Ludwigshafen Der Kopf will gefüllt werden

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Mutterstadt

. Unser erster Eindruck vom Museum für Ortsgeschichte in Mutterstadt: Es ist klein, hat nur zwei Ausstellungsräume, ist aber professionell gemacht. Es ist kein Heimatmuseum mit Alltagsgegenständen, sondern ein Museum, das die Geschichte des Ortes von Anfang an bis jetzt zeigt. Wer hingeht, sollte Lust aufs Lesen haben, denn überall steht Interessantes über die Ortsgeschichte geschrieben. Ich möchte jetzt nicht gleich lesen, ich möchte erst mal den Römer sehen, den Bauer uns angekündigt hat, und gehe ins Nebenzimmer. In einem Steinsarkophag liegt ordentlich zusammensortiert ein Skelett. Unter Glas, ein winziges bisschen Privatsphäre hat der alter Römer also noch. Ganz schön groß für seine Zeit, ist mein und Helge Geißlers erster Eindruck. Er muss es wissen, das Mitglied des Arbeitskreises Heimatmuseum Waldsee kennt sich mit Historischem gut aus. Es muss wirklich ein Mann sein. Die Grabbeigaben bestehen aus Schüsseln und einer Klinge. Eine Frau hätte bestimmt Schmuck im Grab gehabt. Und wie gesagt, der Kerl war groß. Die Klinge muss ein Messer gewesen sein, denn wenn es eine Speerspitze wäre, dann wäre das wohl ein Krieger und der hätte doch sicher mehr Waffen bei sich gehabt, mutmaßt Helge Geißler. Das wirklich Interessante ist aber gar nicht der arme Kerl, der da im Museum und nicht auf dem Friedhof ruht, sondern der Deckel des Sarkophags. Der weist richtig tiefe Furchen auf. „Die stammen von einem Pflug“, erklärt Lutz Bauer. Fundort war der Medardus-Hügel zwischen Mutterstadt und Ruchheim. „Heute ist das kein Hügel mehr“, erklärt Bauer, „weil im Laufe der Jahre immer mehr Erde beim Pflügen abgetragen wurde.“ Und bei so einer Gelegenheit ist ein Landwirt mit dem Pflug auf den Deckel gestoßen und hat nachgeschaut, was da so beim Pflügen stört. Ein richtig toller Zufallsfund mit nettem Nebeneffekt. Denn so kam es, dass es heute im Museum ein Römerzimmer gibt. In den Vitrinen im Raum sind noch einige Exponate aus der Römerzeit zu sehen. Die Sensationslust ist erstmal befriedigt, wir gehen in den größeren Hauptraum umschauen, was es da alles zu entdecken gibt. Bauers ganzer Stolz ist das Zeitpfeildisplay, eine Anzeigetafel, die sich an drei Seiten entlang des Raums zieht. Auf diesem Display erfährt man, was zu einer bestimmten Zeit auf der Welt in der Region und in Mutterstadt passiert ist, angefangen bei der Frühgeschichte bis zum Tag des Mauerfalls. „Sehr interessant“, urteilt auch Helge Geißler, „es hat nur einen Nachteil, man bekommt einen steifen Nacken.“ Das Display ist nämlich in zwei Meter Höhe angebracht und intensives Lesen ist ein bisschen anstrengend. Im Raum stehen aber auch ganz viele Schautafeln auf bequemer Lesehöhe. Ich bewundere die Arbeit, mit der die Informationen über Vereinsgeschichte, Familienforschung, Baugeschichte, Handwerk und Landwirtschaft und Mutterstadter Persönlichkeiten zusammengestellt werden. Exponate gibt es in den Vitrinen an den Wänden zu verschiedenen Epochen wie Altsteinzeit, Mittel- und Jungsteinzeit, Bronzezeit, Hallstattzeit und frührömischen Siedlungen, aber auch zum religiösen Leben. Interessant findet Helge Geißler hier eine alte Thora-Rolle, die aus der ehemaligen Synagoge stammt. Wir erfahren, dass die Synagoge bunte Fenster hatte, was reichlich ungewöhnlich war. Trotz aller Beschriftung finden wir manchmal keine Erklärung für das, was wir da sehen. Wir fangen an über diverse Exponate zu philosophieren. Eine kleine uralte Schüssel mit ganz vielen kleinen Löchern hat es uns angetan. Ein Siebgefäß soll es wohl sein, meint die Beschriftung. Wofür? Was will man da abseihen, es ist recht klein? Und außerdem hat es am Boden ein großes Loch. Das passt doch gar nicht zu einem Sieb. „Vielleicht hat man ursprünglich an dieser Stelle einem Stab befestigt“, schlägt Helge Geißler vor. Aber was man dann mit einem umgedrehten Sieb an einem Stab machen soll, bleibt uns ein Rätsel. Ist es etwa ein antiker Wäschestampfer? Lustig finden wir auch einen Dreizack, etwa so groß wie ein Fuß und aus der Römerzeit. In ganz groß kennt man das von Gladiatoren. Dafür ist das Exponat viel zu klein. Für eine Gabel ist es aber eindeutig zu groß. Bauer hat auch keine Idee, was damit einmal gemacht wurde. Er führt uns weiter zu einem anderen lustigen Stück. Eine kleines Ton-Gefäß in Form eines Kopfes. „Ist die nicht schön?“, fragt Bauer. Ja, ist sie und der Zweck ist wenigstens bei diesem Stück erkennbar: Man kann etwas einfüllen. Andere Dinge sehen heute noch so aus wie früher: eine Schere zum Schafscheren, ein Amboss oder ein Hammer zum Beispiel. Wir gehen noch kurz in den ersten Stock. Der große Raum über den Museumsräumen steht leer. Der Verein nutzt ihn, um zweimal im Jahr, zu Kerwe und an Weihnachten, Sonderausstellung zu präsentieren. Vorgaben dafür gibt es nicht. „Wir machen, was uns einfällt, wir hatten schon eine Ausstellung über Schuhe, über Schach oder über Spielkarten oder auch über Exponate aus der Bevölkerung. Das ist immer sehr interessant“, sagt Bauer. Am Ende unserer Entdeckungsreise ziehen wir Bilanz. Man muss viel Zeit mitbringen, wenn man wirklich alle Informationen ausführlich studieren wollte. Obwohl es nur zwei Ausstellungsräume sind, könnte man damit einige Stunden zubringen. „Es ist so ganz anders als unser Heimatmuseum in Waldsee“. In Mutterstadt sei alles in Vitrinen ausgestellt und ordentlich beschriftet, mehr Schrift als Exponate. „Bei uns ist es vollgestopft mit Exponaten und es fehlt so ein bisschen die Struktur.“

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