Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Der alte Mann und die Gang

Seine Freude, seine Erleichterung brüllte Gorazd Škof nach einem gehaltenen Siebenmeter raus. Der Torwart des Handball-Bundeslig
Seine Freude, seine Erleichterung brüllte Gorazd Škof nach einem gehaltenen Siebenmeter raus. Der Torwart des Handball-Bundesligisten Eulen Ludwigshafen ist ein besonderer Typ.

Handball: Gorazd Skof ist der älteste Spieler bei Bundesligist Eulen Ludwigshafen. Er könnte von manchem Spieler der Vater sein. Der 43 Jahre alte Slowene ist ein wichtiger Mann. Er sorgt mit seiner positiven Art für gute Laune und ist für einen Akteur sogar Personal Trainer. Nach dem Sieg am Donnerstag gegen Stuttgart verrät er, warum er und Martin Tomovski so gut waren.

Gorazd Škof hatte sich seine ganz persönliche Vorbereitung auf das Spiel der Eulen Ludwigshafen am Donnerstag in der Handball-Bundesliga gegen den TVB Stuttgart ausgedacht. Der 43 Jahre alte Torwart der Eulen hatte für den Mittwochabend seinen Torhüterkollegen Martin Tomovski zum Abendessen eingeladen. Škof war am Mittwoch Fisch, Gemüse und Wein einkaufen gegangen. Er zauberte dann ein leckeres Mahl und kredenzte es Tomovski. Beide unterhielten sich dann bei Fisch und einer Flasche Rosé über den kommenden Gegner. Denn die Partie gegen Stuttgart war besonders wichtig für Ludwigshafen.

Das gemütliche Beisammensein zahlte sich aus. Ludwigshafen spielte die Stuttgarter förmlich an die Wand und gewann souverän mit 28:24. Škof hielt in der ersten Halbzeit formidabel. Er parierte fast jeden zweiten Ball. Auch wegen Škof führten die Eulen Ludwigshafen zur Pause mit 14:8. „Das war eine richtig gute erste Halbzeit“, lobte Škof seine Mannschaft. Für den ältesten Torwart der Handball-Bundesliga war dann Schluss. Der 43 Jahre alte 188-fache slowenische Nationaltorwart ging unmittelbar nach Ende der ersten Halbzeit zu Trainer Ben Matschke und seinem Assistenten Frank Müller. Das Trio unterhielt sich einen Augenblick. Das Thema der Unterredung wurde wenige Minuten später offenkundig. Škof blieb auf der Bank. „Das war so abgesprochen“, sagte er.

Das Alter hinterlässt nämlich seine Spuren. Škof muss sich an beiden Knien und seinen Ellenbogen bandagieren. 25 Minuten dauert diese Prozedur – und das vor jedem Spiel. „Du musst mich einen Tag nach dem Spiel erleben. Da schleicht der alte Mann durch die Wohnung“, erzählt Škof schmunzelnd. Es zwickt eben nach so einer beeindruckenden Laufbahn.

Vertrauensperson fürs Team

Dabei hätte Škof schon seit fast neun Monaten das Leben in vollen Zügen genießen können und zu Hause bei seiner Lebenspartnerin, einer Zahnärztin, sein können. Denn ursprünglich wollte Škof nur die vergangene Saison im Tor der Eulen stehen. Doch er ließ sich überreden, auch noch diese Runde das Tor der Ludwigshafener zu hüten.

Gorazd Škof ist ein wichtiger Spieler in der Mannschaft. Seine Lebenserfahrung hilft den jungen Spielern. Er gibt ihnen Ratschläge. Für Hendrik Wagner beispielsweise ist er quasi ein Personal Trainer. Viermal die Woche legen beide Sonderschichten ein. Dann stärken sie Rücken und Rumpf. „Hendrik hat eine große Zukunft vor sich. Er ist in den letzten beiden Monaten die Nummer eins bei den Eulen“, sagt Škof. Es ist ein Lob aus berufenem Munde. Denn Škof hat schon viel erlebt im Handball. Sein Wort hat deshalb Gewicht.

Es ist aber auch die Art des Torhüters, die ihn in der Mannschaft so besonders macht. Škof ist eine Frohnatur. Er versprüht gute Laune, baut Spieler auf, dirigiert von hinten heraus die Mannschaft. Er weiß, wann er was und wie zu sagen hat.

Gorazd Škof wird den Verein nach dieser Saison allerdings verlassen. Auch Martin Tomovski geht. Ihn wollte Škof als seinen Nachfolger aufbauen. Deshalb trat er freiwillig etwas zurück und bat Matschke, die jungen Akteure mehr spielen zu lassen. Doch das Duo Škof und Tomovski funktioniert derzeit ideal. Dabei könnte Škof der Vater von Tomovski (23) sein. Škof hat dennoch sozusagen für sein Erbe bei den Eulen gesorgt. Er hat seinen Landsmann Ziga Urbic (23) zu den Eulen gelotst. Urbic kommt vom österreichischen Erstligisten SC Ferlbach. Auch Škof kam 2019 von diesem Klub zu den Eulen. Das könnte ein gutes Omen sein.

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