Ludwigshafen Den Ton fest in der Hand
Kunst aus Keramik und Ton ist derzeit im Karl-Otto-Braun-Museum zu sehen. Hinter den Arbeiten steckt die Ludwigshafenerin Annemarie Förch. Immer wieder holte sie sich zu ihrem Schaffen neue Anregungen, was die Ausstellung beweist.
„Gedankengebilde“, so ist die Ausstellung der Ludwigshafenerin Annemarie Förch betitelt, die seit vergangenen Sonntag im Oppauer Karl-Otto-Braun-Museum zu sehen ist. Die 1944 im südpfälzischen Contwig geborene Künstlerin bietet in dieser Schau einen Überblick über ihre künstlerische Entwicklung und zeigt eine breite Palette stilistischer und technischer Ausdrucksmittel. 1974 nach Ludwigshafen gekommen, wandte sie sich in den 1980er-Jahren der Keramik zu. Zunächst entstanden glasierte Tonarbeiten in ausgesprochen kreativer und fantasievoller Formgestaltung. Großen Eindruck macht die dezent-elegante Farbgebung. Schon das Erstlingsstück – eine Schale deren Rand eine Doppelreihe von Körnern ziert – wirkt auf den Betrachter. Wie ein antikes, von archaischer Mystik inspiriertes Werk wirkt das Stück, dem vom Boden her dunkle Schemen flammenartig entspringen und zur leuchtenden Höhe drängen. Neben Formen der Natur sind es Vasen, Schalen und Teller, die durch kreative Eingriffe ihren Gebrauchszweck betonen und gerade dadurch zum Kunstobjekt werden. So ziert ein Teller eine kunstvoll geschwungene Serviette, eine Vase öffnet sich wie ein Gewand dem Betrachter und zeigt eine Beerentraube. Wandbilder präsentieren sich in kontrastreichen Gestaltungselementen. Aus aufgebrochener Keramik, drängt sich der harmonische Kontrapunkt gleich einem mit Beeren gefüllten Mund oder wie ein sanft geschwungenes leuchtendes Band ins Licht. Diesen vielversprechenden Weg ihrer keramischen Kunst konnte Förch nicht weiter beschreiten. Eine schwere allergische Erkrankung – Auslöser waren wohl die Glasuren – zwang sie zum Verzicht auf das liebgewonnene Hobby. 2008 erfolgte jedoch ihr Wiedereinstieg in das keramische Schaffen. Der Kurs „Naturarbeiten - Eukalyptuskapsel im Maßstab 1:300“ bei Karin Stegmaier in Wesselonne in Frankreich wies ihr neue Wege jenseits der glasierten Keramik. Neben der überwältigenden kürbisgroßen Eukalyptuskapsel entstanden in luftig-leichtem Grün und Weiß gehaltene Porzellanobjekte mit Glas. Danach hatte Förch den Ton wieder fest in ihrer Hand. In ihrem Freiluftatelier in Leistadt begann Förch zu experimentieren. Seit 2013 besuchte sie immer wieder das Kunstzentrum Bosener Mühle am Bostalsee im Saarland. Hier beschäftigte sie sich mit dem Thema Wandplastik, schuf ein Selbstbildnis sowie eine Karikatur, einen Kinderkopf und die Arbeiten „Frau nach Modell gearbeitet“ sowie „Frau abstrahiert“. 2014 und 2015 holte sich die nun beim bildnerischen Modellieren angekommen Künstlerin Inspiration in der Tonwerkstatt Hambach und beschäftigte sich mit dem Thema „Hände“. Die Arbeiten der neueren Zeit dokumentieren den schöpferischen Fortschritt im Schaffen von Annemarie Förch. Das Faszinierende an der Künstlerin ist die starke Ausdruckskraft wie die ästhetische Reife ihrer Werke in allen Schaffensphasen. „Ihre Fantasie ist sagenhaft, die Umsetzung gelingt ihr sehr gut, alles bei ihr hat Stil“, urteilte Roselies Hampel aus Süd. Förch habe eine enorme Entwicklung gezeigt. Info Ausstellung bis 21. Februar, Karl-Otto-Braun-Museum, Edigheimer Straße 26, geöffnet sonntags von 10-13 und 14-17 Uhr.