Mannheim
Der Koloss von Spinelli: Großskulptur von Philipp Morlock auf Buga23-Gelände
Stahlträger, Betonteile, Spinde und Waschbecken: Das Material, das der Künstler Philipp Morlock mit seinen Helfern verbaut hat, stammt aus Erdarbeiten in Franklin, Taylor und Spinelli. Seit 2013 befasst sich Morlock künstlerisch mit dem Thema Konversion, das in Mannheim für die Umwidmung der einst von der US-Armee genutzten Flächen steht. Einen Fokus legt er tatsächlich auf die Nachhaltigkeit. Durch die Verwendung von Relikten, die aus der Zeit stammen, als hier noch Kasernen und Übungsplätze standen, möchte er einen direkten Bezug zur Mannheimer Stadtgeschichte herstellen.
Vor diesem Hintergrund bildet die Installation mit den in ihr vermengten Bauteilen so etwas wie den emotionalen Kitt, der Erinnerung und Gegenwart zusammenhält. „Mir war es wichtig, dass die Skulptur an die Nutzung dieser Fläche erinnert“, machte Morlock deutlich. „Sie ist aber nicht als ein Mahnmal gedacht, das man schon von Weitem sehen kann, sondern sitzt stattdessen in der Erde“. Wer die Skulptur betrachten möchte, der muss schon ein wenig in dem Gelände suchen, in dem sie sich wahrhaftig wie in einem Trichter versteckt. Ein Konstrukt aus Beton und Stahl, das von Wellen grünen Rasens umgeben ist, und in das man allerhand hineininterpretieren kann.
Aus dem Alten sollen Plätze entstehen, die von den Menschen, die in dieser Umgebung ihre Zeit verbringen, neu entdeckt werden können. Ein Beispiel für diesen Gedanken, so Morlock, sei die Wellblechhalle, die er auf dem Areal der früheren Taylor Baracks errichtet hat. Dort organisieren junge Leute inzwischen Disco-Partys. Die Entscheidung für das aktuelle Projekt auf dem Gelände der Bundesgartenschau sei relativ spät, und zwar im Juni letzten Jahres gefallen. Acht Wochen habe er gebraucht, um mit der Hilfe seiner Künstlerkollegen Maximilian Martinez und „Matarr“ das Werk vor Ort zu schaffen. Nun soll es noch möglichst lange dort an Vergangenes inmitten einer Aufbruchstimmung erinnern.
„Kreatives Recycling“
„Das ist kein einfaches Kunstwerk“, stellte Oberbürgermeister Peter Kurz bei der Einweihung fest. Als Betrachter könnte man zu dem Schluss kommen, dass hier eine Art kreatives Recycling stattfindet. Damit verknüpft sei „eine Aufladung“ des Standortes, die mit der Gegenwart verbunden sei. Auch aufgrund der Bausteine, die aus einem militärischen Kontext stammen: „Man denkt an das aktuelle Geschehen, an Krieg und Zerstörung“. Das Projekt wird vom Kulturamt der Stadt Mannheim gefördert, und auch die Buga 23, die in der Nähe die Station für die Seilbahn betreibt, die ab April von Besuchern der Bundesgartenschau genutzt werden kann, ist mit im Boot.
Der Hamburger Künstler Armin Chodzinski richtete einen analytischen Blick auf die Großskulptur und deren Einbettung in die Umgebung. Morlock bezeichnete er als einen Kollegen mit Haltung, der sich nicht verbiegen lasse und dessen Arbeit er in der Tradition der Fluxus-Bewegung sehen möchte. Dabei geht es um die Landschaft und urbanen Raum mit den Mitteln der Kunst zu gestalten. Mit seinem Projekt „Conversio“ habe sich Morlock zudem dem Trend verweigert, aus monetären Interessen eine Landmarke zu setzen.