Ludwigshafen Der Chef im Wasser

Der 27-jährige Martin Görge vom WSV Ludwigshafen (rechts) ist gereift und spielt extrem mannschaftsdienlich.
Der 27-jährige Martin Görge vom WSV Ludwigshafen (rechts) ist gereift und spielt extrem mannschaftsdienlich.
LUDWIGSHAFEN.Fußball

hat er gespielt und auch Handball ausprobiert. Aber spätestens mit 14 Jahren war klar: Dem Wasserball gehört die Liebe des Ludwigshafeners: „Mein Vater hat uns ständig mit ins Training genommen. Und was der Papa machte, wollten wir auch machen“, sagt Martin Görge lachend und bezieht damit seinen älteren Bruder Oliver mit ein. Vater Andreas, Jugendwart und Nachwuchstrainer des WSV Vorwärts, legte also die Grundlagen. WSV-Trainer Pierre Hilbich ist froh über den Rückkehrer: „Er gibt unserem Spiel eine neue Dimension.“ Der erstligaerfahrene Linkshänder sei auf Rechtsaußen immer anspielbar und gleichermaßen als Schütze gefährlich wie als Ballverteiler gefragt. Bestes Beispiel dafür war das Wochenende. Gegen Fulda am Samstag noch siebenmaliger Torschütze, nahm Cannstatt sonntags Görge mit einer engen Deckung aus dem Spiel. Das schaffte Raum für andere Spieler: Ahmed Mohamed kam zu fünf Treffern. Genau so stellen sich Hilbich und Görge selbst die neue Rolle vor. „Ich glaube, er ist in Neustadt ruhiger geworden. Er muss niemandem mehr etwas beweisen“, sagt der Coach. „Ich kann der Mannschaft weiterhelfen“, glaubt Görge. Der 27-Jährige verfügt über reichlich Erfahrung, wurde in der A-Jugend mit dem SSV Freiburg Deutscher Meister, durfte bereits als 15-Jähriger mit einem Sonderstartrecht für den WSV in der Zweiten Liga spielen und war damals ein Versprechen auf die Zukunft. Eine Zukunft, die beim WSV angebrochen sein könnte. Der Saisonstart mit drei Siegen und einem Unentschieden gegen den Titelaspiranten aus München ist gelungen. Ganz zufrieden ist Martin Görge damit aber noch nicht: „Wir setzen zwar schon vieles um, was wir uns vor der Runde vorgenommen hatten, aber Feinabstimmung und Erfahrung fehlen noch. Die werden im Lauf der Runde noch kommen.“ Hilbich hat in Martin Görge einen Seelenverwandten gefunden: „Wir sind beide sehr ehrgeizig und wollen das Optimum erreichen.“ Das Optimum ist für den 27-Jährigen die Erste Bundesliga. Deshalb sei das Kapitel Neustadt nicht endgültig abgeschlossen. „Wenn der SCN noch einmal hoch will, kann es passieren, dass ich noch einmal angreife. Ich habe mich dort über die vier Jahre wohlgefühlt.“ Nur für die Zweite Bundesliga sei der Aufwand zu hoch, erklärte der junge Familienvater. „Warum soll ich eine halbe Stunde zum Training fahren, wenn ich in der gleichen Liga bei meinem Heimatverein spielen kann?“, stellte er die rhetorische Frage und entschloss sich deshalb zur Rückkehr. „Für uns ist er eine tolle Option, aber genau das haben wir uns von ihm erwartet“, so Hilbich. Als Beispiel nennt er die Tore der beiden Jugendspieler Marcel Beck und Andreas Sommer gegen Fulda, beide von Martin Görge vorbereitet: „Er ist gereift und spielt unglaublich mannschaftsdienlich. Das kommt sehr gut an – in jedem Spiel, aber auch in jedem Training.“ Wobei Görge beim WSV abgeklärt hat, dass er nicht an jeder Einheit teilnehmen muss. Die berufliche Situation im Controlling der BASF, die Rolle als Familienvater, aber auch sein herausragendes Können verschaffen ihm einen Sonderstatus im WSV-Kader.

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