Ludwigshafen Der Baumeister

Steffen Christmann geht auf seine Spieler ein. Er legt viel Wert auf Offenheit und Kommunikation.
Steffen Christmann geht auf seine Spieler ein. Er legt viel Wert auf Offenheit und Kommunikation.

«Hochdorf-Assenheim.» Die Tragik spielt sich in zwei Jahren ab. Steffen Christmann würde heute noch Handball auf hohem Niveau spielen, wären da nicht zwei markante Daten in seinem Leben gewesen. So trainiert der 25 Jahre alte Student der Sportökonomie die Handball-Herren des TV Hochdorf und führte das Team nun wieder zurück in die Dritte Liga. Christmann ist ein Mensch, der wenig dem Zufall überlässt. Und so spielen vier Zahlen in der Laufbahn von Christmann eine wichtige Rolle. Im Februar 2014 reißt sich Steffen Christmann erstmals das Kreuzband. Er ist zu diesem Zeitpunkt 19 Jahre alt. Christmann spielt gut Handball. Er kämpft sich zurück. Doch im April 2016 ereilt den jungen Mann wieder das gleiche Schicksal. Was Christmann zu diesem Zeitpunkt nicht weiß, ist, dass der zweite Kreuzbandriss Auswirkungen auf seinen Beruf hat. Christmann will Lehrer werden. Ein Fach ist Sport. Er studiert in Landau. Doch durch die zweite schwere Blessur muss er das Studium aufgeben. Die Schmerzen sind zu groß. Das Knie ist instabil. „Ich war am Boden zerstört“, sagt Christmann: „Ich wollte so gerne Lehrer werden.“ Christmann beginnt ein neues Studium: Sportökonomie an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Das geht aber nicht so einfach. Denn es ist ein duales Studium. Sprich. Christmann braucht einen Verein, der ihn unter Vertrag nimmt. Der TV Hochdorf stattet Christmann mit einem Kontrakt bis 2021 aus. Auch sportlich muss Christmann Abstriche machen. Er hört mit dem leistungsorientierten Handball auf. Er wird Trainer. 5Bei der TSG Friesenheim beginnt die Trainerlaufbahn. Christmann wird in seinem ersten Jahr mit der E- und D-Jugend Pfalzmeister. Doch der Bad Dürkheimer bekommt nicht die Wertschätzung. Die damaligen Verantwortlichen trauen Christmann nicht zu, die C-Junioren zu trainieren. Diesen Wunsch hat er geäußert. Nach zwei Jahren geht er. Christmann nimmt das Angebot des TV Hochdorf an, dort Trainer zu werden. Mit 23 Jahren wird er Co-Trainer der Drittliga-Herren des TV Hochdorf. Ein Alter, in dem Christmann selbst noch hätte spielen können. Seit fünf Jahren nun ist Christmann Trainer. Nicht nur das: Er hat auch die Koordination beim TVH übernommen, sprich er regelt den sportlichen Sektor von der Jugend bis zu den Drittliga-Herren. Weil es in Hochdorf nicht gut läuft, trennt sich der Verein im Dezember 2017 von Stefan Bullacher. Christmann rückt zum Cheftrainer auf. Der Verein will ihn sozusagen testen, Christmann startet gleich mit einem Sieg als Coach. Aus der Übergangslösung wird eine Dauerlösung. Mit 25 Jahren ist Christmann der jüngste Coach in der Handball-Oberliga, wohl auch kommende Saison in der Dritten Liga. Er erarbeitet sich mit seiner Fachkompetenz Autorität. Die Spieler erkennen und spüren, dass da einer vor ihnen steht, der sich auskennt. Und: Christmann ist ein feinfühliger Mensch. Er ist ein lösungsorientierter Trainer. „Ich kommunizieren viel und bevorzuge Offenheit, sonst entstehen Missverständnisse. Das ist nicht gut“, sagt Christmann. Er wird von vielen Seiten gelobt. Friedhelm Jakob, Präsident des Pfälzer Handball-Verbandes, würdigt Christmann als einen tollen Menschen, den er sehr schätzt. Hochdorfs Vereinschef Christian Deller sagt über Christmann: „Er ist brutal ehrgeizig und sehr bodenständig.“ Christmann liest viel Fachliteratur, gibt er zu. „Ich will mir Wissen aneignen, das mir im Alltag hilft“, betont der mittlerweile in Neustadt lebende Christmann. 2021 wird er sein Studium mit dem Bachelor beendet haben. Er kann sich vorstellen, den Master dranzuhängen. Christmann strebt irgendwann auch die A-Lizenz an. Es ist eine Saison, die der TV Hochdorf wohl nicht mehr so schnell erleben wird. 32 Siege in 36 Spielen – eine imposante Bilanz. Da wären die 27 Erfolge in der Oberliga, der Sieg im Aufstiegsspiel gegen den TV Kirchzell und die vier Erfolge im Pfalz-Pokal. Der TV Hochdorf hat den Cup-Wettbewerb schließlich gewonnen. „Die Zahl ist deshalb so schön, weil viele junge Spieler in dieser Runde zum Einsatz kamen und etwas zusammengewachsen ist“, sagt Christmann. Das liegt zum Großteil an ihm.

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