Ludwigshafen Den Zeitgeist eingefangen
«Mitte.» Bunte Plakate in verschiedenen Sprachen sind bis zum 31. August im Turm 33 zu sehen. Der Internationale Bauorden hat dort am Donnerstag die Ausstellung „Anpacken und die Welt entdecken – Plakate aus 64 Jahren Bauorden“ eröffnet.
Im Vorraum und einem weiteren kleinen Raum des Lutherturms hängen und stehen aktuell etwa 20 Plakate. Als die der Öffentlichkeit am Donnerstag präsentiert worden sind, waren unter den Gästen fünf junge Mädchen aus Kolumbien, Russland, Italien, Ukraine und Portugal. Sie alle sind gerade auf einer Bauorden-Reise – helfen in Worms bei Gartenarbeiten auf dem jüdischen Friedhof. Seit 64 Jahren organisiert der Internationale Bauorden Jugendbegegnungen, Friedensdienste und Hilfsprojekte in Europa. Er unterstützt soziale und gemeinnützige Einrichtungen bei Bau- und Renovierungsarbeiten. Die Freiwilligen müssen Reisekosten und eine Teilnahmegebühr bezahlen, die Unterkünfte im Gastland sind jedoch kostenlos. Die jungen Leute spenden ihre Arbeitskraft und lernen zugleich Land und Menschen kennen. Um Helfer zu gewinnen, werden heute wie vor 64 Jahren Plakate aufgehängt. „Als Werbemittel wollen sie Wichtiges darstellen und den Betrachter überzeugen“, erklärt Peter Runck, Geschäftsführer des Bauordens Deutschland. Daher sei es faszinierend zu sehen, wie sich die Anforderungen an die Plakate, die Ideen und ihre Herstellung im Laufe der Zeit verändert haben. Ein französisches Plakat beispielsweise wirkt von Struktur und Farbe, als sei es auf Packpapier gedruckt. Das soll für das Einfache, Handfeste und die französische Leichtigkeit stehen. Ein blaues Plakat ist über 60 Jahre alt, könnte aber mit seinem smileyartigen Gesicht durchaus auch modern sein. Die Plakate der 70er und 80er haben noch recht viel Text, neuere Plakate zeigen eher die Menschen. Geblieben sind Zeichen wie Backsteine oder eine Maurerkelle. Technisch gesehen finden sich alte Linoldrucke, die mit Farbe ausgeätzt wurden, bis hin zu ganz modernen Drucken. Der Bauorden wurde 1953 von dem niederländischen Geistlichen Werenfried van Straaten gegründet, von dem ein aussagekräftiges Zitat überliefert ist. Auf die Frage, ob Protestanten auch mitmachen dürfen, soll er erwidert haben: „Nur wenn die Mauer gerade wird.“ Das gemeinsame Anpacken steht beim Bauorden über dem, was die Menschen trennt. Der Gedanke der Nächstenliebe ist schließlich konfessionsübergreifend, auch wenn die Organisation selbst katholisch verwurzelt ist. Belgien, Bulgarien, Deutschland, Holland, Italien, Österreich, Polen, Schweiz und Ungarn haben nationale Bauorden-Organisationen. Und so verschieden wie die Länder sind die Plakate, denn in ihnen musste über die Jahre der Zeitgeist abgebildet werden. Musik zur Eröffnung der Schau steuerte Volker Schuhmacher bei. Auf der Akustik-Gitarre spielte er unter anderem „Yesterday“ von den Beatles – angelehnt an die Plakate, die auch aus der Vergangenheit stammen. Veranstaltet wurde die Vernissage von der Citykirchenarbeit unter Leitung von Pfarrerin Susanne Schramm. Noch Fragen? —Die Ausstellung läuft bis 31. August täglich außer mittwochs von 11.30 bis 18 Uhr im Restaurant „La Torre da Angelo“. —Am letzten Ausstellungstag, Donnerstag, 31. August, gibt es um 18 Uhr einen Vortrag zur Geschichte des Bauordens.