Ludwigshafen Den richtigen Ton gefunden

Sieger: Der elfjährige Niklas Peter vom Carl-Bosch-Gymnasium.
Sieger: Der elfjährige Niklas Peter vom Carl-Bosch-Gymnasium.

Den besten Vorleser aus elf verschiedenen Ludwigshafener Schulen hat gestern eine Jury bei einem Wettbewerb in der Oppauer Stadtbücherei ermittelt. Sieger war der elfjährige Niklas Peter aus Fußgönheim, der das Carl-Bosch-Gymnasium in der Stadtmitte besucht.

„Ich bin total glücklich“, sagte Niklas nach seinem Sieg sichtlich entspannt. Der Schüler war einer von elf Sechstklässlern, die mit je einem selbst gewählten Text und einem vorher nicht bekannten Fremdtext gegeneinander im Vorlesen antraten. Teilgenommen haben sechs Mädchen und fünf Jungen – sie hatten in ihrer Realschule, Gesamtschule oder ihrem Gymnasium als jeweils Beste abgeschnitten. Die von den Sechstklässlern ausgewählten Bücher waren sehr unterschiedlich. Von Klassikern wie „Der kleine Hobbit“, spannenden Kinderkrimis bis hin zu Fantasy-Geschichten reichte die Palette. Sie hatten jeweils zwei Minuten Zeit, das Publikum und die fünfköpfige Jury von ihrer Leseleistung zu überzeugen. Entscheidend waren dabei zum einen die Lesetechnik, also ob das Kind sicher und flüssig liest, es eine deutliche Aussprache hat, das Lesetempo angemessen ist und sinngemäß betont wird. Auch die eigene Interpretation des Textes wurde bewertet. Schafft es das Kind, die Stimmung des Textes auf die Zuhörer zu übertragen und ist das Lesen lebendig und ausdrucksvoll? Schließlich ging es auch um die Auswahl der Textstelle, sie sollte exemplarisch für den Inhalt des Buches stehen und Anfang und Ende sollten in sich schlüssig sein. Niklas hat das alles einen Hauch besser umsetzen können als seine Mitstreiter. „Seit ich lesen gelernt habe, lese ich ständig. Mein Lieblingsbuch Harry Potter hatte ich in zwei Monaten durchgelesen – also alle sieben Bände“, sagte der aufgeweckte Junge. Sein Vater Eckhard Peter hat ihn zum Wettbewerb begleitet. Er war stolz auf seinen Sohn, der auch noch zweimal die Woche ins Karate-Training geht und Trompete spielt. Das Buch, das Niklas vorgestellt hat, hat er übrigens beim Stöbern im Bücherschrank seiner Großeltern gefunden: „Krabat“ von Otfried Preußler. Es basiert auf einer sorbischen Sage und erzählt die Geschichte des gleichnamigen Jungen, der Lehrling eines Zaubermeisters wird und sich gegen diesen behaupten muss. 1972 hat es den deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen und gilt seitdem als Klassiker. Nun wird sich Niklas noch auch noch eine ganze Weile mit diesem Buch beschäftigen – in Deutsch steht es ab nächster Woche als Klassenlektüre auf seinem Stundenplan. Auch die anderen zehn Kinder haben gestern eine tolle Leseleistung abgeliefert. Trotz anfänglicher Nervosität beim ein oder anderen haben sie alle ihre Sache sehr gut gemacht – und das vor fremden Publikum wohlgemerkt. Vor allem haben sie beeindruckt beim Lesen des Fremdtextes, den haben alle souverän gemeistert. Und das, obwohl der vor englischen Begriffen und Namen nur so strotzte. Die Kinder lasen jeweils etwa zweieinhalb Seiten aus „Nacht über Frost Hollow Hall“ von Emma Carroll und machten es der Jury mit der Entscheidung nicht leicht. Diese fiel dann nach abschließender viertelstündiger Beratung. Da alle gut waren, war es ein enger Ausgang. Am Ende haben kleinste Nuancen den Ausschlag gegeben. Die Jury, bestehend aus einer erfahrenen Vielleserin, zwei Journalistinnen, einer Bibliothekarin sowie der letztjährigen Stadtsiegerin musste sich intensiv besprechen, um zu einer einhelligen Entscheidung zu gelangen. „Niklas hat eine tolle Betonung. Er hat mal laut und mal leise gelesen und seine Stimme klasse verstellt, wenn er etwas in wörtlicher Rede vorgetragen hat“, erläuterte Mariama die Wahl. Die Siebtklässlerin stand im vergangenen Jahr oben auf dem Treppchen des Stadtentscheids. Alle elf Kinder erhielten als Preis das Buch „Feo und die Wölfe“ von Katherine Rundell, ein spannender und märchenhafter Schmöker, der in Russland spielt. Niklas erhielt zudem eine Einladung zum Bezirksentscheid am 12. März in der Stadtbücherei Ludwigshafen. Der Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels zählt zu den größten bundesweiten Schülerwettbewerben. Rund 600.000 Schüler beteiligen sich jedes Jahr. Mitmachen können alle sechsten Schulklassen. Über für verschiedene lokale und regionale Wettbewerbe werden die Bundessieger ermittelt.

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