Ludwigshafen Der Frauenversteher

Die Mann-Frau-Problematik ist schon öfter durch den Comedy-Fleischwolf gedreht worden – und das nicht erst seit klar ist, dass Männer vom Mars und Frauen von der Venus stammen. Allerdings funktionieren diese Comedy-Programme meist durch die Verteidigung des eigenen Geschlechts. Ingo Appelt hat jetzt den Spieß umgedreht und verkündet: „Frauen sind Göttinnen – wir können nur noch beten.“
Das sind natürlich ganz neue Töne vom Rüpel-Comedian, der nicht gerade für sein zimperliches Vokabular bekannt ist und schon so manches Mal Schelte für seine Geschmacksentgleisungen bekommen hat. Doch im Mutterstadter Palatinum gab er den Frauenversteher par excellence und stellte schon zu Anfang klar: „Ich bin vom Saulus zum Paulus geworden.“ Halleluja! Ja, Ingo Appelts Programm hat schon etwas religiöses, und das ist auch gewollt. Immerhin sind Frauen seiner Ansicht nach göttliche Wesen. Sein Publikum forderte er auf, lautstark zu klatschen, mit den Füßen zu stampfen und „Halleluja“ zu rufen. Gleich einem amerikanischen Fernsehprediger kam er dann zum zweiten Mal auf die Bühne. Jetzt konnte die Predigt in der „heiligen Kirche der glücklichen Frau“ beginnen. Vor allem für die männlichen Zuschauer dürfte seine Show durchaus etwas von einem Erweckungserlebnis gehabt haben: „Wer ist schön, wer ist schlau? Die Frau, die Frau“, sang Appelt sein neues Mantra. Und damit hatte er zumindest die Frauen im Saal auf seiner Seite. Der hätte für Appelts Geschmack voller sein können, zu Hochform lief er trotzdem auf. Die „Berlusconis der Weltgeschichte, die Hoeneße von Mutterstadt“, kamen bei Appelt nicht gut weg. Wurden sie doch darüber belehrt, dass Frauen generell unschuldig sind. „Sie machen Fehler, aber schuld sind die Männer.“ Auch, dass Frauen nicht nachtragend seien, gehört zu den Glaubensätzen. „Sie vergessen nur niemals.“ Ganz zu schweigen von Angela Merkel, als weibliche Kanzlerin quasi unangreifbar. Seine Offenbarung in Sachen Frau untermauerte Appelt mit Erkenntnissen der Evolutionstheorie. Frauen seinen die ersten gewesen, die von den Bäumen gestiegen seien, und auch sonst hätten sie die Nase vorn gehabt. Deswegen habe der Mann sie unterdrückt. Heute allerdings ist der Mann fast überflüssig geworden. Selbst das Monopol aufs Heimwerken sei ihm entrissen worden. „Im TV renovieren die Frauen. Und was machen wir Männer? Wir kochen!“ Doch ganz zum Paulus ist Ingo Appelt nun auch nicht mutiert. Und das ist gut so. Schimpfworte, Schweinkram und fiese Spitzen fehlten ebenso wenig im Programm wie Parodien auf seine Comedy-Kollegen Mario Barth, der mit seiner Masche „Ick hab ne Freundin“ ganze Stadien füllt, Michael Mittermeier und Dieter Nuhr. Auch Till Schweiger und Helmut Kohl bekamen ihr Fett weg. Aber Ingo Appelt kann auch Musik: Für seine Imitationen von Udo Lindenberg (sogar mit Hut und Haaren), Herbert Grönemeyer – laut Appelt der Inbegriff der männlichen Weinerlichkeit – und Marius Müller Westernhagen gab es viel Applaus. Um sein weibliches Publikum bis zur letzten Konsequenz zufrieden zu stellen, zog Ingo Appelt alle Register und schreckte sogar vor einem Striptease nicht zurück.