Ringen RHEINPFALZ Plus Artikel Denis Kudla im Interview: „Eigentlich habe ich gar keinen Druck“

Einsätze im Nationaltrikot plant Denis Kudla in diesem Jahr nicht.
Einsätze im Nationaltrikot plant Denis Kudla in diesem Jahr nicht.

Nach dem Rücktritt von Frank Stäbler ist Denis Kudla vom VfK 07 Schifferstadt der erfolgreichste aktive deutsche Ringer. Im Interview erklärt er, warum er sich in diesem Jahr ganz auf die Zweitliga-Saison konzentriert und wie er mit Druck umgeht.

Herr Kudla, wir sind jetzt in einer der beiden Trainingshallen im Landesleistungszentrum in Schifferstadt. Hallentraining im Hochsommer ist nicht wirklich lustig, oder?
Das kommt auf die Gegebenheiten an. Wenn alles klimatisiert ist geht’s, aber wenn man verschwitzt rumsteht und hat Pause und es wird kalt am Rücken, dann gibt es Schöneres, als im Sommer in der Halle zu trainieren.

Wie ist es hier in Schifferstadt?
An manchen Stellen zieht’s hier wirklich, wenn man da stehen bleibt. Aber wir machen ja Ringen, eine Kampfsportart, deshalb sollten wir nicht zu viel rummaulen, ob es zu warm oder zu kalt ist.

In welcher Phase der Saison befinden Sie sich gerade, worauf bereiten Sie sich vor?
Momentan nur auf die Bundesligarunde. Ich habe mit dem Bundestrainer ausgemacht, dass ich dieses Jahr komplett aussetze, was Einzelmeisterschaften betrifft. Da die Olympischen Spiele in Tokio erst 2021 stattfanden und es dadurch ein langer Zyklus war, und schon nächstes Jahr das erste Qualifikationsturnier für die Spiele 2024 in Paris ist, sind wir übereingekommen, dass es zu viel wäre, wenn wir ohne Pause direkt weitermachen.

Nach dem Karriereende Frank Stäblers sind Sie der erfolgreichste aktive deutsche Ringer. Setzt Sie das unter Druck, oder denken Sie da gar nicht dran?
Eigentlich habe ich gar keinen Druck. Viele Sportler wären schon glücklich, an Olympischen Spielen teilzunehmen und scheitern daran, und ich war jetzt zweimal dabei und habe zwei Medaillen gewonnen. Ich muss keine Angst mehr haben, dass ich etwas verpassen könnte, deshalb hab’ ich die Ruhe weg.

Es gibt den Spruch, „Diamanten entstehen nur unter Druck“. Ist es da nicht gefährlich, wenn man zu wenig oder gar keinen Druck mehr verspürt?
Es kommt immer auf die Dosis an. Es stimmt, unter Druck entstehen Diamanten, aber unter Druck zerbricht auch das eine oder andere Material. Man darf sich nicht zu viel Druck machen, aber auch nicht zu wenig. Es kommt darauf an, über einen bestimmten Zeitraum fokussiert zu sein.

Frank Stäbler war in Sozialen Medien sehr aktiv. Sie finden dort dagegen gar nicht statt. Was ist der Grund?
Es keinen bestimmten Grund. Es es gib solche und solche Typen. Ich bin halt nicht der Typ, der gerne im Mittelpunkt steht, Medienpräsenz brauche ich auch, ebenso wenig die Bestätigung von anderen Leuten, um meine Leistung hervorscheinen oder bestätigen zu lassen. Für mich sind Instagram und Facebook Scheinwelten. Mich bringt das nicht weiter, wenn auf einem Foto 5000 Likes hab' oder 200.000 Follower. Das ist alles schön und gut, aber mich bringt das nicht weiter, deshalb lege ich keinen großen Schwerpunkt darauf.

Wie ist das mit dem Abtrainieren, fällt Ihnen das eher leicht oder eher schwer.
Vor den Olympischen Spielen waren 92 Kilogramm mein Normalgewicht und meine Gewichtsklasse war 87 Kilo. Die fünf Kilo Unterschied waren für mich kein Problem, weil ich relativ gut runterkomme. Im Training schwitze ich auf jeden Fall zwei Liter aus und wenn ich eine Woche vor dem Wettkampf auf die Ernährung achte, dann passt das schon.

Wie ernähren Sie sich? Sind Sie da sehr diszipliniert, oder gibt es auch Zeiten, in denen Sie sündigen?
Es gibt oft Zeiten, in denen ich sündige.

Was immer das ist…
Das ist alles mögliche, wenn ich auf ein Eis Lust habe, hole ich mir ein Eis, wenn ich auf Pizza Lust habe, hole ich mir ’ne Pizza. Aber eigentlich ernähre ich mich sehr gesund, trinke vor allem Wasser, ganz selten mal eine Cola, wenn ich Lust drauf hab’. Kurz vorm Wettkampf schau’ ich, dass es weniger Kohlenhydrate sind, und dafür mehr Eiweiß, mehr Gemüse, mehr Salat. Aber ich habe jetzt keine spezielle Ernährung. Rote-Bete-Saft trinke ich so ab zwei Wochen vor de Wettkampf.

Warum das?
Mein Sponsor Ultrasport hat mir den Tipp gegeben, Rote-Bete-Saft zu trinken, weil das die Blutkörperchen anregt, mehr Sauerstoff zu transportieren. Seitdem hab’ ich das immer gemacht, aber danach ist halt alles rot, wenn man auf der Toilette war. Da haben sie sogar einmal bei der Dopingkontrolle gefragt, ob alles okay ist.

Haben Sie bestimmte Rituale vor Ihren Kämpfen?
Nein, ich habe keine Rituale. Was ich aber oft und gerne mache vor einem Kampf, ist den Gegner zu beobachten, manchmal auch Augenkontakt herzustellen und wenn er dann wegguckt, ist das für mich eine Bestätigung, dass er nervös ist. Manchmal liege ich auch da und habe die Schuhe noch nicht an und sehe zu, wie die sich schon warmlaufen und merke, dass es sie nervös macht, weil sie sich fragen, warum macht der sich nicht warm. Das sind so kleine Spielchen, die man noch machen kann, um den Gegner zu verunsichern.

Ihr großes sportliches Ziel sind die Olympischen Spiele in Paris?
Ja, auf jeden Fall. Und auf jeden Fall die Goldmedaille. Aber aber so einen Erfolg kann man ja nicht vorausplanen. Frank Stäbler war Weltmeister, als er zu den Spielen 2016 nach Rio geflogen ist, hat sich im letzten Training am Sprunggelenk verletzt und wurde am Ende Siebter. Es kann viel passieren, aber der Traum ist auf jeden Fall da.

Erfolgsjubel: Bei Olympia in Tokio gab es wie schon 2016 Bronze.
Erfolgsjubel: Bei Olympia in Tokio gab es wie schon 2016 Bronze.
x