Das spontane Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Der Mediziner Michael Kudlich über seine Arbeit in einer Facharztpraxis

Michael Kudlich im Gespräch mit Volker Endres.
Michael Kudlich im Gespräch mit Volker Endres.

Irgendwo in Lu sind wir jede Woche auf der Suche nach interessanten Gesprächspartnern. Am Montag haben wir am Goerdelerplatz im Hemshof den promovierten Allgemeinmediziner Michael Kudlich getroffen. Der 69-jährige Ludwigshafener lebt in Mutterstadt und will noch mindestens bis 2023 in der Facharztpraxis Lumedico praktizieren.

Ach, Herr Doktor. Gut, dass ich Sie treffe. Ich hab da so ein Problem... – Hören Sie das öfter?
Wenn ich gerade so auf dem Sprung auf der Straße bin, eigentlich nie. Da ist es jetzt nicht so, dass mich die Leute darauf anspringen. Aber wenn ich mal unterwegs bin und in geselliger Runde sitze, kann es schon mal vorkommen, dass man um Rat gefragt wird.

Sehen Sie das dann als eine Bestätigung, oder ist das so, als ob man Oliver Kahn bei einem Essen nach einem Autogramm fragt?
Das kommt immer auf die Situation an. Wenn die Situation passt, dann hat es mich auch noch nie gestört.

Die Allgemeinmediziner sind so etwas wie die Zehnkämpfer unter den Ärzten...
Das stimmt im Allgemeinem. Allerdings haben sich die meisten mittlerweile auch schon ein bisschen spezialisiert. Wir in unserer Praxis ja auch.

Wie lange machen Sie das schon?
Hier im Lumedico noch gar nicht so lange. Das sind jetzt eineinhalb Jahre. Aber ich war vorher ja lange Einzelkämpfer mit einer Praxis in Süd.

Was ist der Vorteil von so einem Facharztzentrum?
Es ist vor allem der Vorteil, dass es auch für einen jungen Kollegen attraktiv ist, wenn man die Praxis einmal abgeben möchte.

Allgemeinmediziner sind doch genau die fehlenden Landärzte. Gibt es das Phänomen denn auch schon in der Stadt?
Zumindest ist das Durchschnittsalter der Allgemeinmediziner auch in der Stadt schon ziemlich hoch. Ich glaube, dass auch hier in den nächsten Jahren einige Praxen frei werden, und Interessenten dafür gibt es wenig. Das ist ein Problem, denn der Verkauf der Praxis war bis vor ein paar Jahren die Alterssicherung der Ärzte. In dieser Hinsicht sind die Facharztzentren für Mediziner sehr attraktiv. Als Einzelkämpfer werden einige wohl einfach aufgeben.

Wir leben medizinisch in bewegten Zeiten. Wie spiegelt sich das in den Praxisbesuchen wider?
Das muss man unterscheiden. Zu Beginn im Frühjahr war in unserer Praxis deutlich weniger los. Da war bei den Patienten auch viel Unsicherheit dabei. Mittlerweile hat es sich wieder normalisiert.

Was für Ärzte sind eigentlich Virologen?
Das ist ein sehr spezialisierter Fachbereich von Medizinern, die in der Regel in Kliniken und Forschungszentren aktiv sind.

Kann man denn Ergebnisse aus klinischen Forschungen unter Laborbedingungen auch verallgemeinern?
Es ist auf alle Fälle ein schwieriges Gebiet. Und zu Beginn der Corona-Krise hatte ja auch niemand Erfahrung, und es gab Null Vorkenntnisse oder Informationen. Deshalb haben sich ja auch so große Player wie das Robert-Koch-Institut am Anfang schwergetan und die ein oder andere Kehrtwendung gemacht, die dann leider nicht so gut angekommen ist. Aber auch Irrtümer gehören eben zur Wissenschaft, und ich glaube, dass wir die Situation zumindest aktuell ganz gut im Griff haben.

Danke schön. Bleiben Sie gesund... In der aktuellen Situation sollte man wohl sagen: Bleiben Sie negativ.

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