Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Der Entdecker des früheren FCK-Stars Ciriaco Sforza im Interview

Raimondo Ponte gilt als der Entdecker von Ciriaco Sforza. Drei Tage war er in Fußgönheim.
Raimondo Ponte gilt als der Entdecker von Ciriaco Sforza. Drei Tage war er in Fußgönheim.

Der frühere Profi und Ex-Nationalspieler der Schweiz, Raimondo Ponte, leitet noch bis Mittwoch ein dreitägiges Trainingscamp in Fußgönheim. Der 65 Jahre alte Coach erzählt, warum er Ciriaco Sforza unbedingt zu Grasshopper Zürich holen wollte und von seiner Begegnung mit Hennes Weisweiler.

Herr Ponte, man sagt, sie seien der Entdecker des früheren Profis des 1. FC Kaiserslautern und von Bayern München, Ciriaco Sforza. Ist das so?
Es war zum Ende meiner Laufbahn. Ich spielte bei Grasshopper Zürich und bekam den Tipp, dass es im nahe gelegenen Wohlen einen außergewöhnlich guten Jungen gäbe. Ich habe mir den damals 16-jährigen Ciriaco angeschaut und gesehen, dass er eine blendende Technik, große Spielintelligenz und vor allem keine Angst vor Fehlern hat. Er hatte schon fast beim FC Zürich unterschrieben, ist dann aber zu uns gekommen und wir haben noch zusammengespielt.

Sie sind seit über 30 Jahren Trainer. Was fasziniert Sie an diesem Beruf?
Wir hatten bei Grasshopper Hennes Weisweiler als Trainer. Bereits nach einem Monat hat er mir gesagt, dass ich mehr sehe als die anderen und wie ein Trainer denke. Er hat mich oft zu Spielbeobachtungen mitgenommen und zu den Gegnern in der Schweizer Liga befragt. Er war auch der Pate meines Sohnes. Mir macht es einfach Spaß, Spieler zu beobachten, sie zu beurteilen und später zu sehen, ob die Prognose aufgegangen ist. Ich war 15 Jahre lang Trainer beim FC Zürich und habe mit meinen Empfehlungen dem Verein viel Geld eingebracht.

Dann waren Sie eine Art Manager nach englischem Vorbild?
Dieses Modell gefällt mir besser. In der Schweiz und Deutschland ist der Einfluss des Trainers gesunken. Er wird oft zum Schuldigen gemacht für eine Personalpolitik, die er nicht zu verantworten hat. England ist aber auch speziell. Darf ich eine Geschichte erzählen?

Bitte sehr, nur zu.
Ich bin 1980 nach Nottingham gewechselt. Trainer Brian Clough hat mich verpflichtet. Zum ersten Spiel hatte er mich nicht eingeplant, ich sollte noch in der Schweiz bleiben. Ich bin dennoch gekommen und habe gegen Tottenham 90 Minuten gespielt. Danach habe ich beim 2:1 gegen Birmingham ein Tor erzielt und das andere vorbereitet. In der dritten Partie gegen Wolverhampton schmorte ich aber 75 Minuten auf der Bank. Montags bin ich in Cloughs Büro und habe höflich gefragt, warum ich nicht von Anfang an gespielt habe. Da hat er mich rausgeworfen. Das wäre heute undenkbar, da würde der Coach von der Presse durch den Kakao gezogen.

Blieben Sie deshalb nur ein Jahr?
Nein, England war fantastisch, da habe ich viel gelernt. Die Spiele sind schneller, die Pässe werden scharf gespielt und die Akteure holen sich die Siegermentalität im Training. Ich habe 24 Partien gemacht, das war dem Schweizer Nationaltrainer nicht genug. Er sagte mir, dass ich den Platz im Team verliere, wenn ich in Nottingham nicht öfter eingesetzt werde. Ich bin dann nach Frankreich zu Bastia. Das war ein Fehler.

Wie kam es zu Ihrer Trainertätigkeit in Fußgönheim?
Ich kenne Murat Ögat, den Chef der Fußball-Akademie „Art of soccer“, schon lange. Er hatte mich gefragt, ob ich Lust hätte, zu kommen. Ich bin pensioniert und in dreieinhalb Stunden von Zürich hier.

Worauf legen Sie besonderen Wert?
Wir machen Technikübungen, sprechen viel über Laufwege, die mir sehr am Herzen liegen. Ein Spieler muss zuhören können und wollen. Dribbling steht auf dem Programm oder wie ich im Spiel Bälle fordern kann. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die aber entscheidend sein können. Man hat es beim Flankentraining gesehen.

Welche Altersklassen trainieren Sie hier in Fußgönheim?
Der jüngste wird 16, andere sind 17, 18. Einer ist schon 21. Es sind zehn Spieler, die mitmachen. Das ist eine gute Größe. Wenn einer in jungen Jahren etwas falsch lernt, ist es schwer, dass grundlegend zu ändern. Je jünger der Spieler ist, desto größer ist der Lernerfolg. Ein 17-Jähriger lässt sich noch formen.

Was sind die Unterschiede zwischen der Spielerausbildung in der Schweiz und Deutschland?
In der Schweiz gibt es eine gute Grundausbildung. Deutschland hat aber mehr Einwohner und somit mehr Talente. Die deutsche Ausbildung ist viel besser als früher, das sieht man am gestiegenen technischen Niveau. Aber auch in der Schweiz ist die Qualität besser geworden. Wir sind in allen Bereichen besser aufgestellt und professioneller als früher. Fußball ist bei uns längst Sportart Nummer eins.

Deutschland war früher ein Torhüterland. Ist das jetzt die Schweiz, wenn man an Sommer, Bürki, Hitz und Mvogo denkt?
Gute Torleute hatten wir schon immer. Aber auch da merkt man das verbesserte und an höchste Standards angepasste Training. Früher hatte nicht mal jeder Klub einen eigenen Torwarttrainer.

Sie sind 65. Wie lange wollen Sie noch Trainer sein?
Ich bin fit und bereit. Zuletzt war ich vor zwei Jahren in Aarau. Aber der Trend geht zum jungen Trainer.

Zur Person

Raimondo Ponte

Der 65 Jahre alte Schweizer, der vier Sprachen spricht, war Profi in der Schweiz, England und Frankreich. Ponte trug 34 Mal das Trikot der Schweiz. Mit dem Grasshopper Zürich stand er im UEFA-Cup-Halbfinale und war in dieser Saison der erfolgreichste Torschütze in diesem Wettbewerb. Dreimal wurde er mit Grasshopper Meister. Nach seiner Zeit als Spieler wurde er Trainer und betreute zahlreiche Klubs in der Schweiz, wie den FC Zürich, FC Luzern, FC Lugano und zuletzt den FC Aarau. Eine Saison coachte der gebürtige Neapolitaner den italienischen Club US Carrarese.

x