Ludwigshafen Der Muhammad Ali des VfK
«Schifferstadt.» Ja, jetzt hat auch der VfK 07 Schifferstadt seinen Muhammad Ali. Nein, genauso geschrieben wie die Boxlegende wird er zwar nicht, aber fast. Ali Mohammadi heißt der 17-Jährige, der vor rund zwei Jahren aus Afghanistan in die Pfalz kam – und um Asyl bat. Er hat es hier gut getroffen in der Vorderpfalz. „In meiner alten Heimat habe ich nicht gerungen, aber als ich hierher kam, habe ich zu meinem Betreuer gesagt, dass ich unbedingt ringen will“, sagte Ali Mohammadi am Samstagabend in perfektem Deutsch, nachdem er für die erste Mannschaft des VfK 07 Schifferstadt sein Debüt in der Deutschen Ringerliga gegeben hatte. So kam der junge, leichtgewichtige Mann zum VfK und lernte dort vor gerade einmal eineinhalb Jahren seine ersten Ringergriffe. Und mit Markus Scherer, dem Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles, sowie dessen ebenfalls ringendem Sohn Marvin konnte er sich kaum bessere Lehrmeister vorstellen. „Er ist sehr talentiert, von meinem Sohn Marvin hat er viel gelernt“, bestätigte auch Markus Scherer. „Er wohnt hier in der Sportschule, trainiert fast jeden Tag, geht in Ludwigshafen zur Schule, und bald beginnt seine Ausbildung.“ Markus Scherer zeichnet im Falle von Ali Mohammadi das Bild eines dank des Sports integrierten jungen Mannes. Mit seinem ersten Kampf in der Deutschen Ringerliga zeigte sich Mohammadi alles in allem zufrieden. Er hielt als 17-Jähriger in der Klasse bis 59 Kilogramm gegen einen routinierten Mann im besten Ringeralter, den 25-jährigen Ibrahim Fallacara vom KSV Ispringen, immerhin bis in die zweite Kampfhälfte durch und unterlag nach 3:30 Minuten auf Schulter. „Ich musste Gewicht machen, so drei bis vier Kilo innerhalb von ein paar Tagen“, gestand Mohammadi. In der abgelaufenen Oberliga-Saison glänzte Ali Mohammadi in der zweiten Garnitur des VfK Schifferstadt als eifrigster Punktesammler. In der 61-Kilo-Klasse im griechisch-römischen Stil stand der 17-Jährige in sieben von acht Mannschaftskämpfen auf der Matte und holte dabei fünf Siege. Vier davon waren Schultersiege, einer durch technische Überlegenheit. „Ja, dass ich hierher gekommen bin, da habe ich Glück gehabt“, betonte Mohammadi, dessen Eltern und Geschwister auch aus Afghanistan geflohen sind, allerdings jetzt im Iran leben. Aber auch der VfK hat Glück gehabt. Denn talentierte Ringer in der untersten Gewichtsklasse sind heiß begehrt. Die Premierensaison in der Deutschen Ringerliga (DRL) neigt sich dem Ende, aber auch dem Höhepunkt entgegen. Der VfK belegt nach Abschluss der Gruppenphase den ersten Platz und trifft in den beiden Finalkämpfen am 3. und 9. Februar auf Ispringen. „Die Deutsche Ringerliga ist anerkannt. Ringen hat eine Zukunft“, sagte der Präsident der DRL, Werner Koch aus Kämpfelbach. Auf der Matte sahen die Zuschauer eine hohe Qualität, Klasse statt Masse sozusagen. Für Unmut sorgten einige kurzfristige Terminänderungen. Der VfK-Heimkampf gegen Eisleben ist gar ausgefallen. Da gibt es noch Verbesserungspotenzial.