Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Der kluge Rapper mit der akustischen Gitarre: Maeckes am Stromwerk

Nicht mehr als fünf Selfie-Videos dürfen die Zuschauer von ihm drehen, sonst hört er auf zu singen, sagt Maeckes.
Nicht mehr als fünf Selfie-Videos dürfen die Zuschauer von ihm drehen, sonst hört er auf zu singen, sagt Maeckes.

Wenn man den Musiker Maeckes googelt, stößt man recht schnell auf ein Interview, in dem er mit „Musiker und Rapper“ vorgestellt wird. Die feine Ironie in dieser Unterscheidung dürfte ihm wahrscheinlich sogar gefallen, wenn man sich seinen Vortrag live am Alten Stromwerk in der Neckarstadt.

Mitten im finstersten Industriegebiet eine kleine Oase mit fast südlichem Markt-Flair und feiner Bühne: Delta-Konzerte veranstaltet dort zwei Wochen lang mittwochs bis sonntags eine Reihe von Live-Auftritten unter dem Titel Sommerbühne in Mannheim auf dem Gelände des Nachtmarktes in der Neckarstadt. Bestuhlt mit Bänken, Sitzgruppen, Liegestühlen und anderen „besitzbaren“ Objekten ist das Gelände coronakonform aber alles andere als spießig gestaltet. Am Mittwochabend startete die Absolventin der Mannheimer Pop-Akademie Alex Mayr im Vorprogramm des besagten Maeckes. Aufgrund ihrer 1,83 Zentimeter als zu groß in Musicalschulen abgelehnt, hat sich die Multiinstrumentalistin in Mannheim angesiedelt und wusste mit gekonnten Pop-Kompositionen zu überzeugen. Melancholisch bis wuchtig klingt das Material ihrer beiden Alben „Wann fangen wir an“ und „Park“, dessen Titel vom Luisenpark inspiriert wurde. Mit Maeckes verbindet die Wahlmannheimerin auch eine frühere Kooperation, genauer gesagt, den Titel „Ausgang“, den er dann auch in Mannheim als Gast auf der Bühne mitsang.

Sinn und Unsinn mancher Regeln

Nach dem Ausgang kommt der Eingang und den hatte der Singer-Songschreiber und Rapper Maeckes, bekannt von der Band „Die Orsons“ und „Plan B“. Gleich zu Beginn wird deutlich, dass schwer herauszufinden ist, was inszenatorische Absicht, Spiel mit Erwartungen oder spontane Idee ist. Zunächst steigt er mal ganz – wie diese Generation sagt – „gechillt“ auf die Bühne, um sein eigenes Intro anzukündigen. Lustige Idee. Später im Programm fordert er noch Leute aus dem Publikum auf, nach vorne vor die Bühne zu kommen, natürlich mit Maske und Abstand, um Selfie-Videos zu machen. Allerdings nur drei. Weniger als drei und er werde den angefangenen Song nicht singen, mehr als fünf und er bleibt ebenfalls stumm. Brillanter Einfall, mit dem sich Nena viel Ärger erspart hätte und der coronakonform genug Interpretationsspielraum an Sinn und Unsinn mancher Regeln lässt. Zum Beispiel, dass am Platz Masken abgenommen werden dürfen, allerdings nur, wenn man sitzt, nicht im Stehen am eigenen Platz, wie einige Besucher bei einer anderen Veranstaltung unweit des Stromwerks bei einer Polizeikontrolle am letzten Wochenende lernen durften.

Einzementiert in sozialen Netzwerken

Am Stromwerk musste man sich glücklicherweise nicht damit herumärgern und konnte endlich wieder Live-Musik genießen. Neben seinen intelligenten Sprachkaskaden, die seine Herkunft aus der Rap- und Battle-Szene verraten, hat Maeckes auch die akustische Gitarre dabei. Aber entscheidend ist in seiner Musik das Wort und wer da nicht ständig am Ball bleibt, verpasst die Hälfte. Wer sich darunter nicht viel vorstellen kann, sucht am besten „Exclusive #3“ im Netz und hört sich Maeckes Gedanken zu „Bubbles“ also den algorithmusbasierten Nachrichtenwelten, in denen sich die einzelnen Gruppen und Milieus konsensfern in ihren mehr oder weniger sozialen Netzwerken einzementieren.

Erst Poesie, dann Kirmesgeboller

Maeckes Vielseitigkeit erkennt man sehr gut auch an dem Stück „Mauern“ von seiner aktuellen CD „Pool“. Klingt nach melancholischer Liedermacherhandarbeit mit poetischem Anspruch. Den Eindruck demontiert er aber gleich danach, indem er dasselbe Lied noch mal als hyperaktives Kirmestechnogeboller abfahren lässt, um seine innere Wahrnehmung zu dem Stück akustisch auszudrücken. Definitiv ein kluger „Rapper und Musiker“ mit Haltung, dessen Texte mehr zu Auseinandersetzung einladen als zum reinen Konsum.

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