie die Vermarktung der Eulen ankurbeln wollen. Ohne höheren Etat wird’s extrem schwierig, oben mitzumischen. Sie sprachen von einer Vielzahl neuer Ideen. Nennen Sie mal eine.
Zum Beispiel eine Art Speeddating für unsere Partner.
Was soll das bringen?
Das Problem ist, dass viele zwar wissen, dass es den Eulen-Partner x oder y in unserem Netzwerk gibt, aber man dazu kein Gesicht hat. Das ließe sich durch solche Treffen ändern. Das hilft in der Vermarktung. Die bestehende Plattform für Sponsoren, auf der man sich bereits austauschen kann, reicht nicht. Ein weiterer Ansatz sind Sponsorenabende. In der Vergangenheit ist daraus zu wenig Mehrwert entstanden. Neben einer perfekten Saison braucht man die nötigen Mittel, um weiter Gas zu geben.
Wie hoch ist der Jahresetat aktuell und wo soll’s hingegen?
Über diese Zahlen spreche ich nicht.
Die letzten Monate mit mehreren Abgängen waren durchaus turbulent. Haben Sie noch Kontakt zu Ihrer Vorgängerin Lisa Heßler?
Das letzte Mal, als wir uns ausgetauscht haben, das war in der Phase, als bekannt wurde, dass sich Lisa Heßler beruflich verändern will. Danach gab es keinen Kontakt mehr. Vielleicht ergibt sich das in der Zukunft, wenn etwas Gras über die Sache gewachsen ist. Ich hatte zu ihr immer ein sehr gutes und enges Verhältnis. Momentan gibt es für mich wenig Redebedarf.
Sie waren in der freien Wirtschaft bei Bilfinger und im Profifußball beim SV Waldhof tätig. Was nehmen Sie von diesen Stationen mit?
Ich habe vor allem bei Bilfinger infolge einer großen Umstrukturierung sehr viel im Bereich Menschenführung gelernt. Neben dem Thema Kommunikation ist das meine Stärke. Gerade beim Sponsoring geht’s darum, Vertrauen zu schaffen, seriös zu arbeiten und einen Weg aufzuzeigen, den die Eulen einschlagen wollen.
Daran hat es in der jüngsten Vergangenheit gehapert. Ohne konkretes Saisonziel zu starten, das halte ich für einen Fehler. Wie sehen Sie das?
Ich sehe das ähnlich. Darüber habe ich bereits mit dem Trainer gesprochen. In dieser Saison kann das Ziel nur lauten, über dem Strich zu bleiben. Aber wenn der Kader fürs kommende Jahr steht, werden wir ein klares Ziel definieren.
Hatten Sie in den vergangenen Tagen Zeit, die Handball-WM zu verfolgen?
Die letzten beiden deutschen Spiele gegen die Schweiz und Tschechien habe ich tatsächlich gesehen. Nach gewissen Anlaufproblemen und Top-Torhüterleistungen hat die Mannschaft das jeweils klasse gemacht.
Jetzt wartet der haushohe Favorit Dänemark. Hat die deutsche Mannschaft da den Hauch einer Chance?
Ich glaube, nein. Man hat bereits beim Olympia-Finale gesehen, wie groß der Leistungsunterschied noch ist. Andererseits ist im Handball an einem besonderen Tag alles möglich.
Wer holt letztlich den WM-Titel?
Dänemark.
Wer wird Zweitliga-Meister?
Minden.
Wo landen am Ende die Eulen?
Im sicheren Mittelfeld, Platz zehn.
Zur Person
Domenico Marinese – 1,82 Meter groß, 83 Kilo schwer – ist am 25. August 1985 in Mannheim geboren. Als Geschäftsführer der Eulen folgt er auf Lisa Heßler (35). Von 2005 bis 2015 war Marinese Verwaltungskoordinator beim Catering-Unternehmen „Eurest Sports & Food“, bis 2020 Pressesprecher des aktuellen Fußball-Drittligisten SV Waldhof Mannheim, bis 2025 im Kommunikationsbereich beim Mannheimer Industriedienstleister Bilfinger tätig. Er hat einen Bachelor-Abschluss in Angewandter Medienwirtschaft, Schwerpunkt Medien-, Sport- und Eventmanagement. Sieben Kollegen umfasst sein Mitarbeiterstab bei den Eulen. Mit seiner Partnerin Verena (37) und Sohn Luca (3) lebt Marinese in Oppau. Seine Hobbys: Zeit mit der Familie verbringen, Konzerte, Sport.
Termin
Nächstes Eulen-Heimspiel: Samstag, 15. Februar, 18 Uhr, gegen Schlusslicht HSG Konstanz.