Ludwigshafen Dem Fußball treu gedient

. Der Frauen-Fußball in der Vorderpfalz läuft in den unteren Klassen seit mehr als drei Jahrzehnten über ihren Schreibtisch, doch das hat nun ein Ende: Agatha Marx aus Neustadt hat sich nach nun 32 Jahren im Amt dazu entschieden, als Frauen-Beauftragte des Bezirks Vorderpfalz und als Spielleiterin der entsprechenden Frauen-Klassen aufzuhören. Eins vorneweg: Der Vorname ist nicht falsch geschrieben. Obwohl sie jeder und schon immer unter dem Namen Agathe, genannt „Agi“, kennt, stellt sie zum Ende ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit dann doch gerne noch klar, dass sie eigentlich Agatha heißt. „Ich kann gerne den Pass holen“, sagt die Neustadterin, die in Niederkirchen aufgewachsen ist. Doch eine Ausweiskontrolle erübrigt sich in ihrem Fall. Sie ist die Verlässlichkeit in Person. Was sie macht, hat Hand und Fuß: an beiden Schreibtischen – an ihrem Arbeitsplatz bei der Firma Hauck in Neustadt und Zuhause. Von Helmut Hanß, dem ehemaligen Ludwigshafener Kreisvorsitzenden, hatte sie den sportlichen Neben-Job seinerzeit übernommen. Sie war Anfang 30, Sohn Andreas war auf die Welt gekommen und gebaut hatten sie und ihr Mann Dieter eigentlich auch gerade in Neustadt. „Ich habe mich überreden lassen, den Job zum machen“, sagt sie. Und von da an hatte sie früher sehr viel Arbeit, als es noch keine helfenden Computer-Programme gab, und in den letzten Jahren immer noch genug. Auf mindestens fünf bis sechs Stunden taxiert sie ihren wöchentlichen Zeitaufwand. Was dazu kommt und ihr wohl gar nicht hoch genug angerechnet werden kann: Sie ist immer erreichbar gewesen. „Ich habe immer gesagt, sie können auch abends um Elf anrufen, wenn’s wichtig ist“, sagt sie. Und es ist immer noch ihre Nebentätigkeit, denn ihrem Arbeitgeber ist die 68-Jährige als geringfügig Beschäftigte treu geblieben. An zwei bis drei Tagen im Monat macht die kaufmännische Angestellte weiterhin die Löhne. Und das macht sie gerne, „denn so bleibt man mit den Kollegen in Verbindung“. Zum Hallosagen als Rentnerin vorbeischauen, das würde Agatha Marx eher nicht machen, „sie müssen ja arbeiten“. Der schönste von allen ist für die Mutter von drei Kindern aber der Oma-Job. An zwei Tagen in der Woche sind die Enkel da. Und zwar richtig. Das Programm umfasst das Von-der-Schule-abholen, Mittagessen, Hausaufgaben machen und so weiter. Die Kinder haben bei Oma und Opa ein zweites Zuhause und kommen nicht nur zu Besuch. Deshalb „bin ich nicht nur die liebe Oma“, sagt Agatha Marx. In den Fußball-Klassen, die sie noch bis Saisonende betreut, sieht Agatha Marx eine sportliche Entwicklung. Und wenn sie bis zu ihren eigenen Anfängen in Niederkirchen zurückblickt sowieso. „Technisch ist das Niveau von damals nicht mit dem heutigen zu vergleichen“, findet sie. Früher habe es Ausnahmen wie „Fritz“ (Ute Scherer), „Petz“ (Birgit Petz) und Traudel Alt gegeben. Sie ist stolz, als Spielerin mit dem TuS dreimal Südwest-Meister geworden zu sein und um die deutsche Meisterschaft gespielt zu haben. Den Sport aus der aktiven Zeit zu kennen, dem man sich als Funktionär widmet, findet sie etwas Fundamentales. Es hat ihr all die Jahre Spaß gemacht, die Runden, die Hallenmeisterschaften und die Pokalspiele organisiert zu haben. Es gebe heute mehr Spielverlegungen als früher – in der vergangenen Saison hatte sie in ihren Klassen 58 –, aber nach wie vor genug engagierte Menschen in den Vereinen, so dass es auch Sinn macht, sich einzubringen. Doch nun sollen Jüngere ran. Um nicht ganz raus zu sein, kann sie sich gut vorstellen, beim Sportgericht weiterzumachen. Da will sie ihr Wissen und ihre langjährige Erfahrung einbringen. Ihr Blick auf den großen Fußball und die Entwicklung seit den Weltmeisterschaften der Männer und Frauen im eigenen Land 2006 und 2011? „Ich sehe keinen Boom entstehen. Die Stärke der Klassen hält sich in etwa die Balance. Man muss ja auch bedenken, was es für tolle Sportarten gibt, bei denen man nicht draußen im Regen rumrennen muss. Es gibt große Konkurrenz durch Handball und Volleyball. Das kann man ja aber auch verstehen“, sagt die sportbegeisterte Agatha Marx. Beim Kreistag Mitte April ist sie verabschiedet worden. Der Südwestdeutsche Fußballverband hat ihr die Goldenen Verbandsehrennadel verliehen.