Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Der Mann der Ekstase: Wie Sven Väth zum „Babba“ der Technoszene wurde und Trends setzte

Wir kommen nur zur Nacht raus. Sven Väth– hier bei der Time Warp 2023 – hat auch mit 60 den betörenden Techno-Sound nicht satt.
Wir kommen nur zur Nacht raus. Sven Väth– hier bei der Time Warp 2023 – hat auch mit 60 den betörenden Techno-Sound nicht satt.

Eine Legende war er irgendwie schon immer, ein Geschichtenerzähler der etwas anderen Art. Nun hat er auch das entsprechende Alter in den Knochen: DJ Sven Väth, der Papa des Techno, ist 60 Jahre alt und feierte – wie sollte es anders sein – am Wochenende hinter den Turntables in seinen runden Geburtstag rein. Nicht aber ein angesagter Club in Frankfurt, sondern die Time Warp in der Maimarkthalle wurde zur Birthdayparty des Babbas.

Mit ihm verbindet man Exzess und Ekstase. Über zwölfstündige Sets sind bei Sven Väth keine Seltenheit. Der am 26. Oktober 1964 in Offenbach geborene Künstler aber ist nicht nur DJ und Labelbetreiber, sondern auch ein Macher und eine Marke. Vor allem seine Clubs in Frankfurt, wie das Omen oder das Cocoon, setzten in den 90ern und 2000ern nicht nur soundtechnisch neue Maßstäbe. Den Weg in die Techno-Szene aber fand er nicht über die Mainmetropole, sondern über Ibiza. Und über seine Eltern.

Als 16-Jähriger soll er sich zum Teil per Anhalter bis zur iberischen Insel durchgeschlagen, drei Monate geblieben, die Club- und Partykultur aufgesogen und daraufhin seine Schlosserausbildung abgebrochen haben. Kurz darauf sprang er im Tanzlokal seiner Eltern in Neu-Isenburg erstmals als Discjockey ein. Zwei Jahre später war er schon Resident-DJ im schicken Flughafen-Club Dorian Gray.

Der Rest ist Legende. Der Closing-Day seines Omen-Clubs in Frankfurt soll 1998 von Freitagabend bis Montagmorgen ausgeartet sein. Mit so einem Andrang, dass die Polizei zwar irgendwann die Straße sperrte, die Feier aber einfach weiterlaufen ließ. Als es im Mai 2002 nach einer Razzia im U60311-Club in der Mainmetropole zu einer Blockade kam, soll es Väth gewesen sein, der zwischen Polizei und aufgebrachten Ravern vermitteln und schlichten konnte.

Leisere Töne mit Ayurveda

Techno ist tot, hieß es seitdem oft. Sven Väth aber lebt weiter, setzt immer wieder Trends (von wasserstoffblonden Haaren bis zum Clubrestaurant im Cocoon, in dem es tatsächlich kleine Kokons als in die Wand eingelassene Sofanischen gab) und hat lange noch nicht fertig. Noch immer wird er über den ganzen Globus verteilt gebucht und hat über hundert Auftritte im Jahr vorzuweisen. Väth aber kann nicht nur feiern, sondern auch zur Ruhe kommen. Bei regelmäßigen Ayurveda-Kuren in Health-Ressorts stimmt er die leiseren Töne an. Ein paar Jahre lebte er auch in Indien. Der DJ-Superstar achtet schon lange auf Gesundheit und Ernährung.

2015 erhielt er für sein Wirken die Goetheplakette der Stadt Frankfurt. Das vor zwei Jahren eröffnete Museum of Modern Electronic Music (MOMEM) widmete seine erste Sonderausstellung natürlich dem „Babba“, wie er liebevoll genannt wird. Da ist der Weg nach „Monnem“ nicht weit. Bereits seinen 50. Geburtstag ließ Sven Väth bei der Time Warp in Mannheim steigen. Das 1994 gegründete Electro-Festival feiert dieses Jahr seinen Dreißigsten, ist nun also genau halb so alt wie der Techno-Papst. Das Geburtstagsständchen in der Quadratestadt war ausverkauft – und mittendrin gab es aufgrund der Winterzeit tatsächlich einen Time Warp, eine Zeitverschiebung.

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