Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Der Motivator ist zurück im Team

Die Eulen bejubeln ein Tor. Mentalitätsmonster Max Haider (Nr. 14) mit der „Becker-Faust“.
Die Eulen bejubeln ein Tor. Mentalitätsmonster Max Haider (Nr. 14) mit der »Becker-Faust«.

Mit dem 31:31 (13:15) gegen Dessau-Roßlau hat Zweitligist Eulen Ludwigshafen den ersten Punktgewinn seit über vier Wochen gefeiert. Daran hatte ein Akteur Anteil, der in den vergangenen Partien schmerzlich vermisst wurde.

Nach zehn Spielen ohne Einsatz war es am Dienstagabend wieder so weit. Bei der Heimpremiere des neuen Trainers Michael Abt gegen Dessau-Roßlauer HV kehrte auch sein früherer Schützling, Kreisläufer Max Haider, wieder in den Kader zurück. Der 26-Jährige musste erst wegen Krankheit, dann wegen einer Corona-Infektion und schließlich mit massiven Rückenproblemen pausieren. Es war auch die Rückkehr von Spielmacher Jan Remmlinger und Torhüter Matej Asanin.

Als Haider in der 20. Minute für Stefan Job auf das Parkett durfte, war seine Leidenszeit beendet. Nur wenige Sekunden später verkürzte er auf 8:11. Auch nach der Pause war er direkt da, als er einen Abpraller zum 14:15 verwandelte. Mit dem gebürtigen Wiesbadener, der in München aufwuchs und mit 15 Jahren ins Internat bei den Rhein-Neckar Löwen zog, kehrte deutlich mehr Präsenz im Abwehrverbund, aber auch mehr Gefahr am gegnerischen Kreis zurück. „Das war heute super emotional. Ich hatte keine Ahnung, wo ich eingesetzt werde“, sagt der Kreisläufer. Er war aber auch erleichtert. „Die letzten Wochen waren nicht einfach, ich konnte der Mannschaft nicht helfen. Weder sportlich, noch mental. Das war für mich nicht einfach“, erklärt Haider.

Der Kreisläufer gehört zu den älteren Akteuren bei den Eulen, er ist Vizekapitän und Mentor für viele seiner Kameraden. Haider ist ein intelligenter Mann, der in Rekordzeit seinen Bachelor in Betriebswirtschaftslehre schaffte. Dazu hat er den Master in Business Management, Schwerpunkt Verkauf, absolviert. Im Oktober 2019 war er mit allem fertig. Da war Haider gerade mal 23 Jahre alt. Für den Modellathleten – 1,97 Meter Körpergröße und 110 Kilo Muskelmasse – ist sein Körper zwar ein wichtiger Baustein, doch der Geist ist noch elementarer. „Es ist wichtig, noch etwas für den Kopf zu tun“, betont Haider. Deshalb hat er sich im Coaching fortgebildet. Er beschäftigt sich mit Rollen- und Persönlichkeitsbildern, besitzt aber auch ein feines Gespür für Stimmungslagen. Deshalb wollte er auch wieder nah an der Mannschaft sein. Darüber freute sich auch Trainer Abt: „Ich bin seit einer Woche bei einer Truppe, die toll trainiert, die eine gute Stimmung hat. Es fehlt das Erfolgserlebnis. Max Haider haut sich voll rein.“ Er kennt ihn aus gemeinsamen Zeiten bei den Rhein-Neckar Löwen.

Konzentration ist wichtig

Haider ist einer, der seinen Kameraden stets behilflich ist. Denn er weiß, dass die sportliche Leistung allein nicht ausreicht, um Erfolg zu haben. „Wir können alle Handball spielen und müssen das nicht neu erfinden“, sagt Haider. Das Schlimmste sei gewesen, das Team mental nicht unterstützen zu können. Das kann er nun – und noch viel mehr. Der 26-Jährige gilt als Mentalitätsmonster. Gerade in der aktuellen Situation sieht er sich in der Verantwortung. In Einzelgesprächen mit seinen Kameraden unterstützt er die Arbeit von Mentaltrainerin Hanna Gerber. Wichtig sei die Konzentration auf das Wesentliche. Das ist auch für die letzten beiden Spiele am Freitag gegen Rostock und in Emsdetten notwendig.

Die Devise heißt: „Wir dürfen jetzt keine negativen Gedanken aufkommen lassen. Jeder Punkt ist wichtig, jeder Punkt tut gut. Es tut weh, weil sich das Remis wie eine Niederlage anfühlt“, sagt Stefan Salger, der 153 Saisontore auf dem Konto hat. Sein Blick ist auf Freitag gerichtet: „Man muss kämpfen, man muss beißen. Abstiegskampf tut weh“, ergänzt Salger. „Bei drei Toren Vorsprung wurde der Arm beim Wurf noch ein bisschen zittriger“, erklärt Haider den ein oder anderen Fehlversuch. Die Spielvorbereitung des Trainers stellt er aber heraus: „Michel macht das unfassbar gut. Da kann man nur den Hut ziehen.“

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