Ludwigshafen „Den Blickwinkel ändern“
Mutterstadt. Janosch wird am 11. März 85. Anlässlich des Geburtstags veranstaltet die Gemeindebibliothek Mutterstadt eine Kulturwoche. Vom 11. bis 18. März dreht sich alles um den Autor und seine Werke. Im Interview spricht Leiterin Birgit Bauer über die Pläne und ihr ganz persönliches Panama.
Den Bär und den Tiger. Ich mag sie, weil sie Freunde sind und Freunde sind ganz wichtig, damit man keine Angst im Leben haben muss. Furcht und Mutigsein wird ja auch immer wieder in Janoschs Büchern thematisiert. Angst ist wohl ein Thema, dass in Janoschs Kindheit begründet ist. Er ist bei seinen Großeltern aufgewachsen. Sein Vater muss ziemlich streng und Alkoholiker gewesen sein. Die Zeit bei seinen Großeltern muss eine Art Rettungsanker für Janosch gewesen sein. Dort konnte er seinen Tagträumen nachgehen, die wohl Fundament für seine Bücher waren. Und Angst bewegt Kinder auch heute noch: Angst vor der Dunkelheit oder Angst ins Bett zu gehen. Mit den Büchern können sie das Thema auf vergnügliche Weise angehen. Jetzt liegt der Hochpunkt des Erfolgs ja schon ein wenig zurück. „Oh, wie schön ist Panama“ wurde 1978 geschrieben und hat 1979 den Deutschen Jugendbuchpreis bekommen. Kennen die Kinder heute noch Janosch? Kindergartenkinder kennen ihn eigentlich nicht mehr, nur, wenn die Eltern engagierte Vorleser sind. Es gibt so viele neue Bücher, dass die Leute auch auf die neue Literatur zurückgreifen. Janoschs 85. Geburtstag ist ein guter Anlass, um ihn den Kindern wieder näher zu bringen. Warum muss ein Kind die Geschichten kennen? Es sind Klassiker. Die Hauptfiguren brauchen wenig, um zufrieden zu sein und Abenteuer zu erleben. Das ist gerade in der heutigen Zeit wichtig, in der ohne Smartphone und ähnliches nichts mehr geht. Ich bin wirklich gespannt auf die Reaktion der Kindergartenkinder. Wie ist denn bisher die Resonanz auf die Kulturwoche? Sehr gut. Es haben sich alle Mutterstadter Kindergärten zu den Lesungen angemeldet und wir haben auch eine Anfrage aus Maudach. Für den Kinonachmittag haben wir schon 30 Anmeldungen. Bei 50 bis 60 ist aber Schluss. Es soll ja einen überschaubaren, gemütlichen Rahmen haben. Was erwartet die Kinder denn? Ein großes Thema wird Reisen sein. Ich frage, was die Kinder so mitnehmen und erzähle auch, was in meinem Koffer drin ist. Außer einem Handtuch und einer Sonnenbrille werde ich in meinem Koffer noch eine Klobürste und eine Bohrmaschine dabeihaben. So komme ich gut mit den Kindern ins Gespräch und wir machen gleichzeitig noch Sprachförderung. Dann gehen wir natürlich über zum Buch, und es geht darum, was der Bär und Tiger alles für ihre Reise brauchen. Aber es geht nicht nur um Bär und Tiger, oder? Nein, natürlich nicht. Janosch hat ja noch viel mehr geschrieben. Jüngeren Kindergartenkindern lesen wir aus dem Reimbüchern mit Kaspar Mütze vor. Das passt gut. Reime sind für mich der Gesang des Lesens. Außerdem gibt es ja noch die Buchausstellung, die parallel läuft. Sind bei der auch Janoschs Bücher für Erwachsene dabei? Deren Existenz wird ja gerne mal vergessen. Natürlich. Wir haben die Romane da, eine Autobiografie und etwas über die grafischen Werke. Die sind auch wirklich eher für Erwachsene. Die Kommentare sind teils sehr bissig. Lustig ist, dass auch Erwachsene fragen, ob sie zum Kinonachmittag kommen können. Welches ist denn Ihr liebstes Janosch-Buch? Ich mag „Oh, wie schön ist Panama“ am liebsten. Da kommt ja auch die Tigerente zum ersten Mal vor. Die Kindergartenkinder dürfen übrigens bei ihrem Besuch eine basteln. Und unser Panamabuch in der Gemeindebibliothek ist von 1978. Es ist ein richtiger Bücherschatz. Die Kinder sollen so erfahren, dass nicht nur Neues gut ist, sondern auch alte Bücher einen Wert haben. Und was macht das Buch so besonders für Sie? Es ist einfach süß. Der Bär und der Tiger haben sich auf ihrer Reise ja nicht weit von ihrem Zuhause entfernt. Aber als sie auf einen Baum klettern und den Blickwinkel ändern, entdecken sie, wie schön ihr Daheim ist und dass sie endlich das Land ihrer Sehnsucht gefunden haben. Es ist für mich die Quintessenz des Buchs, dass man einfach mal den Blickwinkel im Leben ändern und das Vertraute mit neuen Augen anschauen muss, um es schätzen zu lernen. Und wo ist Ihr Panama? Mein Panama ist auch daheim. Hier, in der Pfalz. Ich finde immer wieder Orte, an denen ich noch nicht war. Ich wandere gern und entdecke immer wieder etwas Neues. Mir geht es also ähnlich wie den beiden. Termin Janosch wurde am 11. März 1931 in Oberschlesien als Horst Eckert geboren. Damit die Kinder seine Klassiker kennenlernen, veranstaltet die Gemeindebibliothek Mutterstadt, Ludwigshafener Straße 3, zu Ehren des Autors vom 11. bis 18. März eine Kulturwoche. Neben einer Buchausstellung mit Janoschs Werken ist für Donnerstag, 17. März, 16 Uhr, ein Kinonachmittag geplant. Gezeigt werden Bildergeschichten als Film. Eine Anmeldung in der Bibliothek ist erforderlich. Der Eintritt ist frei. Zudem gibt es jeden Vormittag Lesungen mit Basteln für Kindergartengruppen. Im Netz: www.gemeindebibliothek.mutterstadt.de.